Daten gelten als wertvollste Ressource des digitalen Zeitalters. Manuela Machner und Eliot Mannoia über Datenstrategie, Datenschutz und den Unterschied zwischen Daten und Wissen.
Daten sind der Rohstoff für KI. Wer Daten hat, kann Modelle trainieren, Muster erkennen und Entscheidungen optimieren. Unternehmen mit Datenvorteil haben einen strukturellen Wettbewerbsvorteil.
Daten allein haben keinen Wert. Erst die richtige Frage, die richtige Analyse und die richtige Interpretation schaffen Wert. Datenqualität ist wichtiger als Datenmenge.
DSGVO, Datensparsamkeit, Zweckbindung und Transparenz gegenüber Betroffenen sind die Grundpflichten. Wer Daten als Rohstoff behandelt, muss auch die Verantwortung dafür tragen.
Eliot Mannoia: Hallo und willkommen zur nächsten Folge von Mind/Machine. Mein Name ist Eliot Mannoia, digitaler Psychologe, und ich fokussiere mich auf den Impact von KI auf uns Menschen. Heute reden wir über Daten, insbesondere für Ihr Unternehmen, für KMUs, und wie man die nutzen kann.
Manuela Machner: Ja, und ich bin Manuela Machner, spezialisiert auf künstliche Intelligenz im Tourismus.
Und ich sag es euch allen: Ihr müsst euch um eure Daten kümmern. Das ist so ein Thema, das so relevant ist und so vernachlässigt wird. Große Unternehmen haben ja eigene Datenengineers und alles Mögliche. Aber gerade viele kleine Unternehmen unterschätzen das. Die haben ihre Website, die tragen vielleicht in Google ihre Öffnungszeiten ein, und dann sind sie fertig mit dem, worum sie sich kümmern.
Und in Wirklichkeit ist euer Unternehmen im ganzen Netz vorhanden, in unterschiedlichster Art und Weise, freiwillig und unfreiwillig. Manchmal seid ihr automatisch irgendwo eingetragen, was ihr vielleicht noch gar nicht mitbekommen habt. Und viele Dinge habt ihr euch selber eingetragen oder hattet die Möglichkeit, ob das jetzt Wirtschaftskammer ist, vielleicht Tourismusverbände, andere Stadtmarketingorganisationen oder so weiter.
Und da habt ihr vielleicht irgendwann einmal irgendwas hineingeschrieben und das stimmt vielleicht gar nicht mehr oder ist nicht relevant oder was auch immer. Und mir liegt das so am Herzen, weil die KI-Systeme arbeiten mit diesen Daten und mit allen Daten von euch. So, das ist jetzt mein Appell an die Wirtschafter draußen.
Es macht mich so fertig, wenn ich sehe, wie unterschätzt wird, welche Bedeutung diese ganzen Daten im Netz von euch haben. Und KI-Systeme orientieren sich an diesen Daten. Dann schaut euch bitte an, googelt euch selber, perplexityt euch selber, wie auch immer. ChatGPTt euch selbst.
Eliot Mannoia: Wär grad meine Frage gewesen: Das ist ja so kleinteilig, und wenn das jetzt so offen eingetragen ist, wo würdest du da anfangen?
Manuela Machner: Das Wichtigste ist natürlich, seinen Firmennamen im Wortlaut unter Google zu suchen. Da muss man sagen, es macht Sinn, dass man hundert Lösungen kriegt und ein Verzeichnis kriegt, und da wird man sehen, wo man überall genannt ist und wo man überall verlinkt ist. Und dann bitte schaut euch an, was da drinnen steht.
Lasst es auf irgendwelchen schwindlichen Sachen löschen, wenn es überhaupt noch möglich ist. Das muss man leider auch sagen. Aber alles, was ihr steuern könnt, steuert. Und für KI-Systeme ist auch die Relevanz wichtig. Das heißt, wenn ihr einen Eintrag habt auf einer spezifischen Webseite, sprich etwas für die Familie, weil ihr Produkte habt, die für Familien geeignet sind, dann muss der Text auch dazu passen und nicht der allgemeine Imagebla-bla-Text.
Diese Dinge werden immer stärker eine Rolle spielen. Die KI-Systeme gehen nicht auf eure Seite, so wie Google das macht, um eure Produkte zu verkaufen, wenn ihr was reinzahlt, sondern die vernetzen alle Informationen, die sie von euch haben. Und ich sag es euch, was da oft für ein Quirks rauskommt, weil einerseits KI-Systeme sowieso noch relativ viel halluzinieren, aber auf der anderen Seite auch, weil die Daten schlecht sind.
Eliot Mannoia: Ja, es ist manchmal auch nicht so leicht. Ich hab bei Brand Karma, wenn man es googelt, in der Beschreibung hat sich Google genommen, dass ich ein Bildungschancenanbieter bin. Wir arbeiten ja auch mit Schulen zusammen und sind auf der Bildungschancen-Plattform. Und ich hab schon eingegeben, was da eigentlich stehen sollte, auf meiner Seite.
Aber Google hat sich da entschlossen, nein, ich nehm was anderes, und ich komme nicht drauf, wie ich das ändern kann.
Manuela Machner: Da kannst du normalerweise über die Meta Description das ändern. Je nachdem, wie die Website aufgebaut ist, gibt es dort Möglichkeiten, diesen Kurztext, der da angegeben wird, den kannst du steuern im Hintergrund.
Eliot Mannoia: Ja, ich hab es doch geändert.
Manuela Machner: Echt? Und Google nimmt immer das andere?
Eliot Mannoia: Ich weiß, vielleicht muss ich ein paar Wochen warten, bis wieder die Seite-
Manuela Machner: Das könnt sein, ja.
Eliot Mannoia: Aber ich hab schon diesen Text, weil ich nutze SEO Yoast oder so. Das ist ein gängiges Plugin für SEO und für die Daten-Snippets und so.
Manuela Machner: Genau, das Snippet heißt es ja eigentlich.
Eliot Mannoia: Ja, ja. Diese
Manuela Machner: Vorgabe.
Eliot Mannoia: Will sich nicht ändern, auch schon seit ein paar Wochen. Also, es ist nicht immer so leicht, aber es gibt ja mit der DSGVO auch das Recht, dass man Daten anpassen kann. Wenn es irgendeine Plattform gibt, wo die Daten nicht korrekt stehen, dann kann man da schon auch nachfragen, dass man diese Daten auch ändern lässt.
Manuela Machner: Wenn es die Unternehmer noch gibt. Das muss man sagen, es gibt ja leider sehr viel Datenmüll im Netz.
Eliot Mannoia: Das stimmt.
Manuela Machner: Wo irgendwer irgendwann einmal irgendwas ausprobiert oder getestet hat oder gemacht hat, irgendein sensationelles Geschäftsmodell. Das hat dann nicht funktioniert und die Seite wurde nie abgedreht.
Das haben wir im Netz schon auch. Ich meine, der Vorteil ist, dass diese Seiten dadurch, dass sie nicht aktiv sind, also nicht aktiv gewartet werden oder so, nicht so viel Relevanz vielleicht haben. Aber eben in der Wissenssammlung ist es trotzdem dann als Information drin.
Und ich glaub, da müssen wir einfach auch im Unternehmertum stärker dieses Bewusstsein schaffen, dass es nicht egal ist. Weil ich aus dem Tourismus komme, hör ich immer so diese Skepsis. Ich hab gestern erst so eine Diskussion gehabt: Ja, was auf der Tourismusseite von meinem Betrieb steht, das haben wir eh einmal schön formuliert und das ist mir eigentlich eh egal, weil über den Tourismus bucht eh kein Kunde.
Erstens, vielleicht ist aber der Text nicht so schön wie auf Booking.com oder so. Oder die Bilder, hm. Aber vielleicht auch das Thema, es geht ja nicht nur darum, ob er direkt bucht, sondern ob er eine Entscheidung trifft, weil er sich angesprochen fühlt. Aber das dritte Thema ist einfach, diese Plattformen haben eine größere Stärke als die Einzelwebseite des Betriebs.
Wenn eine Plattform wie eine Tourismusplattform einfach tausende Links hat, die zu dieser Plattform führen und die wegführen von dieser Plattform, wenn diese Plattform Millionen von Zugriffen hat, dann wird sie von Systemen einfach als relevanter erachtet als die kleinen Seiten, die man einfach hat als Betrieb oder als Hotel.
Eliot Mannoia: Ja. Dieses Domain Authority und solche Sachen spielen auch eine Rolle, absolut.
Manuela Machner: Definitiv. Und trotzdem ist es deswegen wichtig, dass dort die Daten sauber sind.
Eliot Mannoia: Ja, saubere Daten für die Datenpflege, auch ganz wichtig. Ich hoffe, dass da die KI auch mehr unterstützen kann. Vielleicht auch für die Marketingdaten oder Google Analytics oder Sitedaten, weil ich weiß, ich war ja lange auch in der Medienwelt tätig, und die Kunden haben oft nicht die Zeit, sich Reportings anzuschauen.
Und ich muss gestehen, viele Leute in der Marketingbranche, die Kunden zuliefern, liefern oft einfach nur Tabellen. Zwanzig, dreißig Seiten von Tabellen, Tabellen, Tabellen ohne Insights. Oder Faceboards. Deswegen würde ich das empfehlen. Das ist höher, als würde ich das empfehlen. Also wirklich kaum Insights, wirklich nur zugemüllt mit Insights, sorry, mit Tabellen.
Und Daten sind ja dumm. Jeder hat Daten. Ich kann dir fünfzigtausend reine Daten in Excel schicken. Es braucht die Interpretation. Und das ist die nächste Stufe. Das sind dann oft die Tabellen. Aber die letzte Stufe ist dann noch das Destillieren, die Insights, das So what?
Was mache ich jetzt? Und das fehlt fast immer. Und das ist dann wirklich, wenn man Kunden sagen kann, hier sind die fünf Empfehlungen im Vergleich zum letzten Quartal und zum letzten Jahr, das sind Insights. Und da kann, glaube ich, die KI auch helfen, weil die Leute nicht die Zeit haben. Und wie gesagt, man bekommt es oft von den Agenturen nicht.
Die Agenturen schicken nur Tabellen und man bekommt oft nicht diese Insights, und da kann KI unheimlich helfen.
Manuela Machner: Definitiv. Egal welche Daten. Mich hat das letzte Mal jemand gefragt, ob sie nicht ihre Buchhaltungsdaten theoretisch, ihre Auswertungstabellen in ChatGPT raufstellen kann. Da habe ich gesagt: Na ja, ist so ein bisschen kritisch von den sensiblen Daten her.
Aber jetzt abgesehen davon, es gibt ja auch Systeme, die das nicht mit der Welt austauschen. Oder man anonymisiert diese Daten in irgendeiner Art und Weise, weil mit Zahlen alleine fängt keiner was an, ohne einen Bezug zu einem Unternehmen. Aber natürlich können Programme das schon super analysieren, aber eben, so wie du sagst, der nächste Step daraus sind Handlungsempfehlungen.
Weil nur wenn ich weiß, jetzt habe ich so und so viel Zugriffe mehr, heißt das ja nicht, dass ich weiß: Ja und? Warum? Wobei man auch, glaube ich, ein bisschen die Relationen analysieren muss. Also er sieht die Trends und die Entwicklungen, aber ich glaube, es braucht noch immer die Person, die dann sagt: "Na ja, das eine Video war halt genau das Video, wo die Person blöd in die Kamera geschaut hat, und deswegen haben alle geliked."
Oder es war ein Meme oder was. Ja, das funktioniert offensichtlich. Ich glaube, es braucht da dieses Zusammenspiel schon, aber man kann es machen.
Eliot Mannoia: Was ich auch spannend finde: Ich habe jetzt zum Beispiel einen Kunden, der sagt oft, wir haben zu viele unstrukturierte Daten. Es ist so kleinteilig und manche Sachen sind sogar noch auf Papier geschrieben, und es ist so kompliziert, und es ist ein ziemlich großes Unternehmen. Und da sage ich auch, fangt jetzt damit an.
Mit KI ist es wirklich schon superleicht und eigentlich gut genug, um durch Bild- oder Tonaufnahmen, also durch Diktieren, diese unstrukturierten Daten zu strukturieren. Einen handgeschriebenen Brief kann man vorlesen, diktieren, dann ist es elektronisch, oder sogar ein Bild machen, das ist auch schon gut genug, dass es die meisten Handschriften erkennt.
Und dann ist es strukturiert, weil die KI wird nur besser, und so schnell ihr eure Daten strukturiert habt, umso schneller könnt ihr die dann auch einsetzen und wirklich den Vorteil davon nutzen.
Manuela Machner: Ja, und ich hab ein bisschen auch einen Konflikt mit der Bezeichnung Daten sind unser neues Gold oder Öl oder wie auch immer. Das ist ja so in aller Munde. Insofern, dass ich schon der Meinung bin, Gold und Öl verlieren ja nicht an Wert mit der Zeit. Es wird immer einen gewissen Wert haben, während aber Daten, wenn sie nicht genutzt sind, irgendwann einfach wertlos sind. Wenn ich jetzt Kundendaten hab und diese Kundendaten nicht nutze, dann wird es diese Kunden in zehn Jahren wahrscheinlich nicht mehr in der Form geben oder nur mehr bedingt.
Und dann ist es zwar super, wenn ich die Daten irgendwie gescheit nutzen kann, aber sie nutzen nichts mehr, weil sie nicht mehr aktuell sind. Mir gefällt besser: Daten können Saatkörner sein. Wenn man sie pflegt, gießt, nutzt, dann kann man richtig gute Ernte davon tragen.
Aber wenn sie im Sack im Lager liegen, dann werden sie irgendwann einfach wertlos sein, die Samen.
Eliot Mannoia: Ja, finde ich gut. Eine klare Taxonomie, eine klare Struktur, dann kann man sie am besten nutzen.
Manuela Machner: Absolut. Und vor allem, man muss sich einfach Gedanken darüber machen. Bevor man jetzt redet von den Daten, wie man selber im Netz steht, man hat einfach sehr viele Daten im Unternehmen, und das sind eigene Prozesse, mit diesen Daten zu arbeiten.
Und vielen ist ja gar nicht bewusst, selbst wenn du jetzt ein kleiner Händler bist, keine Ahnung, eine Trafik oder sonst was: Du hast Daten allein durch deine Registrierkasse. Du kannst eigentlich genau sagen, wie viel anteilig verkaufst du Zeitschriften, wie viel Krimskrams, wo liegt am meisten dein Gewinn, solltest du schauen, dass du mehr dieses oder jenes verkaufst.
Ich meine, wir kriegen es schwer, weil wir keine Werbung machen dürfen, aber trotz allem, egal in welchem Bereich du bist, du kannst schon sehr viel herauslesen aus deinen Daten und dann auch Maßnahmen daran hängen.
Eliot Mannoia: Ja. Ich glaube, auch bei Daten haben wir kaum die Oberfläche gekratzt. Ich glaube, da könnten wir auch jetzt noch Stunden lang reden. Faszinierendes Thema. Was haben wir denn alles abgedeckt heute? Angefangen von dem Appell, die Daten einfach auch mal zu überprüfen, was es von euch da alles draußen gibt. Manuela hat auch ganz klar gesagt, dass es wichtig ist für euer Unternehmen, diese Daten zu pflegen.
Größere Unternehmen haben da vielleicht eigene Abteilungen. Bei KMUs ist die Pflicht wirklich da, die eigenen Daten zu pflegen. Man kann anfangen mit einer Google-Suche: Wo ist man überall gelistet? Wo kann man Sachen anpassen und schauen, dass alles auf dem neuesten Stand ist? Denn die KI nutzt oft Online-Einträge, um Antworten und Schlüsse zu ziehen.
Also ganz, ganz wichtig. Ist auch nicht so zeitaufwendig, wenn man zumindest mal bei den Hauptquellen anfängt. Dann haben wir auch besprochen, die Daten auf Unternehmensseite, wie man da unstrukturierte Daten strukturieren kann. Auch Reporting und Insights, dass man nicht nur Daten bekommt, sondern dass die KI da vielleicht auch dann Schlüsse ziehen kann, Muster erkennen kann, und auch, wenn man nicht viel Zeit hat, weil man hat nicht viel Zeit, sich Reportings anzuschauen, dass die KI unterstützt und sagt: „Hey, das sind die Top drei Empfehlungen.“
Aber auch da sollte man schauen, dass man auch vielleicht die Daten ein bisschen hinterfragt manchmal, bevor man nur diese drei oder vier findet.
Manuela Machner: Ja, und ich glaube, das nächste Thema wird auch ganz spannend werden, und zwar KI und Entscheidungsfindungen und das Thema Ethik, das dahintersteckt. Wer entscheidet und welche ethischen Grundsätze sollten KI-Systeme auch in Zukunft haben? Und das ist sicher ein sehr, sagen wir jetzt mal, herausforderndes Thema.
Eliot Mannoia: Wir freuen uns auf euch.
Manuela Machner: Wir auch. Also.