Transkript
Hi und willkommen zur nächsten Folge von Mind/Machine. Mein Name ist Eliot Mannoia, digitaler Psychologe und heute reden wir über den Gap zwischen KI und was möglich ist und was dann eigentlich auch in der Realität umgesetzt wird.
Ich bin Manuela Machner, spezialisiert auf KI im Tourismus. Wenn so viel wie wir uns mit KI beschäftigen, haben wir viele Gaps, die wir überall sehen, oder? Zwischen dem, was schon möglich ist und dem, was wirklich passiert. Hast du irgendeine Erfahrung, wo du dir denkst das hat mich dann wirklich noch überrascht, dass es da wirklich noch diese Unterschiede gibt?
Ja, fix. Also da kommt gleich das Erste. Beim VHS in Otterkring habe ich einen KI-Workshop gemacht für Jugendliche und die nutzen halt manche eher ein Smartphone. Manche haben auch kein Laptop zu Hause und wussten nicht, wie sie auf einem Laptop die Shift-Taste drücken mussten, um einen großen Buchstaben zu erzielen. Und wussten auch nicht, wie sie in einer E-Mail etwas anhängen. Das hat mich sehr geschockt.
Diese Dinge, die wir sehr oft als selbstverständlich annehmen. Große Teile der Bevölkerung sitzen überhaupt nie an Computern, weil in ihrem Job das keine Funktion ist. Die Erwartungshaltung ist aber dennoch, dass die genauso KI-Systeme aktiv nutzen und verstehen, wovon wir reden.
Ich mache auch manchmal KI-Workshops bei Hotels oder Firmen, wo dann manchmal das WLAN nicht gut funktioniert. Wir reden über künstliche Intelligenz, hochentwickelte Maschinen, und dann funktioniert das WLAN nicht.
Vom Wissen her habe ich manchmal auch wirklich Expertinnen in einem Workshop. Und auf der einen Seite sind Menschen, die noch kaum Berührungspunkte haben. Und dann die Expertinnen können KI nicht definieren. Also die seltensten Menschen können eigentlich künstliche Intelligenz beschreiben oder definieren.
Ich glaube, das Spannende ist gerade, dass KI-Systeme so einfach nutzbar eigentlich sind. Jeder von uns kann mit ChatGPT reden oder schreiben und dann kommt gleich was raus. Damit ist sehr oft auch das Thema erledigt. So nach dem Motto: ich benutze KI, weil ich sage, ChatGPT schreibt mir meine E-Mail schön.
Wir sind schnell zufrieden, weil wir irgendwas erreicht haben, wo wir glauben, das ist für uns wichtig. Und in Wirklichkeit ginge viel, viel mehr, aber wir kommen gar nicht auf die Idee, dass das viel mehr nutzbar ist.
Ich finde es so lieb, wenn ich Stammkunden habe, wo ich Updates mache und dann sage: habt ihr jetzt schon mal Claude ausprobiert? Nein, nein, ich habe da ein Custom-GPT gebaut, das macht mir das. Damit bin ich zufrieden, dass es funktioniert.
Das größte Gap finde ich aber nach wie vor ist das, was technisch schon möglich ist und was keiner nutzt. Also Agentik. Agenten die alles mögliche schon selbstständig machen können. Die machen einfach die Word-Datei, die machen das PowerPoint. Ihr könnt diskutieren was ihr gerne hättet. Aber das Ding macht das.
Viele nutzen Voice noch wie eine Suche. Was ist die Hauptstadt von Frankreich? Also wirklich wie eine Google-Suche nur. Das ist kein Dialog, keine Konversation. Das verpasst einen riesigen Vorteil.
Ich glaube, da werden du und ich, weil wir bei diesem Thema so leidenschaftlich dabei sind, weiter neue Features probieren, wo ich glaube, wir werden in einem Jahr noch immer mit WLAN kämpfen. AI is easy, AV is hard.
Wie geht es dir mit diesem Gap eigentlich im Kursverhalten? Ich tue mir als Trainerin manchmal wirklich schwer. Ich habe so ein bisschen selber das Problem mit, wie weit führst du die Leute, die Anfänger sind, an das heran was technisch schon möglich ist? Wenn ich ein Agentic-System zeige für jemanden der gerade einmal seinen ersten Prompt schreibt, dann weiß ich einfach, das ist zu viel. Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, ich sage euch eigentlich nicht das, was wirklich wichtig ist gerade.
Ich mache immer vorher eine Umfrage, einfach nur, um zu checken, ob Anfänger dabei sind. Und sobald Anfänger dabei sind, dann tue ich mich immer auf die einstellen. Ich sage es auch dann klipp und klar am Anfang: wir werden heute schauen, dass wir alle abholen.
Ein riesen Gap zwischen tatsächlicher Nutzung und dem, was die Leute auch als Werkzeug überhaupt haben und nutzen. Auch die Eigeneinschätzung: ich habe sehr oft, dass Leute in meinen fortgeschrittenen Kurs kommen. Und dann frage ich: wie habt ihr die Memory Funktionen eingestellt? Und dann ist ein großes Fragezeichen in den Augen. Von 30 Leuten haben es drei Leute vorher gemacht.
In Europa feiern wir die Misserfolge. Irgendwas hat einmal nicht funktioniert in irgendeinem System und jeder schreibt drüber. Im amerikanischen Raum feiert man halt mehr die Erfolge. Und ich finde es so witzig: am Anfang, als jeder das erste Mal mit einem Sprachmodell einen Text schreiben hat lassen, wie wir dort gesessen sind. Und da sind Buchstaben entstanden auf dem Bildschirm. Und heute sagen wir: naja, das ist zu langsam und zu kurz.
Leute werden sehr oft unter Druck gesetzt, die glauben, dass alle schon Agenten in der Firma nutzen. Keine Sorge: nicht jeder ist schon soweit. Aufklärung sollte man wirklich heute, gestern schon anfangen. In Bezug zu vollintegrierten KI-Systemen und Agentic Economy: da müsst ihr euch jetzt nicht so einen Druck machen.
Alle glauben, alle anderen sind schon viel weiter in der KI-Nutzung und Entwicklung. In der Realität sind alle noch ganz am Anfang, außer vielleicht einzelne Leuchttürme.
Nicht jedes Tool ausprobieren müssen. Wenn ihr Grafik-Designer seid, dann schon. Sonst fokussiert euch auf das Wichtige. In dem Kernbereich in dem man tätig ist, zumindestens die Entwicklungen in der eigenen Branche bewusst sein.
Ein Tipp nur: wenn du sagst, wie kannst du mir helfen, bitte schreib dazu: recherchiere, wie du mir helfen kannst. Weil ChatGPT in der Gratisversion hat ein Gedächtnis bis Juni 2024. Und da erzählt er, wenn du Pech hast, noch immer, dass das Modell 4.0 ist. Schreibt einfach als Tipp dazu: recherchiere oder schau nach, weil sonst kann es euch passieren, dass ihr euch einen Hinweis gebt, der eigentlich so gar nicht mehr existiert.
Wir versuchen, diese Gap möglichst klein zu halten. Einfach mit Gesprächen und mit Austausch ist schon mal viel getan. Weiter informieren und wir sehen uns auch nächste Woche wieder, wenn es heißt Mind/Machine.