#67 Wenn Kunst lebendig wird - mit Sergiu Ardelean

Sergiu Ardelean, CEO von Artivive und Harvard-Mentor, spricht über die Verbindung von KI und Kunst und wie seine Plattform Kunstwerke zum Leben erweckt.

FAQ: Wenn Kunst lebendig wird – mit Sergiu Ardelean von Artivive

Was macht Artivive und wie verbindet es KI mit Kunst?

Sergiu Ardelean, CEO von Artivive, erklärt: Artivive macht physische Kunstwerke durch Augmented Reality lebendig. KI spielt dabei eine zentrale Rolle bei der Erkennung von Kunstwerken und der Überlagerung digitaler Inhalte.

Sergiu Ardelean

Wie verändert KI die Kunstwelt?

KI demokratisiert Kunstproduktion, schafft neue Ausdrucksformen und ermöglicht interaktive Erlebnisse. Sergiu Ardelean diskutiert, wie Künstlerinnen und Künstler KI als Werkzeug nutzen können, ohne ihre kreative Identität zu verlieren.

Sergiu Ardelean

Was ist die Verbindung zwischen Harvard, MIT und KI-Innovation?

Sergiu Ardelean ist Mitglied des Advisory Board on Creativity and Entrepreneurship at Harvard und Mentor at MIT. Er beschreibt, wie diese Netzwerke KI-Innovation fördern und welche Erkenntnisse er aus diesen Umgebungen mitbringt.

Sergiu Ardelean

Transkript

**Eliot Mannoia:** Hi und willkommen zur nächsten Folge von Mind Machine. Heute freut es uns sehr, den Gast Sergiu Ardelean bei uns begrüßen zu dürfen. CEO von Artivive, eine echt coole Startup. Member of the Advisory Board on Creativity and Entrepreneurship at Harvard Lehmann's Programme und Mentor at MIT. Und wo wir uns auch kennengelernt haben, bei BOLD, bei der BOLD Community.

Wir haben Manuela Machner, KI-Expertin im Tourismus. Ich bin der Eliot Mannoia, digitale Psychologe. Und ja, vielen, vielen Dank, Sergiu, dass du heute bei uns dabei bist. Und ja, kannst du uns gleich vielleicht ein bisschen am Anfang erzählen von Artivive und deine Reise in der Welt von Kunst für Leute, die vielleicht nicht wissen, was Artivive ist.

**Sergiu:** Vielen lieben Dank, Eliot, und vielen Dank für die Einladung und dass ich da sein darf. Ja, wir haben vor acht Jahren mit Artivive gestartet. Das ist unglaublich Glaube ich, wie die Zeit vergeht. Davor habe ich eine Marketingagentur geleitet auf der kreativen Seite und bin dort mit Augmented Reality in Berührung gekommen. Wir waren auch die erste Agentur, die Augmented Reality für Kampagnen verwendet haben. Das war auch damals auch eine sehr, sehr neue Technologie und ich habe dann den Potenzial für die Kreativen gesehen. Also Augmented Reality ist ein Medium, um Geschichten zu erzählen, wo man einen Einstieg online hat, beziehungsweise analog etwas, was man in der Hand haben kann und dann online die Geschichte weitergeht.

**Eliot Mannoia:** Für 2017?

**Sergiu:** Assets verwenden kann, um Geschichten aufzubauen. Und so ist die Idee entstanden von Artivive, weil man gesagt hat, okay, wir sollen das demokratisieren, dass diese Kreativen, ob es jetzt Künstler sind oder Designer oder Architekten, einen leichten Zugang zu dieser Technologie haben. Wir haben Kreative auf unserer Plattform weltweit. Wir durften Projekte für United Nations in New York umsetzen, aber auch für das Albertina, das Belvedere, das MAK und Leopold Museum in Wien.

**Eliot Mannoia:** Vielen Dank.

**Sergiu:** Jetzt schauen wir, wie wir verstärkt auch bei Universitäten reinkommen, weil wir sehen, es sind sehr viele Studenten, die auf unserer Plattform sind und sehr viele Professoren. Weil es ist nicht einfach, mit Artivive in Augmented Reality zu kreieren. Wir sagen, wir sind ein bisschen wie Canva für Augmented Reality.

**Eliot Mannoia:** Und kannst du vielleicht kurz Augmented Reality erklären, vielleicht für die, die das vielleicht auch als neuerer Begriff ist?

**Sergiu:** Sehr, sehr gerne. Ich habe immer so Postkarten und Visitenkarten, du kennst die.

**Eliot Mannoia:** Ja, ja, ja.

**Sergiu:** So kannst du es dir vorstellen: wenn du jetzt zum Beispiel in ein Museum gehst, dass du über dein Handy ein Bild anschauen kannst, zum Beispiel von Schiele, und du erfährst die ganze Geschichte von diesem Bild, wie er das erstellt hat, ob da ein anderer Aspekt dahinter ist, nachdem was sich Kuratoren danach und die Kunstvermittler sich überlegt haben als Erweiterung. Aber es geht bis dorthin, dass du zum Beispiel dein Tattoo zum Leben erweckst oder dass ein Mural, ein Street-Art-Element, dann auch irgendwie zum Leben kommt. Also übers Handy, du schaust dir das an und dann

**Manuela Machner:** Die Potenziale sind ja unglaublich, und weißt du, was mir so gut gefällt an dem, was ihr macht? Die Vermischung der Welten. Also wir haben momentan ja immer noch ein bisschen das Gefühl, das ist digital, das ist Internet, das ist der Computer auf der einen Seite, und wir leben in der realen Welt. Und ich glaube, das ist ja auch das, was in der nächsten Zeit passieren wird – diese Verschmelzung der Welten. Für die Jungen ist das ja ganz normal. Also die machen auf Snapchat irgendwelche Filter-Dinger und sonst was, und du bewegst sie in einer anderen Welt. Und diese Geschichten verbinden sich.

Und ich glaube, dass das total spannend ist. Ich finde es so spannend, weil ich ja immer wieder mit Museen und so weiter zu tun habe – die Möglichkeiten, die erwachsen! Weil gerade im Bereich Kultur sagen wir jetzt, der ist sehr nischig und auch oft sehr elitär. Also oft hat man das Gefühl: Na ja, in ein Museum zu gehen ist entweder langweilig oder es ist so, ich muss... Da in unserer Wissensgesellschaft oder Kulturgesellschaft – wenn wir das nutzen – das Potenzial, was da erwachsen würde mit deiner Technologie und aus dieser Nischenthematik.

**Sergiu:** Du hast vollkommen recht, und genau das versuchen wir zu machen. Weil lustigerweise auf unserer Reise haben wir sehr viele Leute kennengelernt, und von vielen habe ich gehört: „Ja, das finde ich super, aber ich bin eigentlich nicht so ein Museumsgänger." Und das ist genau der Punkt. Weil die Informationen bzw. wie man mit der Kunst in Berührung kommt, ist für viele sehr fremd. Weil jedes Museum geht davon aus, dass die Besucher in verschiedenen Bereichen eine bestimmte Bildung haben. Und wir versuchen, diese Kluft mit Augmented Reality ein bisschen zu durchbrechen. Ich gebe dir ein Beispiel: Wir haben ein Bild von Schiele, das ich vorher erwähnt habe. Und Schiele hat damals dieses Bild übermalt, weil der Direktor von Belvedere – wie es noch eine andere Direktion war – gesagt hat: „Na ja, also wir schauen schon, dass es eine elitäre Kunst ist und es schaut mehr so als angewandte Kunst aus." Und er hat sich eigentlich darauf bezogen, wie die Edith angezogen war, weil sie eher bäuerlich angezogen war. Was Schiele gemacht hat: Er ist wieder in sein Studio gegangen und hat ihr Kleid übermalt, es mehr in der Sammlung von Belvedere von damals passt.

Das ist eine wunderbare Erkenntnisgeschichte. Das hat aber glaube ich fünf Minuten gedauert und hat das ganz im Detail durchgemacht. Wie das ausgesehen hat. Aber das ist auch schwer, sich wirklich das so vorzustellen. Und haben gesagt: „Ah ja, stimmt, da sieht man noch Teile der originalen Farbe."

Das ist auch das Erlebnis, das die Besucher da mitnehmen. Und warum ich dieses Beispiel so spannend finde, ist, weil es da nicht um die Technologie geht, sondern um Augmented Reality, Virtual Reality und auch in der AI – wir reden alle von technologie, reden oder sich damit auseinandersetzen. Sondern es geht um die Geschichte, die da erzählt wird.

**Eliot Mannoia:** Super. Also er macht das ja wirklich erlebbar und sehr audiovisuell – also wirklich Storytelling auf verschiedenen Ebenen. Das finde ich super spannend.

**Sergiu:** Das beste Beispiel ist in unserem Gespräch zum Beispiel auch mit dem KHM. Kam auch jemand und hat gesagt: „Ja, es ist irgendwie so spannend, weil es sind sehr viele Touristen, es sind sehr viele Besucher. Und es ist vielleicht irgendwie ein Zackfahrer aus Italien, der sonst nicht in ein Museum gehen würde wegen Kultur." Weil jeder kann damit interagieren, jeder kann seine Geschichte verstehen.

Man hat eine ganz andere Erfahrung im Museum, als wenn man sagt, okay, schau dir das an. Und wenn dann irgendwie Technologie oder Design-Animation im Spiel kommt, hat man einen viel leichteren Zugang.

**Manuela Machner:** Was mich aber interessiert – was ich auch total cool finde – ist, wir haben ja jetzt auch KI-generierte Inhalte. Also das ist wie das Wiener Schnitzel für die Speisekarte – so überspitzt formuliert. Aber wie ich dann die ersten Kreativgeschichten gemacht habe, die mir wirklich gefallen haben, habe ich mir gedacht: „Boah, cool, schaut toll aus." Aber ganz schlimm war es für mich in der Musik. Also wie ich die ersten Lieder generiert habe, muss ich ganz ehrlich sagen: War es ja auch nicht so, ich bin immer so zwischen zwei Herzländer – bloß die eine denkt sich: Wow, das ist ja cool, und die andere denkt: Ja, aber das hat ja gar kein Künstler gemacht. Es ist eine Verschwemmung des Marktes auch. Also jeder ohne eigentlich Kunstverständnis machen kann. Aber was ich so spannend bei euren Sachen auch finde: Das ist nicht nebenbei. Also nicht die Technologie neben der Kunst vorbei oder den Künstlern vorbei. Sondern die Technologie unterstützt den Künstler.

**Sergiu:** Genau, also von unserer Seite: Es geht immer um die Kreativität des Künstlers. Wir haben auch in unserer Technologie AI dahinter. Also zum Beispiel, dass wir die Kunstwerke kennen und wir wissen, welche Inhalte da dargestellt werden. Aber wir haben keine generative AI, weil wir haben Angst, dass die Leute den Shortcut nutzen und dann schauen alle Anbindungen mehr oder weniger gleich aus. Also das heißt, es ist immer der Künstler, die Künstlerin, der Creator, der die Inhalte bestimmt.

Und lustigerweise: Ist die Fotografie gekommen und das hat das irgendwie obsolet gemacht. Aber dadurch... Durch neue Technologien entstanden dann auch die neuen Stile. Dadurch ist das Surrealismus, dadurch haben wir auch Picasso und verschiedene andere Kunstrichtungen bekommen. Also das heißt, wir als Menschheit schauen viel schneller nach vorne. Und gesagt, ja, wir haben uns irgendwie vorgestellt, dass die Technologie irgendwie eher die einfacheren Jobs übernimmt. Aber anscheinend ist das irgendwie doch unser Job letztendlich – wir haben Emotionen. Etwas macht uns glücklich oder traurig, und aus dieser Emotion entsteht eine Motivation. Und dann schaffen wir Kunstwerke, die wiederum andere Menschen inspirieren.

**Eliot Mannoia:** Ich finde es spannend, du hast es angesprochen – auch eigentlich schon mehrere Male am Anfang – mit der echten Kunst, die ihr mit eurer Technologie irgendwie zum Leben bringt, aber auch mit Audio und Storytelling anreichert. Und jetzt auch wieder mit Klimt – wie ihr Fotografie als Tool benutzt habt. Wie siehst du das, wenn Künstler, die vielleicht Gedichte schreiben, dann plötzlich auch einen Song oder ein Bild dazu machen können? Oder Leute, die vielleicht sehr visuell sind – Künstlerinnen, die vielleicht Filme oder Videos machen – und können jetzt auch ihren eigenen Soundtrack dazu machen. Also das ist so multischichtig. Wie siehst du da den Einfluss auf die Kunstwelt?

**Sergiu:** Du hast es auf den Punkt gebracht, Eliot. Das ist irgendwie genau das. Man kann genau diese Richtung erforschen und sagen: Vielleicht, wenn man ein Gedicht schreibt, „ich will den Beat dazu, ich will irgendwie..." Ich selber – wenn ich das geschrieben habe – habe ich irgendwie vielleicht einen Takt im Kopf. Und wenn ich das irgendwie dann auch untermauere und vielleicht irgendwie auch die richtige AI-Stimme oder ich mich selber aufnehme – dadurch entsteht etwas Neues. Was mich dann wieder motiviert, etwas Neues zu erstellen. Also das heißt, praktisch: Es ist eine Zusammenarbeit. Und es ist eigentlich – ich glaube, es hilft zur Kreativität. Und ich glaube, das ist irgendwie so eine Diskussion, die jetzt entstanden ist, die länger führt und sagt: „Ja, aber es ist irgendwie alles. Wir müssen nicht mehr denken, wir müssen nicht mehr lernen zu malen, weil das macht eh alles die AI."

Und das werden wir anders sehen. Ich glaube, die Künstler werden immer besser dabei. Und kann die AI etwas anderes schaffen? Weil die AI kann nur das, was es gelernt hat, worauf es trainiert worden ist. Aber ich glaube, genau das, was du gesagt hast, Eliot – das war irgendwie dieses Zwischen. Also das aus den verschiedenen Künsten – genau, genau, das ist es.

**Manuela Machner:** Du, geht dir nicht ein bisschen verloren – entschuldige, wenn ich reinkretsche – aber geht dir nicht ein bisschen diese Collaboration verloren? Also die mit jemandem, der die Vertonung macht, der die Musik macht? Der wieder mit seinen komplett nicht trainierten Daten, sondern seiner Kreativität meine Kreativität bereichert?

Und wenn ich jetzt hernehme, die Maschine als Kollaborationspartner – da bin ich mir noch nicht so ganz sicher, ob nicht auch wieder alles Neue, was er schaffen wird – auch wieder Dinge natürlich wegfallen.

**Sergiu:** Hast vollkommen recht, genau so ist es. Aber es ist auch zum Beispiel – wenn ich ein Rezept dafür habe, werde ich mein Bestes geben. Aber dann ist die Frage: Kann jeder so ein Kunstwerk schaffen?

**Eliot Mannoia:** Dank.

**Sergiu:** Oder die Motivation, die Zeit, das analytische Denken haben. Es wird jetzt auch – es sind verschiedene Studien an den Skills, die man in der Zukunft braucht. Und man geht irgendwie von Hard Skills auf Soft Skills. Und das ist eigentlich noch mehr – das Zwischenmenschliche wird wichtiger. Ja, ich glaube auch – durch die Kooperation zwischen Menschen – dass jetzt zum Beispiel jemand ein Gedicht schreibt mit jemandem, der Musik erstellt. Neue Sachen entstehen – neue Ergebnisse. Und genau die Person bringt sein Wissen und seine Ideen – bringt eine gewisse Farbe da rein. Und deswegen habe ich aber auch gesagt: Das ist glaube ich dieses Prototyping – dass man irgendwie als Künstler sagen könnte, ich mache jetzt eigentlich meine eigene Musik dazu.

Weil die AI sagt: „Hey, schau mal, du bist jetzt Rapper – wie wäre es, wenn wir irgendwie dieses Projekt gemeinsam machen? Ich habe jetzt einen Prototypen. Und vielleicht – du es cool?" Und dann kann man auch irgendwie sagen oder sagen: „Ja, der Musiker sagt: Ja, das geht überhaupt nicht, das ist irgendwie AI, das klingt schon nach AI. Wir können das viel besser." Also ich glaube schon – es ist nicht entweder oder – sondern beide zusammen. Es ist viel leichter zusammenfassen. Und wir werden nicht alle alleine in unseren Studios einsperren und alles eigenständig erstellen und nur für uns. Also dieses Zwischenmenschliche – glaube ich – wird nicht so schnell verschwinden.

**Eliot Mannoia:** Ich kann da als Analogie die 80er und die Musikwelt der 80er hervorholen.

**Manuela Machner:** Vielen Dank.

**Eliot Mannoia:** Wir haben in den 80ern – als die Synthesizer und die Keyboards rauskamen – plötzlich die Möglichkeit, digital Musik zu machen. Und wir hatten dann sehr viele Pop-Bands, die mit zwei Leuten oder einem Leute – also wirklich wenig – plötzlich Musik rausgebracht haben. Damals hatte sich die Musik aber noch sehr technisch angehört. Die klassischen Beats von den 80ern waren: „Duf, disch, duf, disch, disch, duf, disch, duf, disch, disch, disch."

**Manuela Machner:** Ja.

**Eliot Mannoia:** Das waren dann die 80er. Und dann erst in den 90ern – haben dann durch Menschen, die sich dann mehr mit der Technik auseinandergesetzt haben – ich rede von Massive Attack und so – diese Bands – die dann Digitale Musik viel wärmer sich anhören lässt, viel dichter und viel mehr gelayert als damals. Nur dieses „Duf-Disch" und vielleicht ist es jetzt eine Analogie, wo wir jetzt sind. Das ist KI. Und genau wie du gesagt hast, Sergiu – vielleicht ist es dieser Prozess dann, wo wir es als Prototypen nutzen. Aber dann – auch was du, Manuela, gesagt hast – kommt dann vielleicht noch ein Musiker dazu. Der ein bisschen Emotion dann auf diesen Prototypen reinmassiert. Und das wieder ein bisschen wärmer und menschlicher macht.

Wer weiß.

**Sergiu:** Und vor allem – du siehst jetzt: Wir erkennen gleich, wenn ein Video AI-generiert worden ist. Wir erkennen gleich, wenn ein Bild AI-generiert ist.

**Eliot Mannoia:** Nein.

**Sergiu:** Aber das entwickelt sich auch weiter. Also am Anfang haben wir es nicht erkannt. Genauso wie es früher immer mit Photoshop war – wo es irgendwie Sachen geworden sind, die unrealistisch ausgesehen haben. Wir werden auch trainiert. Und wir erkennen ein paar Sachen – weil wir sind auch sehr gut dabei – diese kleinen, feinen Elemente zu erkennen, die uns darauf hinweisen, dass es AI-generiert ist oder nicht. Ja, und das wird besser. Aber ich glaube auch – wenn man wirklich die Handkraft bzw. ein hochqualitatives Produkt schafft – dann wollen die Menschen wissen – wer hat das gemacht – und wollen Involvement haben.

Also wie zum Beispiel – ich habe gestern mit meiner Freundin darüber geredet. Sie ist Architektin. Das war die Rede über ein Hotel, ein Fünf-Sterne-Hotel. Und dass sie in Indien angewebte Teppiche bestellt haben. Und ich habe ehrlich gefragt: „Ist wirklich ein handgewebter Teppich besser als ein Maschineller?" Und sie hat gesagt: „Ja, aber spürst du es – es ist handgewebt – es wird sich ganz anders anfühlen als wenn es AI gemacht ist. Genauso wie mein Synthesizer."

**Eliot Mannoia:** Ja.

**Manuela Machner:** Wenn man den Trend jetzt anschaut – Naturprodukte. Also die handgemachte Marmelade am Bauernmarkt gekauft – die Erdbeermarmelade ist ganz was anderes als die mal schnell gefertigte. Obwohl vielleicht sogar die kleinen Zutaten im Verhältnis jetzt drinnen sind. Und trotzdem hast du das Gefühl. Und man merkt ja auch – zu jedem Trend immer ein bisschen diesen Gegentrend – dass man sich davon abheben will.

Das heißt eben – Chancen mit meinen Rechtschreibfehlern und Grammatikfehlern und meinen Texten – dass das dann irgendwann auch Qualitätskriterium ist. Weil dann jemand dann sagt: „Ah, die hat das jetzt nicht mit KI geschrieben." Weil offensichtlich die KI würde ja diese Fehler nicht machen. Weil das ist ja auch so dieser Aspekt gefunden – ich hatte bei der letzten Begegnung mit jemandem so ein – oh mein Gott, sondern – und ich bin erst später draufgekommen, dass er Geiger war.

**Sergiu:** Vielen Dank.

**Manuela Machner:** Und ich wusste – er war Musiker – also das wusste ich – aber ich wusste nicht, dass er eigentlich wirklich sehr professioneller Musiker war. Und wir haben ein bisschen diskutiert über Musik – weil das halt auch so spannend ist mit jemandem mit Musikwissen. Und dann habe ich ein Lied vorher gespielt – das ich generiert habe – ein Kirchenchorkonzert im Prinzip – mit Hall und allem – Bibapo.

Und das muss ich sagen – wie ich es generiert habe – hat es mich selber geschreckt. Meine Kinder haben in so einem Kirchenchor gesungen. Und du hast eine gewisse Emotion in deiner Erinnerung. Und die KI war in der Lage – in mir diese Emotion hervorzurufen. Und das ist immer ein bisschen für mich so eine Schrecksekunde – wenn ich mir denke – okay – das ist auch irgendwie beängstigend – weil du gesagt hast – man erkennt es – und er hat gesagt – an sich nicht – also man könnte es jetzt so nicht sagen. Nur es war zu perfekt.

Er hat gesagt – der Einsatz der Instrumente – der Stimmen – das war so – ihm so der Faktor gewesen – zumindestens es muss bearbeitet worden sein und nachbearbeitet – weil es diesen menschlichen Fehler, den Ansatz gefunden – dass wir ja auch vielleicht dieses und nicht – also diese Unvollkommenheit etwas in der Kunst ist – die uns ja auch interessiert und fasziniert. Also nicht alles perfekt und maschinell ist – hat es keine Persönlichkeit – und genau das mögen wir.

**Sergiu:** Und genau wie du gesagt hast – ich mit der Geschichte damit kommt – meistens kaufen wir auch etwas. Wir sind in einer Gesellschaft – wo man das Produkt, das vom Bauern kommt – mehr schätzt. Und wenn ich irgendwie das von einem Bauern geholt habe und irgendwie dann extra Meile gegangen bin. Und es ist irgendwie auch das Zelebrieren – was auch jetzt – wenn man sich überlegt – auch der Musik auch passiert ist.

Nur kurze Parenthese – jetzt mit Spotify. Früher war es immer so – dass man sich ein Album kaufte. Dann ist man heimgegangen – hat zugehört – und man hat es zelebriert. Man hat sich die Zeit genommen. Jetzt ist es irgendwie im Bußhaltestelle – ist schnell ein Album gekommen – dann hört man sich das rein. Und zwischendurch hat man seine eigenen Gedanken. Und dann steigt man aus und dann Pause.

Also dieses Zelebrieren hat sich ein Bisschen geändert – was ich auch ein bisschen schade finde. Und auch eine Musikbranche hat mir vor kurzem gesagt – früher war es immer so – dass man die Konzerte gehabt hat – um die Albums zu verkaufen. Jetzt hat sich das umgekehrt.

Es wird auch diese Gegenrichtung geben – das wird dann auch in der Kunst sein – es werden Leute anfangen – mehr Sachen zu zelebrieren – und mehr Value dahinterstecken. Es geht sich um ein Problem – das sich in der Öffentlichkeit immer noch vorlesen muss. Es ist ein Problem – das sich in der Öffentlichkeit immer noch vorlesen muss.

**Sergiu:** Wir müssen uns irgendwie darauf einlassen. Und mit Neugierde sich das anzunehmen – weil man kann sehr schwer – verbieten, dass die Technologie nicht mehr existiert.

**Eliot Mannoia:** Wie würdest du das Thema Ethik – was springt dir hin? Wir können hier in verschiedene Richtungen gehen. Ich möchte absichtlich dir keine Richtung angeben. Wenn du das Wort Ethik hörst – was in Bezug zu Kunst – die Vermischung von Kunst mit Technologie – Digitalisierung – Kreativität – was ist für dich da – was dir anbelangt?

**Sergiu:** Was mich ein bisschen ärgert – ist irgendwie dieses Zentralisierte – dass es irgendwie – ob es – in den USA Modelle trainiert werden – auf Daten – die eigentlich der Gesellschaft gehören – mehr oder weniger – weil das sind irgendwie alle unsere Daten. Aber nur sie profitieren. Das finde ich unfair. Das ist auf einer anderen Seite – also auf einer Seite muss man – glaube ich – irgendwie eine Lösung finden. Ich weiß nicht – wie die Lösung ausschauen könnte.

Was KI erstellt – ist basiert auf anderen Kunstwerken. Das ist aber auch in der Kunst so – jeder Künstler inspiriert sich irgendwo – kopiert – kopiert bis es sein eigenes wird. Dauert halt länger. Und es ist irgendwie viel mehr mit Handwerk verbunden. Und man kann es irgendwie nicht mehr zurückverfolgen. Mit der AI ist es halt transparent – und man weiß – wie und auf welchen Daten das trainiert wurde. Und ob und wie das monatisiert wird – und wie das eben alles läuft.

**Manuela Machner:** Aber das – was du sagst – ist genau das – was ich auch empfinde – wenn ich die Diskussion habe. Weil jeder Künstler hat irgendwo seine Vorbilder gehabt. Und auch der Geiger hat mir gesagt – wie er das auch sieht. Und er hat gesagt – er hat so viele Kleinschüler unterrichtet. Und die sind in Konzerte gegangen und haben sich angehört – wie spielt der die Passage – und wie spielt der es – und haben so lange geübt – und daraus ist etwas Neues entstanden.

Und da hat auch keiner gesagt – ich habe das jetzt abgekupfert von.

**Sergiu:** Genau. Zu machen. Und es gab einen Kollegen – der kurz vor der Pension ist – der auf einem alten System in dem Unternehmen trainiert ist. Und er ist der einzige im Unternehmen – das dieses System noch kennt.

Und er hat angefangen – ihn einzuarbeiten. Und er ist dann zu HR gegangen und gesagt: „Ja, ich finde das nicht toll. Weil dieser Kollege will irgendwie seinen Job wegnehmen. Und er will ganz einfach das alles lernen – was er weiß – und dann ist er absolviert."

Also es – wird schwer für uns – das Wissen weiterzugeben – an die nächsten Generationen. Mit dir. Und das Schöne vielleicht bei der KI – oder bei der Digitalisierung – beim Internet – dass es irgendwie dann bleibt – und dann können wir es noch besser – das heißt – wir – die nächsten Generationen – können auch davon lernen – und das noch besser machen.

So – wie gesagt – das hat alles irgendwie seine Vor- und Nachteile. Man muss nur irgendwie abwägen und schauen – was am besten passt – und wo sich jeder auch ethisch dabei wohlfühlt. Weil ich finde auch – dass man jetzt sagt – okay – man benutzt nicht mehr die AIs – die erst an den Start gekommen sind. Es tut mir leid.

**Eliot Mannoia:** Nein, alles gut.

**Sergiu:** Dass die AIs – die aus den Staaten kommen – vielleicht nicht mehr so benutzt werden – sondern eher lokale AIs – die in Europa sind – und vielleicht irgendwie eher GDPR-konform sind. Also diese Sachen sind wichtig. Und man sollte sich irgendwie auch damit auseinandersetzen. Und auch wie wir letzte Woche drüber geredet haben – ein bisschen aufmerksam sein – welche Daten gebe ich da ein – was lade ich jetzt hoch – welche Bilder – welche Ideen – welche persönlichen Daten – will ich die teilen oder nicht? Also man muss auch irgendwie seine eigene Zensur haben. Und sich überlegen – okay – was passiert jetzt – was mache ich jetzt gerade – und bin ich damit einverstanden oder nicht.

**Eliot Mannoia:** Du hast es auch vorher angesprochen – mit der Flut an Content. Es ist ja auch da – dass diese Korrelation zwischen – wenn weniger da ist – wenn es rar ist – dann ist da oft einen größeren Wert. Und du hast es jetzt auch mit angesprochen – wenn mal wer... Nicht mehr da ist – dann geht auch diese Kunst – mit dieser Person – weg. Also wie diese Person Geige gespielt hat – dann geht das weg.

Ich kann mich in meiner Kindheit erinnern – War Musik zum Beispiel rar. Ich musste es entweder auf CD kaufen. Oder wenn es noch nicht verfügbar war – vom Radio aufnehmen – dann geschaut – dass ich vielleicht den Moderator nicht erwische. Dann ist die Kassette – habe ich sie vielleicht so oft gehört – dass sie kaputt gegangen ist. Dann musste ich mit Bleistift die Kassette versuchen zu reparieren.

Also Musik war rar. Jetzt eh – auch wie du gesagt hast – ich kann an der Busstation irgendwie zusammen – und dann auf Spotify habe ich das ganze Album innerhalb von Sekunden. Wie siehst du dieses Phänomen zwischen Rarität und Wertschätzung in der Kunstwelt?

**Sergiu:** Ich habe vor kurzem eigentlich voriges Jahr – mit einem Kurator geredet. Und genau diesen Punkt auch mit der Fotografie. Man sagt – das ist irgendwie eine Flut an Fotografien.

**Eliot Mannoia:** Dank.

**Sergiu:** Jeder macht irgendwie hundert tausend Fotos. Keiner schaut sich irgendein Foto mehr an – die landen irgendwo. Und er hat aus seiner Sicht irgendwie so seinen Vorschlag gesagt – ja – für die nächsten fünf Jahre wäre es super – wenn alle Fotos verboten werden.

Und dann würde es wieder rar sein. Dann würdest du wahrscheinlich wieder anfangen – alte Fotos anzuschauen. Und dann gewinnt es an Wertigkeit. Aber das ist irgendwie so eine absurde Idee – die wahrscheinlich sehr schwer bis unmöglich umzusetzen ist.

**Manuela Machner:** Aber ist es nicht so – weil zum Beispiel meine Jungen – fangen jetzt alle an – Fotobücher zu machen. Also das ist so – wie wir halt – Fotoalben früher gemacht haben.

Jetzt kommt wieder von meinem Feeling her – der Trend – ich will ja doch ein Buch – zumindest haben – wo ich die wichtigsten Fotos drinnen habe.

**Sergiu:** Ja – also ich glaube – ich sehe es auch bei den jüngeren Generationen – sie gehen wieder auf dieses Analoge zurück. Auch vielleicht wieder Fotos machen – weil sie das gar nicht kennen. Dass sie vielleicht irgendwo im Film gesehen haben – und dadurch auch eine andere Wertigkeit hat. Aber auch zum Beispiel – ich finde – beim iPhone – und ich bin mir sicher – es gibt ja die Funktion – wo die On-Device TV Fotos werden immer wieder als Erinnerung gezeigt.

Dann sagst du – schau mal – was du vor einem Jahr gemacht hast. Dann sagst – das stimmt. Das ist irgendwie dann wieder – mit der AI – das wieder in der Erinnerung gerufen wird. Und das finde ich wieder super. Und da freue ich mich – dass ich die hundert tausend Fotos gemacht habe.

Das mich an mich erinnert – und wie ich die Fotos sehe – dann habe ich wieder – was du – Manuela – gesagt hast – dieses Gefühl – diese Erinnerung – wie ich damals dort war. Also ich glaube – jede Technologie schafft Gutes – Lösungen – aber auch gleichzeitig Probleme – die andere Lösungen haben. Und das ist irgendwie so eine Weiterentwicklung – was man aus den 80er oder 70er von Nina Hagen kennt – wo sie gesagt hat – du hast den Farbfilm vergessen – es geht darum – dass sie auf Urlaub gegangen sind – und ihr damaliger Freund oder – nur das schwarz weiß film mitgenommen hat – und alles – was sie dort erlebt haben – hat nicht stattgefunden – was ist nicht in farbe aufgenommen haben – es ist ein sehr lustiges lied – aber es zeigt aber auch diesen Punkt – von damals – was wir uns heute gar nicht vorstellen können.

**Manuela Machner:** Problem von damals.

**Sergiu:** Ja.

**Manuela Machner:** Also die Rolle war zu Ende – also du hast schon überlegt – wann du ein Foto schießt – auch wenn es ein Farbfoto war.

**Sergiu:** Das ist das Gute. Aber auch zum Beispiel – ich kann mich erinnern – ich war auch mit meinem Papa irgendwann mal unterwegs. Und er hatte auch eine Kamera gehabt. Und wir haben sehr viele Fotos gemacht. Und wir haben es nicht gemerkt. Aber er hat immer die Kappe auf der Linse gehabt. Kein einziges Foto gehabt. War das?

**Manuela Machner:** Jetzt könnte man darüber philosophieren – hat das dann stattgefunden?

Das Thema könnte man jetzt endlos auch noch weiter finden – gerade mit solchen neuen Aspekten. Weil es ist ja Kunst. Und nicht nur Kunst – es ist ja ein Teil unseres Lebens. Also es ist ja nicht etwas Separiertes. Und manchmal habe ich so das Gefühl – die Kunst oder Kultur oder all diese Dinge werden – wie in einer separaten Box – in einem Museum gestellt. Und in Wirklichkeit umgibt es uns sowieso im Alltag. Ob das jetzt eben Musik ist oder auch darstellende Kunst. Weil jedes Werbeplakat hatte eigentlich auch diesen Hintergrund.

Voll.

**Sergiu:** Dank.

**Manuela Machner:** Ich danke dir so sehr – was du uns für Einblicke gegeben hast. Ich finde das Thema – ich liebe es – weil es einfach so gut auch zeigt – wie die Veränderung über die Jahrzehnte und auch Jahrhunderte im Vorfeld schon stattgefunden hat.

Und es ist ja letztendlich das Ziel – die Kunst – zugänglicher zu machen – und Geschichten zu erzählen. Und das vergessen wir oft. Und dass es nicht nur darum geht – was kann die Technik alles – was für einen Mehrwert schaffen wir für denjenigen – der das betrachtet – für denjenigen – der Teil des Ganzen wird.

Art und Geschichte.

Ja schon – wer von uns hat nicht gesagt – er braucht kein Smartphone – weil wir telefonieren nur mit einem Smartphone. Heute noch ein Fotoapparat? Also da sieht man – dass es sich verändert – und immer Vor- und Nachteile hat. Fotos – die verschwinden – auf der einen Seite – auf der anderen Seite – Erinnerungen – die wir uns selber gar nicht setzen würden – weil man das Fotoalbum vielleicht nicht aus dem Bücherregal nimmt. Danke – es war ein super Überblick. Am meisten – dass die Dinge immer diese zwei Seiten hat. Und dass wir immer ein Teil der Veränderung waren. Momentan reden wir nur mehr stark drüber – oder spüren wir es vielleicht auch aufgrund der Geschwindigkeit – stärker – als es bisher der Fall war. Und wahrscheinlich haben die Leute vor hundert Jahren über die Eisenbahn – genauso geredet – nur halt am Wirtshaustisch – und nicht in diesen öffentlichen Foren. Danke – für diesen super Beitrag von dir.

Ich glaube – ich freue mich schon – wenn ich mal in Wien bin. Dann müssen wir bitte auf einen Kaffee gehen. Und ich habe ja ein paar Postkarten von dir – das weißt du gar nicht – und mir das schon mal gegeben. Also ich bin ganz gespannt – was da sonst Neues entdecken kann.

**Sergiu:** Das freut mich auch – als ich das gemacht habe.

**Manuela Machner:** aufs nächste Mal. Tschüss!

**Eliot Mannoia:** Danke Sergiu. Vielen Dank.