KI erkennt Krebszellen früher als Ärzte, liest Gedanken per fMRI und schreibt empathischere Diagnose-Mails als Menschen. Das ist kein Zukunftsszenario. Das ist jetzt.
Der Skin Screener ist eine App, die von einem österreichischen Mediziner entwickelt wurde. Man fotografiert ein Muttermal und die App analysiert, ob es riskant ist und ob man zum Hautarzt gehen sollte. Manuela Machner hat ihn getestet. Der Entwickler sagt: Unerfahrene Ärzte schneiden im Vergleich schlechter ab als die KI. Die App schickt einen eher früher zum Arzt, als unbedingt nötig, was aber manchmal nicht schlecht ist.
Manuela Machner
Audearing, eine Firma von Prof. Dr. Dagmar Schuller, nutzt Voice Biomarkers: Aus wenigen Sekunden Stimme kann die KI mit über achtzig Prozent Wahrscheinlichkeit diagnostizieren, ob jemand Parkinson oder COVID hat. Das funktioniert auch mit dem normalen Handymikrofon. Eliot Mannoia betont die ethische Frage: Wer hat Zugang zu diesen Daten? Ein Arbeitgeber oder eine Versicherung könnte das für Diskriminierung nutzen.
Manuela Machner
In einer US-Studie wurden Drogenabhängige entweder von menschlichen Psychologen oder von einer KI betreut. Die Rückfallquote war bei der KI-Gruppe geringer und die Akzeptanz war größer. Eliot Mannoia erklärt: Es ist offensichtlich eine größere Überwindung, einem anderen Menschen seine Probleme zu erzählen, als in ein Gerät hineinzureden. Das macht die KI zugänglicher.
Eliot Mannoia
Eine Studie hat Diagnose-Mails verglichen: einmal von einer KI geschrieben, einmal von Ärzten. Die KI hat von der Empathie her besser abgeschnitten. Eliot Mannoia: "Das ist fast logisch. Der Arzt hat wenig Zeit zum Formulieren, die KI berechnet die empathischste Antwort, weil es statistische Wahrscheinlichkeiten sind." Das überrascht, weil man dachte, Empathie sei das Letzte, was KI kann.
Eliot Mannoia
Bei bildgebenden Analysen hat ein Arzt nur eine begrenzte Menge an Bildern in seinem Leben gesehen. Eine KI kann alle dreißigtausend Bilder eines Patienten analysieren, was zeitlich für keinen Arzt möglich ist. Manuela Machner hat in ihrem Umfeld einen konkreten Fall erlebt: Die KI hat eine Krebszelle erkannt, die der Arzt noch nicht sehen konnte, weil die Ansammlung noch zu klein war.
Manuela Machner
**Eliot Mannoia:** Hallo und willkommen zur nächsten Folge von Mind/Machine. Mein Name ist Eliot, ich bin digitaler Psychologe, war über zwanzig Jahre in der Kommunikationsbranche tätig und jetzt bei Brand Karma, wo ich mich für emotionale Intelligenz und Psychologie im Einklang mit Technologie und KI einsetze.
**Manuela Machner:** Und ich bin die Manuela Machner, Coach für Tourismusbetriebe im Bereich Künstliche Intelligenz. Ich beschäftige mich mit Tools und allem, was uns das Leben leichter macht im täglichen Arbeitsumfeld, habe die Firma KiNET AI gegründet und versuche immer wieder neue Lösungen zu finden.
Heute reden wir über KI im Gesundheitswesen. Das ist wirklich eine der Branchen, die KI am meisten einsetzt. Wir möchten euch ein paar Inputs geben, mit denen wir schon konfrontiert waren.
**Eliot Mannoia:** Ich habe schon mal eine fMRI-Maschine, also Functional Magnetic Resonance Imaging, mit einem Brain Scan gehabt. Da ist vielleicht auch ein bisschen KI am Werk.
**Manuela Machner:** Ich habe die App Skin Screener getestet. Die wurde, glaube ich, von einem österreichischen Mediziner entwickelt. Du kannst dein Muttermal abscannen und die App sagt dir, ob es riskant ist und ob du zum Hautarzt gehen solltest. Ich finde das total spannend, dass das schon möglich ist. Man sollte viel mehr die Dinge nutzen, die es bereits gibt.
**Eliot Mannoia:** Weil du von der Röhre gesprochen hast: Es gibt erste Versuche, Gedanken von Menschen zu visualisieren. Am Anfang waren es nur Worte, dann Bilder, dann kurze Videos. Menschen wurden Videos gezeigt, dann haben sie in fMRI-Maschinen gelegen und die KI hat analysiert, wo das Blut im Gehirn hingeht. Basierend darauf konnte die KI das Video wiederherstellen. Ein bis zwei Sekunden, ein Mann geht mit einem Hund spazieren oder ein Goldfisch. Aber die KI konnte es rekonstruieren. Das heißt, die KI kann Gedanken lesen, im Ansatz.
**Manuela Machner:** Stell dir vor, du gehst durch eine Sicherheitszone und die KI liest, woran du gerade denkst. Hashtag Minority Report.
Warum KI in der Medizin so oft eingesetzt wird: Die Medizin hat so viele Daten zu verarbeiten. Bei bildgebenden Analysen, Krebsfrüherkennung zum Beispiel, hat ein Arzt nur eine gewisse Menge an Bildern in seinem Leben gesehen. Die KI kann alle dreißigtausend Bilder eines Patienten sehen, die zeitlich für einen Arzt nicht möglich wären. Ich habe in meinem Umfeld konkret einen Fall gehabt, wo die KI eine Krebszelle erkannt hat, die der Arzt noch nicht sehen konnte, weil die Ansammlung zu klein war.
**Eliot Mannoia:** Eine Freundin von mir ist Radiologin. Sie meint, ein Arzt könnte die meisten Fälle sehen, aber dreißigtausend Bilder gehen sich zeitlich einfach nicht aus. Eine KI kann alle Bilder sehen, verarbeiten, zuordnen und einordnen.
**Manuela Machner:** In der Pflege wird KI auch eingesetzt: Überwachungssysteme, keine Webcam, sondern Bewegungsmeldersysteme in Pflegeeinrichtungen. Wenn jemand aus dem Bett stürzt oder im Zimmer fällt, wird Alarm geschlagen. Das Pflegepersonal bekommt eine Benachrichtigung und kann schnell zur Hilfe eilen. Gerade bei älteren Patienten oder Patienten mit Beeinträchtigungen ist das eine super Möglichkeit.
**Eliot Mannoia:** Das erinnert mich an meine Großmutter, die leider in der Wohnung gestürzt ist und eine ganze Nacht am Boden war. Sie hatte einen Knopf, aber nicht an sich. Mit einem Stimm-Assistenten hätte sie vielleicht auch ohne Knopf um Hilfe rufen können.
Und ein bisschen überspitzt: Wenn wir uns vorstellen, dass Menschen vereinsamen zu Hause, könnte ein virtueller Gesprächspartner für Abwechslung sorgen und für geistigen Input.
**Manuela Machner:** Das bringt mich zu einer tollen Firma: Audearing, von Frau Professor Dr. Dagmar Schuller. Die machen mit Voice Biomarkers: Anhand von ein paar Sekunden Stimme können sie mit über achtzig Prozent Wahrscheinlichkeit diagnostizieren, ob jemand Parkinson oder COVID hat. Auch mit dem Handymikrofon, kein spezielles Gerät nötig.
**Eliot Mannoia:** Das finde ich total schräg: Welche Auswirkungen diese Erkrankungen offensichtlich auf unsere Stimme haben. Wer hätte an so was gedacht? Aber das Gefährliche: Wer hat das in der Hand? Wenn ein potenzieller Arbeitgeber über Stimmerkennung erkennen kann, welche Krankheit ich habe, oder eine Versicherung höhere Beiträge verlangt. Diese ethischen Fragen sind sehr wichtig.
**Manuela Machner:** Diese fMRI-Maschinen sind zum Glück noch so groß, dass man sie nicht einfach überall aufstellen kann. Aber wer hätte gedacht, dass wir am Handgelenk einen ganzen Computer haben? Chris Cox, Chief Product Officer von Meta, hat beim World Economic Forum gesagt: "Wir haben die Computer vom Keller ins Wohnzimmer genommen, auf den Laptop, in die Hosentasche mit dem Handy, und jetzt kommen sie näher zu unseren Sinnen, mit Ray-Ban Sunglasses und Smartwatches." Diese Evolution näher zu den Sinnen und zu den Daten.
**Eliot Mannoia:** Eine Fitbit-Uhr analysiert deinen Schlaf und gibt dir Gesundheitsdaten. Wenn irgendwas ausschlägt, sagt sie: "Achtung, da ist ein Problem."
**Manuela Machner:** Was ich total spannend finde: In der Psychologie wird KI auch eingesetzt. In den USA gab es Versuchsanordnungen mit psychotherapeutischen Behandlungen für Drogenabhängige. Eine Gruppe hatte menschliche Psychologen, die andere die Maschine. Die Rückfallquote war bei der Maschinengruppe geringer und die Akzeptanz war größer, weil es offensichtlich eine größere Überwindung ist, einem anderen Menschen seine Probleme zu erzählen, als in ein Gerät hineinzureden.
**Eliot Mannoia:** Und es gibt eine Studie: Patienten wurden über ihre Diagnose informiert, einmal von einer KI geschrieben, einmal von Ärzten. Die KI hat von der Empathie her viel besser abgeschnitten. Das ist etwas, wo man gedacht hat, da können sie uns nicht ersetzen. Wobei es fast logisch ist: Der Arzt hat wenig Zeit zum Formulieren, die KI ist schneller und kann die empathischsten Phrasen bringen, weil es statistische Wahrscheinlichkeiten sind.
**Manuela Machner:** Ich würde euch wirklich ans Herz legen: Ladet den Skin Screener herunter. Der Arzt, der ihn entwickelt hat, sagt, gerade unerfahrene Ärzte schneiden nicht so gut ab wie die KI. Die KI schickt dich sicher früher zum Arzt, als vielleicht unbedingt nötig ist. Aber manchmal wäre das nicht schlecht. Nächstes Mal reden wir über Deepfakes. Bis bald, bleibt gesund.