Mit zehn Likes auf Facebook kennt der Algorithmus dich besser als dein Arbeitskollege. Mit dreihundert Likes besser als dein Partner. Was passiert, wenn ein digitaler Zwilling von dir noch viel mehr Daten hat? Manuela Machner und Eliot Mannoia über Medizin, Metaverse und die Frage: Wann dreht man den Zwilling eines Verstorbenen ab?
Am digitalen Zwilling kann man Therapiemethoden und Medikamentationen simulieren, ohne die Nebenwirkungen selbst zu erleben. Da nicht jeder gleich auf Medikamente reagiert, können so personalisierte Dosierungen berechnet werden. Die Geschäftsführerin von Sanofi hat erklärt: Frauen reagieren oft anders als Männer, verschiedene Ethnien ebenfalls.
Manuela Machner
Das OCEAN-Modell beschreibt fünf Persönlichkeitseigenschaften: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Cambridge Analytica hat es für politische Manipulation genutzt. Eliot Mannoia: Mit zehn Likes auf Facebook kennt der Algorithmus dich besser als dein Arbeitskollege. Mit siebzig besser als dein Zimmergenosse. Mit dreihundert besser als dein Partner.
Eliot Mannoia
Eliot Mannoia: Bei einem plötzlichen Tod kann es therapeutisch hilfreich sein, einen Abschluss zu bekommen. Aber die Frage ist: Wann dreht man das ab? Wann schließt man damit ab? Die Black-Mirror-Serie hat dieses Szenario bereits durchgespielt. Wenn die persönliche Betroffenheit nicht da ist, wie bei Van Gogh in Frankreich, ist alles viel einfacher.
Eliot Mannoia
Bruce Willis hat für die russische Telekom in einer Werbung gespielt, ohne physisch anwesend zu sein. Das war mit seiner Erlaubnis und mit Bezahlung. Schauspieler haben letztes Jahr protestiert, weil Filmstudios digitale Zwillinge nutzen wollten, ohne die Personen für jede Szene zu bezahlen. Solange die Person entlohnt wird, ist das vielleicht gar nicht so schlecht.
Eliot Mannoia
In Frankreich kann man sich bereits mit Van Gogh unterhalten. Manuela Machner sieht großes Potenzial: In der Steiermark den Erzherzog Johann interviewen, was er sich gedacht hat, wie er das Land gefördert hat. Oder Schüler, die mit Mozart über Musik lernen oder mit Kleopatra über das alte Ägypten sprechen. Ein viel besseres Lernerlebnis als ein Buch.
Manuela Machner
**Eliot Mannoia:** Grüß euch zur nächsten Folge von Mind Machine. Ich bin Eliot, digitaler Psychologe von Brand Karma. Wir fokussieren uns auf emotionale Intelligenz und Psychologie und wie wir als Menschen mit Technologie und KI umgehen.
**Manuela Machner:** Und ich bin Manuela Machner. Ich habe mich auf den Bereich Tourismus und Künstliche Intelligenz spezialisiert und bin eher der Technik-Freak, der alles ausprobieren muss und sehr offen ist gegenüber neuen Technologien.
Heute beschäftigen wir uns mit dem Thema Digitaler Zwilling von Menschen. Nicht Städte duplizieren, sondern wirklich einen digitalen Zwilling eines Menschen.
**Eliot Mannoia:** Der Begriff digitaler Zwilling wird oft in der Stadtplanung und auf Industrieebene genutzt, um anhand von Sensorik- und historischen Daten ein digitales Abbild einer Realität zu machen. Die Feuerwehr in einem österreichischen Bundesland hat das zum Beispiel mit Feuer gemacht: Da war ein Feuer in einer Region, sie haben alle Daten erfasst und konnten dann sagen, wenn der Wind von einer anderen Richtung gekommen wäre oder die Temperatur drei Grad wärmer gewesen wäre, wie hätte das das Feuer beeinflusst? Szenarioplanung.
Wir besprechen heute: Wenn wir unsere Gesundheitsdaten und biometrischen Daten erfassen würden, was könnte man damit machen? Im Gesundheitswesen, Schlaf-Tracking, Szenarioplanung: Wenn ich eine halbe Stunde mehr am Tag schlafe, was würde das bewirken?
**Manuela Machner:** Zum Beispiel die Wirkung von Medikamenten. Nicht jeder von uns reagiert auf jedes Medikament gleich. Man kann Therapiemethoden und Medikamentationen am digitalen Zwilling experimentieren, ohne dass ich die Nebenwirkungen selbst erleben muss. Ich war vor Kurzem bei einer Veranstaltung, wo die Geschäftsführerin von Sanofi gesprochen hat: Frauen reagieren oft anders als Männer, und verschiedene Ethnien auch. Man kann Medikamente gezielt einsetzen und dosieren.
**Eliot Mannoia:** Jeder von uns kann sich per Video klonen lassen. In Wirklichkeit sitze ich gerade gar nicht da. Das könnte man in Gaming-Spiele integrieren, in virtueller Realität als man selbst auftreten. Und Online-Shopping: Wenn man die genauen Körpermaße hat, kann man Kleidung virtuell anprobieren und sehen, wie sie fällt.
**Manuela Machner:** Ich mag Einkaufen gar nicht. Ich würde gerne sehen, wie ich aussehe, und sagen: Das nehme ich und das nicht. Das hat wirklich Zukunftschancen.
**Eliot Mannoia:** Schauspieler haben letztes Jahr protestiert wegen digitaler Zwillinge. Wenn man eine Berühmtheit nicht mehr für jede Szene braucht, sondern sie aufgrund eines Videoschnipsels klont. Solange die Person dafür entlohnt wird, ist das vielleicht gar nicht so schlecht. Bruce Willis hat für die russische Telekom in einer Werbung gespielt, ohne dort zu sein. Mit Erlaubnis und Bezahlung. Ihm geht es gesundheitlich leider nicht gut.
**Manuela Machner:** Die Bild-Zeitung hat Werbung gemacht, wo Politiker sagen, die Bild gibt es weiterhin. Klein darunter stand: mit KI-Stimmen generiert. Die Politiker haben das nicht selbst gesagt. Das wurde als Werbung für die Bild verwendet.
**Eliot Mannoia:** Das erinnert mich an das OCEAN-Modell, das ein Psychologe entwickelt hat. Fünf Persönlichkeitseigenschaften: Openness (Offenheit), Conscientiousness (Gewissenhaftigkeit), Extraversion, Agreeableness und Neuroticism. Cambridge Analytica hat das genutzt, um auf größerer Ebene zu manipulieren. Was ich spannend finde: Mit zehn Likes auf Facebook kann der Algorithmus dich besser einschätzen als dein Arbeitskollege. Mit siebzig Likes besser als dein Zimmergenosse. Mit hundertfünfzig Likes besser als ein Familienmitglied. Mit dreihundert Likes besser als deine Partnerin oder dein Partner.
Mit einem digitalen Zwilling und KI-Daten haben wir bald weit mehr als dreihundert Datenpunkte. Das kann sehr nützlich sein als persönlicher KI-Assistent, der Termine beim Friseur macht oder Einkäufe erledigt.
**Manuela Machner:** Aber es gibt auch die kritische Seite: Digitale Zwillinge von Verstorbenen. Man lässt sich klonen und die Familie kann nach dem Tod noch mit einem sprechen. Ich weiß nicht, was das mit einer Familie macht, wenn sie den Bildschirm einschalten und mit jemandem reden können, der schon tot ist.
**Eliot Mannoia:** Da gibt es die Black-Mirror-Folge dazu. Aus psychologischer Sicht: Wenn es ein schneller, unerwarteter Tod war, kann es therapeutisch hilfreich sein, einen Abschluss zu bekommen. Aber die Frage ist: Wann dreht man das ab? Wann schließt man damit ab?
**Manuela Machner:** Auf der anderen Seite gibt es das als Event. In Frankreich kann man sich mit Van Gogh unterhalten. Wir haben kein moralisches Problem damit, weil es etwas Außergewöhnliches ist. Touristisch gesehen wäre es ein Highlight, wenn man in der Steiermark den Erzherzog Johann interviewen könnte, was er sich gedacht hat, wie er das Land gefördert hat. Kulturgeschichte ganz anders erleben.
**Eliot Mannoia:** Wenn Schüler mit Mozart über Musik lernen oder mit Kleopatra über das alte Ägypten sprechen könnten, ist das von der Bildungsperspektive her faszinierend. Ein viel besseres Lernerlebnis als ein Buch.
Zusammengefasst: Der digitale Zwilling ist im medizinischen Bereich sinnvoll, im Freizeitbereich macht er Spaß, hat aber auch kritische Seiten. Er bildet eine Basis für Fake und wirft die Frage auf: Was passiert, wenn der digitale Zwilling nicht so genutzt wird, wie man es möchte? Nächstes Mal: KI und Kreativität. Ist die KI wirklich kreativ?