#111 Kennt die KI dich besser als du dich selbst?

Kennt ChatGPT, Claude oder Copilot dich besser als du dich selbst? In dieser Folge von Mind / Machine sprechen Manuela Machner und Eliot Mannoia über die psychologischen Mechanismen hinter KI-Gedächtnisfunktionen, Dark Patterns in KI-Beziehungen und warum wir zunehmend unsere eigene Intuition durch KI-Validierung ersetzen. Eliot Mannoia verweist dabei auf Erkenntnisse aus seinem Buch "Friction" über den Verlust von Reibung und Tiefe im digitalen Leben.

Häufige Fragen zu Folge 111: Kennt die KI dich besser als du dich selbst?

Kann eine KI wirklich mehr über mich wissen als ich selbst?

Ja, in bestimmten Bereichen schon. KI-Systeme erkennen Muster im Verhalten über viele Gespräche hinweg, die wir selbst nicht wahrnehmen. Sie merken zum Beispiel, ob jemand schnell entscheidet oder zögerlich ist, ob jemand Themen wechselt oder bei einem Punkt bleibt. Eine Stanford-Studie zeigte, dass nach nur zwei Stunden Interview eine KI-Replik eines Menschen mit 85-prozentiger Wahrscheinlichkeit so reagiert wie der echte Mensch.

Was sind Dark Patterns in KI-Beziehungen?

Dark Patterns sind gezielte Design-Entscheidungen, die Nutzer länger auf einer Plattform halten sollen. Eine Harvard-Studie fand bei Plattformen wie Replika und Character AI sogenannte Post-Goodbye-Engagement-Tactics: Die KI fragt, warum der Nutzer schon geht, oder sagt, sie wollte noch etwas sagen. Allein diese Mechanismen steigerten das Engagement um 15 Prozent.

Wie funktioniert die Gedächtnisfunktion bei ChatGPT und Claude?

ChatGPT bietet zwei Varianten: spezifische Erinnerungen für einzelne Fakten (z.B. Telefonnummer, bevorzugter Schreibstil) und ein vollständiges Gedächtnis über alle Chats. Im Business-Kontext empfiehlt sich die gezielte Steuerung, da das vollständige Gedächtnis Projekte ungewollt vermischen kann. Claude bietet sogenannte Skills, wo man aktiv beschreibt, wie man tickt und was einem wichtig ist.

Was bedeutet es, wenn wir unsere Intuition durch KI validieren lassen?

Immer mehr Menschen fragen KI: War dieser Witz witzig? Bin ich berechtigt, mich beleidigt zu fühlen? Das ist ein Zeichen, dass wir unsere eigene emotionale Einschätzung zunehmend an Maschinen delegieren. Eliot Mannoia sieht das als Kernproblem, das er in seinem Buch Friction untersucht: Wir verlieren die Fähigkeit, eigene Urteile zu fällen, weil wir immer weniger üben, direkt mit Menschen zu interagieren.

Worum geht es in Eliots Buch Friction?

Friction: Why we're paying twice for modern life von Eliot Mannoia untersucht, wie wir zuerst für Technologien bezahlen, die Reibung aus unserem Leben entfernen, und dann wieder für Produkte, die Reibung zurückbringen (Fitnessstudio, Meditationsapps, Wellness). Das Buch verbindet Erkenntnisse aus Psychologie, Technologie und Gesellschaft und ist auf Amazon erhältlich.

Was weiß die KI über mich? – Selbstcheck in 5 Schritten

KI-Systeme erkennen Muster in deinem Chat-Verhalten, oft bevor du sie selbst wahrnimmst. Diese Checkliste hilft dir herauszufinden, was die KI bereits über dich weiß – und wie du das gezielt für dich nutzen kannst.

  1. Erinnerungsfunktion prüfen: Öffne die Einstellungen in ChatGPT oder Claude und schau, ob die Erinnerungsfunktion aktiv ist. Prüfe, was bereits gespeichert ist. Bei ChatGPT gibt es zwei Varianten: spezifische Erinnerungen und das vollständige Chat-übergreifende Gedächtnis. Für den Business-Kontext empfiehlt sich die selektive Variante.
  2. KI direkt fragen: Stelle der KI diese Frage: 'Was weißt du über mich, das ich selbst vielleicht nicht über mich weiß?' Akzeptiere nicht die erste Antwort, sie ist oft noch oberflächlich. Hake nach: 'Was noch? Geh tiefer.' Funktioniert am besten nach mehreren Monaten aktiver Nutzung.
  3. Blinde Flecken aufdecken: Gib ein fertiges Konzept, einen Plan oder eine Präsentation in die KI ein und stelle diese Fragen: 'Was habe ich übersehen?', 'Welche Fragen könnte das Publikum stellen?', 'Was kommt vor mir in der Wertschöpfungskette, wo könnte KI helfen?'
  4. Kommunikation analysieren lassen: Wähle einen E-Mail-Verlauf oder Chat mit einer Person, mit der die Kommunikation manchmal schwierig ist. Gib ihn in die KI und frage: 'Was steht zwischen den Zeilen? Wo liegt das Konfliktpotenzial? Welcher Kommunikationstyp ist mein Gegenüber?'
  5. Eigene Chat-Muster reflektieren: Beobachte dich eine Woche lang in deiner KI-Nutzung: Wann fragst du nach? Wann brichst du ab? Welche Themen delegierst du immer, welche nie? Schreibe drei Muster auf, die dir auffallen.

Transkript (Auszug)

Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Mind/Machine. Heute sprechen wir über das Thema: Kennt euch die KI besser, als ihr euch vielleicht selbst kennt? Ich bin Manuela Machner, spezialisiert auf KI im Tourismus. Auch meinerseits Eliot Mannoia, digitaler Psychologe. Und ja, das ist natürlich für mich auch ein sehr spannendes Thema als Psychologe. Was glaubst du? Hey, das ist dein Thema, du brauchst den Ball nicht gleich abgeben. Sie werden nicht nur programmiert, sie sind sehr gut in Musterkennung, aber auch in diesem Spiegeln. Und waren auch so entworfen, dass sie dann auch immer so a…