KI stellt grundlegende Fragen neu: Was ist der Sinn des Lebens, wenn Maschinen denken können? Manuela Machner und Eliot Mannoia über Philosophie, Bedeutung und KI.
Manuela Machner und Eliot Mannoia diskutieren, ob KI-Systeme philosophische Fragen nach dem Sinn des Lebens beantworten können. KI kann Informationen liefern und Perspektiven aufzeigen, aber echte Sinnfindung bleibt eine zutiefst menschliche Aufgabe.
Eliot Mannoia
Wenn KI Routineaufgaben übernimmt, stellt sich die Frage: Wofür sind wir dann noch da? Eliot Mannoia erklärt, wie KI uns zwingt, uns auf das Wesentliche zu besinnen und was wirklich menschlich an uns ist.
Eliot Mannoia
KI wirft grundlegende Fragen auf: Was ist Bewusstsein? Was unterscheidet uns von Maschinen? Manuela Machner und Eliot Mannoia diskutieren, wie KI alte philosophische Debatten in neuem Licht erscheinen lässt.
Manuela Machner
Manuela Machner: Herzlich willkommen zu unserer neuen Folge von Mind and Machine. Ich bin Manuela Machner, spezialisiert auf KI und Tourismus. Und im heutigen Podcast wollen wir uns unterhalten über ein bisschen ein philosophisches Thema, und zwar KI und der Sinn des Lebens.
Eliot Mannoia: Hi, mein Name ist Eliot Mannoia, digitaler Psychologe, und Sinn unseres Podcasts ist, euch kleine kurze Gedankenanstöße zu geben.
Und genau das, glaub ich, wird heute ein größerer Gedankenanstoß sein: KI und der Sinn des Lebens. Ich glaub, da kann man Stunden, Tage, Wochen, monatelang darüber nachdenken. Was sind so ein paar erste Gedanken, die bei dir durch den Kopf schwirren, Manuela?
Manuela Machner: Ja, ich glaub, dass viele sich fragen, was das überhaupt für ein Thema sein soll, weil für viele sind KI-Systeme derzeit ja reine Programmchen, die irgendetwas können und ein bisschen an Text schreiben und das war's.
Aber ich glaub, wenn man sich mehr damit beschäftigt, dann blickt man noch mehr dahinter und dann tauchen solche Fragen auf. Also warum diskutieren wir das auch? Weil ja solche Dinge entstehen. Stellt euch vor, ihr könntet alle eure tägliche Arbeit mehr oder weniger von KI-Systemen erledigen lassen.
Jetzt seid ihr nur mehr diejenigen, die KI-Systeme kontrollieren oder Aufgaben abgeben. Und da stelle ich mir durch solche Dinge die Frage: Wie wird sich das in der Arbeitswelt auswirken? Aber nicht: Werde ich meinen Job noch haben? Wir werden immer die Kontrolle machen müssen, sondern wir definieren uns gesellschaftlich ja sehr oft über das Thema Beruf, also was wir in unserem Beruf machen.
Und meine Schwiegermutter zum Beispiel, die ist schon 85, für die ist noch immer, dass sie sich drüber definiert, dass sie was Gutes kocht oder jetzt Kekse backt oder solche Themen macht. Und wenn sie's körperlich nicht mehr so schafft, ist für sie das ein echtes Problem. Und zwar nicht, dass es körperlich ein Problem ist, sondern auch den Sinn, den sie sich gibt.
Wozu bin ich dann noch auf der Welt, ja? Und die Frage ist: Wie geht es uns damit, wenn wir in der Arbeit nichts mehr Sinnstiftendes oder das Gefühl haben, nichts mehr Sinnstiftendes zu haben?
Eliot Mannoia: Ja, also es sind ja auch schon Gespräche seit einigen Jahrzehnten über ein universelles Basiseinkommen oder Grundeinkommen, diese UBI, Universal Basic Income, dass wenn die KI und die Maschinen all unsere Arbeit erledigen, dass wir dann wirklich nur so ein Grundeinkommen bekommen.
Und da hast du vollkommen recht. Was macht das mit uns psychologisch, geistig, wenn wir uns nicht durch unsere Tätigkeit unseren Status bekommen? Und da muss sich gesellschaftlich sehr viel ändern. Momentan identifizieren wir uns sehr stark durch unsere Tätigkeit, unsere Jobtitles und unseren Status.
Und wo müssen wir als Gesellschaft hin, sodass wir uns vielleicht durch Happiness und Kultur und Kunst, so wie Bhutan. Bhutan misst ja ihren Erfolg als Gesellschaft durch den Happiness Index oder wie auch immer, ja. Aber wir im Westen noch sehr stark durch Schaffen, durch Erfolg, durch Materialismus.
Und da müsste sich einiges ändern, weil sonst gibt's da einen Clash, wenn die KI in zwanzig, dreißig Jahren, wer weiß wann, wirklich alles für uns machen kann. Da hoffe ich, hab ich eher schon ein paar Mal erwähnt, dass wir als Gesellschaft vielleicht auch nicht nur psychologisch gesünder werden und andere Werte haben, aber dass wir da vielleicht auch mehr Kunst und Kultur und Theater und dass wir einfach Sinn in anderen Elementen finden.
Manuela Machner: Ja, aber da macht ja die Jugend, die wir so kritisieren, uns einiges vor, oder? Also wenn wir jetzt ehrlich sind. Also wir kritisieren ja diese Einstellungen der Generation Z, die oftmals viel relaxter umgeht und ihre, wie soll man sagen, Freizeit und ihre Zeit für sich auch einfordert. Und wir haben das Gefühl, das ist absolut unmöglich.
Also es ist ja, glaube ich, in den Generationen zusammenwirken derzeit auch wirklich schwer, weil wir noch nicht in der Situation sind, dass die KI-Systeme alle Arbeiten erledigen und immer weniger Leute sind, die arbeiten. Und wenn dann natürlich die Menge der Arbeit und die Qualität der Arbeit weniger wird, momentan entsteht da einfach dieser Gap.
Aber eigentlich sagt uns ja die junge Generation bereits: Wir brauchen mehr Freizeit, wir brauchen mehr Zeit für uns selbst, die wir als unsere Generation sich ja nicht gönnt oder nicht genommen hat.
Eliot Mannoia: Ja. Und ich glaub, unsere Generation hängt eher noch daran, weil's Tradition ist und nicht, weil ein Bedürfnis unbedingt da ist.
Manuela Machner: Glaubst wirklich?
Eliot Mannoia: Es gibt Fachkräftemangel, das muss ich schon dazu sagen. Aber abgesehen von Fachkräftemangel, ich kenn schon ein paar Leute, die zum Beispiel viermal in der Woche arbeiten. Ja, also nicht nur jetzt Frauen mit Kindern, sondern wirklich auch Männer, die jetzt vier Tage die Woche arbeiten und für die ist das ein tolles Leben.
Manuela Machner: Unsere Generation?
Eliot Mannoia: Ja.
Manuela Machner: Okay. Die haben schon...
Eliot Mannoia: Nicht viele, aber es gibt einige.
Manuela Machner: Ja, die haben schon zumindest organisatorisch was besser gemacht. Also ich kann zehn Tage in der Woche arbeiten. Schon zehn. Und da geht's gar nicht um das Geld. Also das Thema, wie viel nehmen wir ein oder sonst was.
Da geht's drum, wie schaff ich all das, was ich gerne schaffen möchte. Ja, jetzt hast du mich ein bisschen aus dem Konzept gebracht, weil das in meinem Umfeld kaum geht, also in meiner Altersstufe, aber es vielleicht, weil ich eher aus einem ländlicheren Gebiet komme. Und da sind eigentlich die meisten die rund um die Uhr Arbeitenden.
Und was natürlich schon ein großer Faktor ist, ist dieses Statusthema. Also ich glaub, zu arbeiten hat natürlich einen gewissen, Gott sei Dank auch, muss man sagen, unsere Gesellschaft meiner Meinung nach würde nicht funktionieren, wenn die Menschen derzeit nicht arbeiten würden. Das kann durch KI sich ändern oder durch Robotics oder wie auch immer.
Aber momentan ist es so. Also wir brauchen jede Hand, die anlegt und hilft und tut. Die Frage ist für mich aber trotzdem, ob sich dann so viel verändern wird. Wahrscheinlich schon, wenn die Maschinen das übernehmen. Die Frage ist für mich aber auch, ich glaub ehrlicherweise nicht daran, dass wir aufgrund dessen, dass KI-Systeme die Arbeit übernehmen, weniger Arbeit haben werden.
Also ich glaube, dass es sich einfach verändern wird. Die Dampfmaschine hat die Arbeiten auch erleichtert und trotzdem haben wir noch immer Arbeit. Also es wird vielleicht eine komplett andere Arbeit sein. Es werden neue Jobs entstehen, da wird schon diskutiert über das. Aber ja. Wie dicht dann das ist, ist die Frage, ja.
Eliot Mannoia: Ja, ich glaub, die Sinnhaftigkeit wird weiter und weiter und weiter entfernt werden. Wenn man Maslows Hierarchie nimmt, die Pyramide von Maslow, ja, waren wir ja vor ein paar hundert Jahren, wo wir wirklich heute bin ich motiviert, wenn ich heute was zum Essen bekomme, und da sind wir ja schon weit entfernt davon.
Ja, also wenn man sich anschaut, was wir jetzt für Berufe haben, von Finanzberater, Steuerberater oder Leute, die auf den Stock Exchange mit Derivatives handeln. Das ist schon so abstrakt. Das ist so eine menschliche Abstraktion, die mit dem Überleben und Essen und Fortpflanzung so wenig zu tun hat.
Also ja, wir werden neue Jobs haben, aber diese neuen Jobs, ich meine, schau, was hat Influencer mit Überleben zu tun? Und da kommen neue Jobs. Aber die Distanz zwischen, was hat das mit meinem Leben zu tun und was mache ich als Selbstverwirklichung? Oder was mache ich für das?
Das ist schon, ja, interessant.
Manuela Machner: Ja, die Frage ist es sowieso, ob sich jetzt die Gesellschaft diese Definition, der Sinn des Lebens, ja. Also es hängt einerseits meiner Meinung nach sehr oft mit dem Alter zusammen. Umso älter man wird, umso mehr stellt man sich solche Dinge, solche Grundsatzfragen ja auch.
Also das muss man sagen, weil man ja, wenn man jung ist, viel dynamischer ist. Nicht dynamischer, aber man ist viel stärker in diesen: Ich muss mir jetzt was aufbauen oder ich will mir was aufbauen. Ich will eine Familie haben, ich will beruflich vielleicht erfolgreich sein oder das, was ich gelernt habe, auch irgendwo umsetzen.
Ja. Also, was ich so spannend find, dass es auch so diesen Drang danach gibt oder momentan in unserer momentanen Zeit, ich glaube, das wird sich wieder verändern, aber in der momentanen Zeit haben auch alle das Gefühl, sie müssen innerhalb kürzester Zeit alles möglichst ohne Probleme erreichen. Also wir haben auch so diese, das ist auch dieses Influencertum, so diese Vorgaben.
Wenn ihr Videos schaut, ob Instagram, TikTok oder was auch immer, mit fünf Minuten Arbeitseinsatz wirst du reich. Ja. Also es ist eben so, diese Vorgaukelung, du brauchst eigentlich nichts mehr tun und kannst alles haben. Und KI unterstützt ja an sich dieses Denken ein bisschen.
Man muss zwar am Anfang investieren in die KI, das unterschätzen die Leute ja, aber dann hat man mit relativ wenig Zeiteinsatz relativ ein großes Ergebnis. Und da ist für mich schon die Frage: Wird das dann immer stärker? Erwarte ich mir, dass alles irgendwie automatisch funktioniert und ich nichts mehr, wie soll man sagen, gedanklich vielleicht nicht mehr viel einsetzen muss oder Vorarbeit weniger einsetzen muss. Also wir erwarten uns ja immer mehr, dass alles einfacher und problemloser geht.
Eliot Mannoia: Und wenn's dann nicht passiert, dann kommt die Frustration, die man auch in der Gesellschaft sieht, weil na ja, der hat's mit YouTube so schnell geschafft. Warum kann ich das nicht?
Manuela Machner: Genau, ja.
Eliot Mannoia: Aber ich hab mir schon wirklich mal Gedanken gemacht über Sinn des Lebens und so und nicht, dass ich jetzt die Antwort habe, aber ich hab versucht, es wirklich logisch anzugehen und es zu reduzieren auf den gemeinsamen Nenner, wenn man das in Deutsch so, glaube ich, so sagt, also den üblichen gemeinsamen Nenner oder so.
Denn weil wir haben so viele Möglichkeiten, dass wir im Westen eine ganz komplizierte Antwort oft zu dieser Frage haben. Und deswegen hab ich mir gedacht, warum soll der Sinn des Lebens für uns im Westen so umfangreich und kompliziert sein, aber für Menschen in vielleicht ärmeren Ländern weniger?
Das find ich arrogant, ehrlich gesagt. Ja, und deswegen hab ich das reduziert. Also wenn man unsere ganzen Optionen, unsere ganzen Möglichkeiten, von Astronaut werden bis hin zu Influencerin werden, was auch immer, ja, einfach reduziert auf das Simple, das Basische, was Leute in ärmeren Ländern haben, für die ist der Sinn des Lebens vielleicht wirklich nur ein gutes Leben zu haben, sich fortpflanzen oder Familie haben und glücklich zu sein.
Und deswegen häng ich mich eher an diesen Themen, ganz simplen, und weil, ja.
Manuela Machner: Ich glaub nicht, dass das anders ist, aber du hast sehr gut gesagt: Ein gutes Leben zu führen, ist in einem armen Land ein anderer Faktor als bei uns. Ich glaub, die Leute wollen auch bei uns ein gutes Leben führen.
Nur wir sind einfach so verwöhnt oder haben so einen hohen Lebensstandard, dass ein gutes Leben bei uns bedeutet, jeder hat sein eigenes Auto, jeder hat sein eigenes Handy, jeder wohnt in einer großen Wohnung, jedes Kind hat ein eigenes Kinderzimmer. Das ist bei uns das gute Leben, da es als Standard schon definiert ist, während das natürlich in Entwicklungsländern ganz woanders ist.
Das, was ich glaube, was wir total unterschätzen, ist der Sinn des Lebens. Wenn man am Sterbebett liegt, glaube ich, dann wird der Sinn des Lebens sehr offensichtlich. Und es gibt ja solche Studien, die besagen, dass die Leute, die am Sterbebett gefragt werden, was sie bereuen, sind, dass sie Dinge nicht gemacht haben, die sie tun wollten, also dass sie sich durch äußere Rahmenbedingungen abhalten haben lassen von Dingen und wenn sie Kontakte zu anderen Menschen nicht mehr hatten.
Also ich glaub, dass wir in unserer ganzen Gesellschaft dieses, auch das KI-Thema ist ja so ein Thema, das verführt, Dinge einfacher zu machen, schneller zu machen und wir vielleicht diese Dinge vergessen. Also was wollen wir wirklich? Was macht uns Freude? Was macht uns Spaß? Und wie können wir das in unser Leben integrieren?
Und die zweite Sache ist, wie viel interagieren wir mit anderen Menschen? Und das, glaube ich, ist eine ganz vehemente Geschichte, also gerade dieser soziale Aspekt.
Umso stärker ich soziale Kontakte habe, es gibt alle möglichen Studien, umso gesünder ist man, umso älter wird man und, und, und. Ja. Und das ist natürlich auch eine Gefahr, sage ich, von KI-Systemen.
Ich muss ja nicht mehr unbedingt mit anderen Menschen interagieren. Ich kann ja mit meiner KI reden und alles Mögliche machen. Ich glaub, dass unsere Generation da noch ein bisschen weiter weg ist davon, weil wir einfach schon zu alt sind und viele von uns das noch immer nicht verinnerlichen können, mit einer KI zu reden als Sparringpartner.
Aber ich glaub, in der jüngeren Generation, Kinder finden's ganz selbstverständlich, Alexa um irgendwas zu bitten und in Zukunft wird die Alexa dann nicht nur die vorgegebenen Sachen beantworten können, sondern der Gesprächspartner sein.
Und dann ist schon die Frage, nicht nur das Arbeiten erledigt sich, sondern erledigt sich auch die Interaktion mit anderen?
Eliot Mannoia: Und das sehen wir jetzt mit Jugendlichen, dass für sie real und nicht real viel weniger wichtig ist, dass sie in den Spielen wie Roblox oder Minecraft oder Fortnite oft mehr die Spielwährung haben möchten von ihren Eltern als Euro. Also für die ist manchmal die Spielwährung wichtiger, weil dann können sie sich die Klamotten, die Skins, also die Klamotten und Outfits vom Spiel kaufen und im Spiel cool sein.
Und da gibt's eine Frau zum Beispiel, also es gibt einige, aber es gibt eine Frau zum Beispiel in Amerika, die verdient mit digitalen Nägeln mehr als ein Tagesgeschäft. Also die verdient schon mit digitalen Accessoires mehr. Und das ist ein Wahnsinn. Es gibt auch eine Doku, die kann ich wirklich, wirklich empfehlen auf Netflix: The Remarkable Life of Evelyn.
Das ist ein Kind, das komplett gesund geboren ist, aber leider mit einer geerbten neuromotorischen Krankheit und wirklich sukzessive mehr und mehr Funktionen verloren hat, also körperliche Funktionen. Wirklich am Ende im Rollstuhl und kann wirklich nur kaum noch Tasten bewegen, aber hat Spiele spielen können und hat über World of Warcraft, so ein Spiel, mit anderen Menschen kommuniziert.
Und man sieht in dieser Doku, dass man glaubt, dass dieser arme Junge wirklich kein Leben hat, weil der wirklich isoliert ist und alleine, aber durch das Spiel und dann, ich möcht nicht zu viel verraten, aber sie finden raus, dass er wirklich Freundschaften und sogar Beziehungen hatte virtuell.
Und das war für ihn genauso real, also das war für ihn die Welt. Also wahnsinnig auch aus philosophischer Sicht, diesen Film zu sehen. Und wenn man sich überlegt, wie die KI da wirklich besser und besser wird und dass man dann wirklich der Realität von einem, jetzt schaut's ja noch aus wie ein Spiel, aber irgendwann wird's nicht wie ein Spiel ausschauen.
Da wird's wirklich...
Manuela Machner: Ja, Metaverse. Also Metaverse-Version, also wo wir das Gefühl haben. Und eins muss uns schon ganz klar bewusst sein, dass jeder, der da draußen denkt: „So ein Blödsinn. Für mich wird das nie real. Also kann das sich nicht verknüpfen.“ Ja. Probiert es einmal, geht mal in ein 3D-Kino oder in so etwas, ja, wo ihr eine virtuelle Brille aufsetzt und Achterbahn fahrt.
Ich sag's euch, euer Gehirn ist nicht mehr in der Lage, dann zu erkennen, dass ihr nicht Achterbahn fahrt. Mir ist das vor zwanzig Jahren passiert. Da hab ich nicht einmal eine 3D-Brille gehabt. Das war einfach ein virtuelles Kino. Da war die Vorschau des Films eine Achterbahnfahrt. Ich bin da in einem Sitz gesessen, hab einfach auf dieser Halbkugel gesehen, wie wir irgendwo hinunterstürzen.
Also ich hab nicht geschrien, aber ich wollte den Raum verlassen vor lauter Panik. Das war nicht möglich. Ich konnte meinen Gliedmaßen nicht sagen: „Steh auf.“ Weil viele meine Sicherheits-, keine Ahnung, inneren Dinge gesagt haben: „Du kannst nicht aufstehen. Du fährst hier bergab.“ Weil das war der Surround-Ton, es war die Optik, es war der Sitz und ich hab mich festgeklammert an meinen Sitz, dass ich nicht in meinem normalen Sitz hinunterstürze.
Aber der Wahnsinn ist, du kannst dann nicht mehr. Also das Gehirn ist ja nicht darauf eingestellt, dass das, was es wahrnimmt und verarbeitet an Daten, nicht echt ist. Und ich glaub, das muss man schon wirklich sich bewusst sein einfach, dass diese Verschwimmung von virtueller Welt und echter Welt noch sehr, sehr stark kommen wird.
Natürlich mit solchen einfachen Möglichkeiten, mit den technischen Möglichkeiten und natürlich auch mit den, wie soll man sagen, in dem Moment, wo's mir einen persönlichen Vorteil bringt. Das Spielen ist ja, das sagen ja viele, ist ja nett, aber ich tue ja nicht gamen. Also für mich völlig irrelevant. Aber wenn's mir Vorteile bringt, heute ist es kein Thema mehr, dass wir zwei einen Podcast machen, sagen wir, online, ohne dass wir zwei am Tisch sitzen.
Vor zehn Jahren hätten wir das überhaupt nicht angedacht, so was. Und in zehn Jahren wird's wahrscheinlich so sein, dass wir das Gefühl haben, wir sitzen im gleichen Raum miteinander.
Und wenn das so einen Vorteil bringt, dann werden wir das auch nutzen, weil's natürlich angenehmer ist, wenn ich dir in die Augen schaue und dann was zeige.
Eliot Mannoia: Ja, ich würde sogar einen Schritt weitergehen und sagen, es muss nicht mal die Technologie besser werden, um diesen Effekt zu haben, denn es ist fast wie nur ein Schalter im Gehirn: Glaube ich es oder glaube ich es nicht? Wenn wir uns überlegen, wie viele Leute eigentlich, und das ist eine ziemlich große Sache, auf Beziehungsbetrug reinfallen.
Ja, in England und so, glaube ich, habe ich gelesen, 600.000 Pfund hat eine Person ihrem Liebsten, es war natürlich ihrem Liebsten am anderen Ende, leider geschickt. Ja, also und das passiert ohne VR-Brille, das passiert 2D irgendwie in einem Chat. Das ist technologisch wirklich nichts Spektakuläres, sondern die Menschen wollen daran glauben, dass diese Person wirklich für sie eine Beziehung ist und werden so betrogen.
Ja. Also die Technologie ist nicht immer ausschlaggebend. Ich finde, die Psychologie ist ausschlaggebend, weil die Psychologie, die wollen eine Beziehung. Die Leute wollen einen Austausch, die wollen eine andere Welt. Und wenn dieses Spiel oder diese Person das ermöglicht, ob das jetzt KI ist oder ein echter Mensch oder ein Betrüger, die Menschen sind bereit, Beziehungen aufzubauen, weil's in unserer Gesellschaft auch so viel Einsamkeit gibt.
Und da ist die Technologie fast zweitrangig. Wenn man sich anschaut, was mit Briefverkehr auch schon betrogen wurde.
Manuela Machner: Ja, also grad das ganze Scamming-Thema ist eine ganz eigene Geschichte. Ich hab einen Beitrag gesehen, in Afrika gibt's einen Staat, also eine Stadt, da ist das der ganz normale Job von den Leuten, dass die Scamming-Betrüger sind.
Die machen das und stellen sich selber, machen das im Netz. Die KI ist dort die Unterstützung, ganz ehrlich. Weil die generieren irgendein Bild von einer Person und die Person ist auch mal dann irgendein Arzt in Amerika, der zufälligerweise Witwer geworden ist und der jetzt die wahre Liebe wieder sucht, weil er so verzweifelt ist.
Und Strafbarrieren gibt's nicht mehr, nichts gibt's mehr, ja.
Eliot Mannoia: Das ist auf beiden Seiten psychologisch, weil auf der einen Seite ist es ein psychologisches Defizit, er fühlt sich einsam, und auf der anderen Seite ist es Social Engineering, das auch bei Cybersecurity eines der größten Probleme ist, dieses soziale Engineering.
Wie kann ich die Person dazu bekommen, dass sie mir vertraut? Also es sind eigentlich auf beiden Seiten psychologische Faktoren und Technologie ist nur das Werkzeug in diesem...
Manuela Machner: Ja, und das, was man nicht unterschätzen darf, dass KI-Systeme natürlich diese Dinge gut unterstützen können, sage ich jetzt.
Was früher vielleicht eher schwierig war, zu deiner E-Mail zu kommen oder deinem Kontakt oder herauszufinden, dass du vielleicht auch eine Witwe bist oder solche Geschichten. Durch die ganzen Kanäle veröffentlichen wir extrem viel Daten von uns. Das dürft ihr überhaupt nicht unterschätzen. Und durch KI-Systeme können die schneller herausgefiltert werden und herausgetan werden aus allen Kanälen, wer ich bin, was ich für ein Typus bin und was ich da alles machen kann.
Also ich glaub, da wird sich noch einiges tun. Aber zurück zum Sinn des Lebens. Ich glaub, dass jetzt schon, unabhängig von der KI, jeder irgendwo sich fragen sollte vielleicht: Was ist eigentlich mein Sinn? Ja, was ist mein Ziel? Wozu tue ich all das, was ich tue? Aber wenn manchmal vielleicht die Quintessenz nicht so ist, dass man sagt: "Ja, ist yippie", sondern wenn man jetzt ehrlich zu sich ist, man tut doch vieles, wo man das mal hinterfragen möchte für sein eigenes Leben.
Weil was wir alle nicht bewusst haben, das ist ein Schutz für uns Menschen, wir wissen nicht, wie viel Leben wir haben. Also wir wissen nicht, ob wir nächste Woche noch zusammensitzen werden in der Realität. Wir gehen einfach davon aus, dass es unendlich ist. Also wir wissen's vom Kopf her, dass wir sterben, aber...
Eliot Mannoia: Ja, oder es gibt ja diese Sitcom Upload, so eine Comedy auf Amazon Prime, Upload, wo man nach dem Sterben sein Bewusstsein hochladen kann und dann virtuell weiterleben kann.
Also ist ja auch da die Sterblichkeit. Also wir arbeiten ja auch schon an der Langlebigkeit.
Manuela Machner: Der Langlebigkeit.
Eliot Mannoia: Die Unsterblichkeit. Also wer weiß, was alles noch auf uns zukommt. Also der Sinn des Lebens wird, glaub ich, mehr und mehr infrage gestellt als vielleicht je zuvor. Werden wir Organe drucken können und nachdrucken können und genetische Verbesserungen machen können mit CRISPR.
Manuela Machner: Ich bin schon für den Sinn des Todes. Also es tut mir leid, klingt jetzt provokant vielleicht, ja, aber ich bin ein Befürworter des Todes. Ich glaub, dass ein Tod uns erst den Sinn des Lebens gibt, weil wenn wir endlos leben würden, dann glaube ich, würden wir Menschen, ich weiß nicht, was wir dann noch alles aufführen täten.
Also eine Endlichkeit macht schon Sinn, so, aus meiner Sicht. Und all diese Tendenzen zu sagen, es gibt ja nicht nur diese, wie du gesagt hast, diese Reality Show oder was das ist mit diesem Bewusstsein hochladen. Es gibt ja tatsächlich die Möglichkeiten schon, dass man sich einen Avatar von sich macht, den man mit dem Wissen über das eigene Leben oder das, das man weitergeben möchte, füttern kann und dann können eure Hinterbliebenen sich mit euch unterhalten nach eurem Tod.
Ja, also dazu kann man stehen, wie man möchte. Es kann vielleicht helfen, manchen beim Abschiednehmen noch die Frage stellen zu können: „Hast du mir verziehen, Mama?" Oder, also sind wir im Reinen gewesen? Aber ich muss ganz ehrlich sagen, man muss nicht alles machen, was technisch möglich ist, auf der anderen Seite.
Eliot Mannoia: Ja, sehr spannend. Also ich glaub, philosophisch, was da auf uns zukommt, und von allen Richtungen, also nicht nur von der KI, aber auch mit Roboter und auch mit der Medizin, mit der DNA und, ja, sehr spannend. Also der Sinn des Todes, da geb ich dir recht, da ist auf jeden Fall eine Sinnhaftigkeit in das Erleben von unserem Leben.
Und dass der Vergleich zwischen jetzt im Westen vielleicht oder ärmere Länder, dass da im Grunde genommen der Sinn des Lebens für uns alle eigentlich ein gutes Leben sein sollte und dass wir vielleicht mit zu viel Optionen und Dekadenz und Lebensstandard uns vielleicht da oft die Sachen überkomplizieren.
Ja, wir haben über Spiele auch gesprochen, was auch mit der Spielwelt, dass die reale Welt und die Spielwelt sich mehr und mehr, ja, verschmelzen ineinander und was ist schon wichtig hier oder dort. Wir haben über das universale Basisgrundeinkommen gesprochen und was das für einen Impact mit dem Sinn, also wie wir durch unsere Tätigkeiten auch so viel Sinn und Purpose bekommen in unserem Leben.
Was passiert, wenn die KI und die Maschinen da vielleicht mehr und mehr abnehmen? Wo finden wir unseren neuen Sinn? Ist es dann in mehr Kultur und Kunst und Theater oder ja, was wir, also dass wir psychologische Gesundheit brauchen, glaub ich, ist, glaub ich, sehr fix in diesem großen Wandel. Du hast auch gesprochen von den Jugendlichen, die das schon sehr leben und uns vorleben, dass wir in diesem Wohlstand jetzt nicht 70 Stunden arbeiten müssen.
Warum müssen wir nur um etwas über 70 Stunden arbeiten, wenn wir so einen großen Wohlstand haben? Also ja. Hast du noch irgendwas?
Manuela Machner: Nein, ich denke, es war ein Querschnitt. Das war heute kein Tech-Talk, sage ich jetzt. Ich mein, das machen wir sowieso nie in der Art, aber ich glaube, dass das das eine oder andere auch zu nachdenken gibt.
Vielleicht für den einen oder anderen auch ein etwas neuerer Input. Wir freuen uns, wenn ihr das nächste Mal wieder reinhört in unseren Podcast Mind/Machine und bis bald. Liebe Grüße.
Eliot Mannoia: Tschau.