#43 Wenn die KI mit uns spricht

Ihr macht euch Gedanken, wie Künstliche Intelligenz die Kindheit eurer Kinder prägt? Wir beleuchten die Chancen und Risiken, wenn Algorithmen zunehmend Teil des Alltags der Jüngsten werden.

FAQ: Wenn die KI mit uns spricht

Wie kommuniziert KI mit Menschen?

KI kommuniziert über Text, Sprache und zunehmend auch über Bilder und Gesten. Die Natürlichkeit der Kommunikation verbessert sich rasant. Aber KI versteht nicht, was sie sagt, sie generiert Wahrscheinlichkeiten.

Wie sollte man mit KI sprechen, um gute Ergebnisse zu bekommen?

Klar, spezifisch und mit Kontext. Je genauer die Anfrage, desto besser die Antwort. Prompt Engineering ist eine Fähigkeit, die sich lohnt zu entwickeln.

Verändert KI-Kommunikation unsere eigene Sprache?

Ja. Wir passen unsere Kommunikation an KI an: präziser, strukturierter, weniger mehrdeutig. Das kann unsere eigene Kommunikation verbessern, aber auch vereinfachen.

Transkript

Eliot Mannoia: Hi und willkommen zur nächsten Folge von Mind/Machine. Mein Name ist Eliot Mannoia, digitaler Psychologe, und heute reden wir über KI, wenn sie wie ein Mensch spricht.

Manuela Machner: Grüß euch, und ich bin die Manuela Machner, spezialisiert auf künstliche Intelligenz im Tourismus. Und mit unserem Podcast wollen wir ein paar Einblicke geben über Themen rund um KI.

Einfach ein bisschen inspirieren, uns ein bisschen austauschen und euch mit auf unsere KI-Reise nehmen. Na ja, also seit ein paar Tagen spricht ja ChatGPT fast wie ein Mensch zu uns, oder? Ist dir das auch schon aufgefallen?

Eliot Mannoia: Ja, also das von OpenAI, ChatGPT Advanced Voice, ist ja unglaublich, mit Akzenten und allem Drum und Dran.

Also als eher Englischsprachiger hab ich mich mit dem jamaikanischen Akzent und australischen Akzent schon herumgespielt. Sehr lustig, und es ist wirklich verblüffend. Es war ja eh schon gut vorher in Bezug auf immer verstehen und nicht missverstehen, und man muss sich nicht wiederholen. Also wie Alexa oder Siri oder Google Assistant, das kann das immer verstehen.

Also ich glaube, ich muss mich selten, ganz, ganz selten wiederholen, und wir transkribieren's. Aber jetzt mit den Akzenten, es ist wirklich sehr, sehr menschlich schon. Wie ein Gespräch, und man kann unterbrechen und einfach weiterreden. Und du hast ja auch schon mit diversen Akzenten.

Manuela Machner: Ja, ich hab's schon ausprobiert, wie es nur in den USA freigeschalten war, weil da bin ich extra über VPN reingegangen und hab experimentiert. Und jetzt hab ich, genau wie's freigeschalten worden ist, sogar eine Workshop-Schulung gehabt und zeige den Leuten immer, dass man auch sprechen kann mit KI-Systemen.

Also für alle von euch draußen, die zwar ChatGPT nutzen, vielleicht in der Gratis-Version, und denen gar nicht bewusst ist: Es gibt die App am Handy, die man sich herunterladen kann. Achtung, das ist die weiße App, wo das Logo in einer schwarzen Linie ist. Nicht die anderen, ja? Das ist die Original-App.

Und wenn ihr euch dort verbindet mit eurem Account, dann könnt ihr sogar in der Gratis-Version, und halt nicht lange, weil dann sagt er, jetzt müsst ihr Pause machen, weil ihr alles aufgebraucht habt für momentan. Aber ihr könnt es mal ausprobieren und wirklich sprechen. Also nicht nur was ansagen.

Und ich war in einer Live-Schulung und hab das sofort gezeigt, und er konnte eben vorher schon sprechen, so wie du gesagt hast. Und plötzlich hat die Stimme Steirisch geredet, weil ich über VPN auf meinem iPad ihm gesagt habe, bitte sprich Steirisch, für den Vorführeffekt. Und plötzlich redet die Steirisch, und dann hab ich gewusst: Die Stimme ist da.

Ja, also was ist das für ein Unterschied? Also ihr könnt's ja ausprobieren. Wollt ihr's hören? Mal schauen, ob das da funktioniert.

Eliot Mannoia: Ich tu mal ganz kurz vielleicht für alle Zuhörer, die vielleicht nicht wissen, VPN ist einfach nur ein

Manuela Machner: Ach so, Entschuldigung.

Eliot Mannoia: Ein Tool, sodass das Gerät glaubt

Manuela Machner: Dass der Computer glaubt, er sitzt woanders.

Eliot Mannoia: Genau, steht für Virtual Private Network. Also es ist wie ein anderes Netzwerk, weil man konnte in Europa noch nicht zugreifen, und durch dieses, es ist eine andere App einfach, die man installiert, dann glaubt das Handy, es ist plötzlich in den USA, und dann kann man auf die Sachen zugreifen wie in den USA.

Manuela Machner: Also so viel dazu, gell, dass man virtuelle Grenzen hätte. Also man muss nur wissen, wie man's überwinden kann. Übrigens auch beim Flug buchen. Durchaus interessant, über VPN aus armen Ländern den gleichen Flug zu buchen. Ihr werdet ganz andere Preise bekommen. Nur Side-Tipp.

Eliot Mannoia: Wow. Ja, toll. Spannend.

Manuela Machner: Also jetzt schauen wir mal, ob ChatGPT mit mir redet.

Ja, sie ist da. So schaut sie aus beim Stimmmodul. Hallo, servus, grüß dich.

ChatGPT: Grüß dich. Wie geht's dir heute? Was gibt's Neues?

Manuela Machner: Was sprichst du gerade für einen Dialekt?

ChatGPT: Ich war jetzt steirisch. Wie gefällt dir's? Wenn du magst, kann ich auch im Dialekt was sagen.

Manuela Machner: Die Verbindung ist abgebrochen. Hallo, bist du noch da?

ChatGPT: Ja, ich bin da. Hat's geklappt? Es kann manchmal kleine Aussetzer geben, aber jetzt passt wieder alles. Wie kann ich dir helfen?

Manuela Machner: Du, kennst du eigentlich den Spruch, Steirerblut ist ka... Wie sagt man da schnell?

ChatGPT: Ja, klar. Man sagt: Steirerblut ist ka Himbeersaft. Das bedeutet so viel wie steirisches Blut ist kein Himbeersaft und unterstreicht die Stärke und den Charakter der Steirer. Ein Klassiker.

Manuela Machner: Ah. Kannst du eigentlich auch Wienerisch sprechen?

ChatGPT: Aber sicher. Was hättest du gerne auf Wienerisch gesagt? Mailst mir ein paar Wörter, und ich bastel dir was zusammen.

Manuela Machner: Kennst du den Mundl?

ChatGPT: Das ist der Edmund Sackbauer aus der Kultserie Ein echter Wiener geht nicht unter. Mit seinem grantigen Wiener Charme und den legendären Sprüchen ist er unvergleichlich. Ein echter Klassiker aus Wien.

Manuela Machner: Na gut, jetzt glaube ich, drehen wir ihr den Saft ab.

Eliot Mannoia: Aber Wahnsinn. Also man merkt, es ist wirklich ein fast natürliches Gespräch. Man muss sich nicht wiederholen, es versteht alles.

Manuela Machner: Ich meine, den Dialekt, dass der so ganz steirisch und wienerisch ist, jetzt noch nicht, aber es funktioniert schon ganz gut. In Englisch ist es gut. Ja, das glaube ich, weil es ja aus Amerika kommt und Steirisch vielleicht nicht so oft vorkommt.

Eliot Mannoia: Da sind die Trainingsdaten vielleicht nicht so viel.

Manuela Machner: Und das Transkript ist lustig zum Anschauen. Man sieht ja dann, was da steht.

Und offensichtlich, wenn man's umgekehrt sieht, versucht sie das so zu sprechen, wie sie's verschriftlicht hat. Das heißt, die KI-Systeme dürften aus dem verschriftlichten Dialekt versuchen, den Dialekt dann zu sprechen.

Eliot Mannoia: Ah, okay.

Manuela Machner: Und dadurch entsteht manchmal, dass die Laute natürlich nicht so klingen, weil man „oa" in Steirisch vielleicht schreibt und das dann doch anders klingt, wenn's aus dem Mund kommt.

Was ich aber das Spannende daran finde, abgesehen davon, dass sie Dialekt spricht: Sie versteht schon extrem gut, wenn man selbst Dialekt spricht.

Eliot Mannoia: Okay, ja.

Manuela Machner: Also das ist ja das eigentlich Herausforderndere, weil wir müssen nicht mehr Hochdeutsch mit ihr reden. Was?

Eliot Mannoia: Wie? Hab ich jetzt nicht verstanden.

Manuela Machner: Das Herausfordernde ist, wenn... Jetzt hast du mich auf die Schaukel genommen.

Eliot Mannoia: Musste ich dich da kurz reinlegen. Ich versteh dich.

Manuela Machner: So werde ich weiter.

Eliot Mannoia: Solange du mich auch verstehst mit meinem Deutsch.

Manuela Machner: Ja, aber jetzt, na ja, wie ist das jetzt in den Kursen? Die Leute haben schon so unterschiedlichste Reaktionen drauf.

Also natürlich fasziniert, aber auf der anderen Seite schon auch sehr: Will ich das jetzt überhaupt? Dass der klingt wie ein Mensch. Also ich will ja schon noch das Gefühl haben, dass das kein Mensch ist. Also diese Sicherheit, noch unterscheiden zu können in der Kommunikation, ich rede mit einem Computer und nicht mit einem Menschen.

Also ich hab schon das Gefühl, dass es vielen Leuten lieber ist, wenn die Stimme zumindest nicht ganz so natürlich klingt. Weißt du, wie's bei deinen Leuten ist oder was das bewirkt bei den Leuten?

Eliot Mannoia: Ja, also ähnlich bei den Workshops. Also die sind wirklich komplett, also wie gesagt, auch bei der Voice, die's noch vor einem halben Jahr gab, waren sie schon sehr, sehr schwer beeindruckt, und gleichzeitig war es, ist das Wort Ehrfurcht, oder mit einer, nicht Ehrfurcht? Weiß nicht, was das Wort ist.

Manuela Machner: Ehrfurcht, ja, mit Respekt.

Eliot Mannoia: Mit Respekt auch, genau. Ja, auf jeden Fall. Also ich erwähne es ja eh oft als Psychologe, das Anthropomorphizing, also dieses Projizieren von Gefühlen auf Maschinen, wird dadurch nur noch wahnsinnig gestärkt. Dass wir das Gefühl haben, wir reden mit einer Person, dass man da vielleicht auch weniger geneigt ist zu unterbrechen oder dass man vielleicht auch Danke sagt.

Also wir bewegen uns, ich meine, der Alan Turing, der berühmte englische Mathematiker mit dem berühmten Turing-Test, wo er gemeint hat, es ist dann eine künstliche Intelligenz, wenn man nicht feststellen kann, dass es wirklich eine Maschine ist. Und ich glaube, wenn der Alan Turing selbst jetzt mit ChatGPT reden würde, würde er meinen, da ist wer auf der anderen Leitung und nicht eine Maschine.

Ja, also es ist schon ein Wahnsinn, der Fortschritt und wo wir sind.

Manuela Machner: Ja, und der Wahnsinn ist ja nicht nur, dass die Stimme so klingt wie ein Mensch, sondern dass ja auch noch diese Interpretation unserer Stimmlagen dazukommt. Also das, woran ja auch sehr stark gearbeitet wird, ist, dass die KI-Systeme erkennen: Bin ich jetzt traurig? Bin ich frustriert? Bin ich wütend? Weil im Gesamtkontext möchte die Stimme mich positiv stimmen, sage ich zum Beispiel, oder mich unterstützen. Und wenn sie weiß, mir geht's nicht gut, ich bin traurig, dann wird sie mich anders unterstützen, als wenn ich wütend bin.

Eliot Mannoia: Dieses Affective Computing. Ich weiß nicht, wie das in Deutsch heißt, aber der Begriff

Manuela Machner: Ich glaube, das ist eigentlich die semantische Analyse, wenn ich das richtig eingeordnet hab. Und die Frage ist ja, im AI Act ist das so eine Sache: Was darf man und darf man nicht? Und vor allem in Richtung Manipulation auch.

Auf der anderen Seite, in einem Callcenter, wenn du eine KI als Callcenter-Mitarbeiter hast, ist es schon sinnvoll, dass sie anders reagiert, als zu sagen: „Wir können Ihre Frage nicht beantworten."

Eliot Mannoia: Tut mir leid, dass Sie enttäuscht sind.

Manuela Machner: Sie sagt jetzt: „Ich verstehe Ihr Problem total, aber ich kann Ihr Problem nicht beantworten."

Oder sie halluziniert und sagt: „Verstehe Ihr Problem total. So und so können Sie's lösen." Das stimmt dann nicht. Ja, also jetzt könnt ihr euch aussuchen, was euch am liebsten ist.

Eliot Mannoia: Also ich finde ja, dass es oft mit der Angst gesprochen wird über Terminator und Maschinen, die die Welt übernehmen.

Meines Erachtens finde ich eigentlich dieses Unterschwellige, Psychologische, dass es so ganz subtil in unser Leben einfließen wird, genau wie jetzt dieses neue Feature. Es ist einfach gelauncht, jetzt werden's mehr und mehr Leute benutzen. Ich finde, das ist eher die größere Gefahr.

Genau wie Social Media am Anfang hat auch niemand wirklich als Risiko gesehen. Das sind Bilder von Hunden und Katzen. Social Media ist doch okay. Und dann hat sich ganz später herausgestellt, eigentlich beeinflusst das schon die mentale Gesundheit von Teenagerinnen. Und ich glaube, so wird es, wenn wir mehr und mehr mit KI reden und irgendwie Beziehung aufbauen, auch wenn das wirklich nur eine kollegiale Beziehung oder eine Art Assistentenbeziehung ist. Dieser Assistent, den jeder haben wird, jeder jetzt schon hat, also jeder hat seinen eigenen KI-Assistenten, wenn er möchte, der ist um drei in der Früh verfügbar, der ist um vier verfügbar, der kann dir Witze erzählen, der kann in allen Instanzen für dich da sein.

Und das ist reibungsloser als eine Beziehung mit einem Menschen. Beziehungen mit Menschen sind ein bisschen, in Englisch gibt's das Wort messy. Beziehungen mit Menschen sind manchmal ein bisschen

Manuela Machner: Herausfordernder auch.

Eliot Mannoia: Wie?

Manuela Machner: Kontrovers und herausfordernder.

Eliot Mannoia: Ja, weil manchmal stimmst du nicht überein, oder manchmal bist du schlecht gelaunt, oder ich bin schlecht gelaunt, oder manchmal möchte man mal nicht so, oder es gibt Missverständnisse.

Mit der KI hat man immer recht. Also ich glaube, das wird in den nächsten zehn Jahren so wirklich aufbauend, ganz unterschwellig, wenn das das richtige Wort ist, also so ganz subtil.

Manuela Machner: Ja, also ich glaube gar nicht, dass das zehn Jahre dauert. Also jetzt schau, wie schnell die Entwicklung ist, seitdem wir die Stimmfunktion haben.

Wir haben jetzt ungefähr ein Jahr die normale Stimmfunktion. Und wobei das Lustige ist, das hat so lange gedauert. Die Stimmfunktion war schon längst da draußen, und mir hat er im Frühjahr erklärt, dass eben diese Advanced-Stimmfunktion kommen wird. Und plötzlich haben alle gesagt: "Ah, da kommt eine Stimme."

Und ich habe mir gedacht, die redet seit einem halben Jahr mit ChatGPT. Ja, also erst diese Updates und so werden erst wahrgenommen, aber ich glaube auch, wenn die Leute erkennen, wie schnell und wie einfach es geht, zu sprechen mit KI-Systemen, dann wird man es immer mehr nutzen.

Ich finde es auch oft praktischer, wenn sie mir gleich antwortet und mir Antworten gibt, die ich gerade in dem Zeitpunkt brauche.

Also ich glaube, dass das Thema, eben zu sprechen mit KI-Systemen allgemein, schon eine spannende Geschichte ist, auch in Richtung Steuerungssysteme. Also und nicht so Siri oder Alexa, spiel Spotify, keine Ahnung. Bei mir funktioniert das nicht, wenn ich mit ihr rede. Also ich habe die Alexa schon abgesteckt. Ich habe da irgendwo eine Alexa liegen.

Eliot Mannoia: Ja, aber die Steuerung, ich meine, ist ein guter Punkt, weil beim Prompting, also die Eingabe, die Befehlseingabe, ist natürlich immer so gut wie das, was du eingibst.

Und wenn du nur sagst: „Bitte gib mir eine Strategie", dann wird die nicht gut sein, weil du musst mehr Kontext geben. Aber wer schreibt schon gerne einen ganzen Absatz? Und da ist es super leicht, einfach statt zu tippen, einfach zu sprechen und zu sagen: „Okay, ich brauche eine Strategie. Es geht um Tourismus, es geht um eine Kampagne XYZ, es geht um diesen Zeitrahmen."

Und sprechen kann man viel ausführlicher, und dann bekommt man auch viel bessere Antworten. Also ich finde auch

Manuela Machner: Ja, aber der nächste Punkt ist ja, dass es nicht nur Sprechen ist, sondern dass es Kommunizieren ist. Ich sage zu ihr: „Ich möchte an einer Strategie arbeiten. Hilfst du mir?" Und sie sagt: „Ja, ich helfe dir gerne. Was hast du für eine Idee?" Dann sage ich: „Ich habe diese Idee." „Das ist eine tolle Idee. Was sind deine Kernziele?" Und dann sage ich meine Kernziele, und dann diskutiert sie mit mir über meine Kernziele. Dann spricht sie über den nächsten Punkt. Das heißt, es ist keine Ansage, kein „nur ich rede etwas vor mich hin", so wie man es beim Prompten ja eigentlich meistens hat. Man schreibt es runter.

Eliot Mannoia: Und dann

Manuela Machner: iterativ. Und das macht's ja dann wirklich spannend, muss man sagen. Also und das hat jetzt auch nichts mit der neuen Voice-Funktion zu tun, es geht nur ein bisschen einfacher. Aber das war ja vorher schon richtig spannend. Also du weißt nicht, über wie viele Themen ich diskutiert hab mit ChatGPT, was ich mir eingebildet hab, was ich machen könnte, und was die Sichtweise dann von ChatGPT war. Also nicht nur Sichtweise, sondern immer Wissensaustausch schon.

Eliot Mannoia: Ja, ja.

Manuela Machner: Wobei es natürlich viel gescheiter ist, ich mich viel lieber mit dir austausche als mit ChatGPT.

Eliot Mannoia: Ja, ich mich auch.

Manuela Machner: Oh. Na ja, schon.

Eliot Mannoia: Ja, sicher.

Manuela Machner: Also das muss man auch sagen. Also mir unterstellen die Kursteilnehmer oft, immer sehr, sehr technikverliebt zu sein und alles positiv zu heißen. Das ist es in Wirklichkeit nicht. Also ich nutze gerne Dinge, die mir helfen.

Eliot Mannoia: Ja, ja.

Manuela Machner: Bin aber auch überzeugt, dass man nicht alles nutzen muss, nur weil's technisch geht.

Eliot Mannoia: Nein, mich fasziniert auch die Technik, aber das Zwischenmenschliche ist mir immer lieber. Und genau dieser Impact von Technologie auf uns Menschen, im Positiven und Negativen.

Also ich hoffe ja, dass wir vielleicht auch in der Zukunft, ich meine, sie haben jetzt eh auch schon auf der OpenAI-Webseite, dass man auch die Vision hat, also was siehst du im Raum? Und dann kann man vielleicht im Gespräch, also stell dir vor, die KI sieht, was du siehst, und du kannst dich mit ihr unterhalten, alles in Echtzeit, und sagst: „Hey, ich seh hier grad diesen Raum, ich hab ein Problem, ich muss das und das und das machen.“

Und die KI kann sagen: „Ja, fang vielleicht dort an, dann mach das.“ Also wirklich so multimodal in Echtzeit gemeinsam Probleme lösen.

Manuela Machner: Weißt was? Ich kenne dieses Video. Und weißt, was ich am liebsten hätte? Ich sage dann der KI: „Räum meinen Schreibtisch auf.“ Nicht „wo liegt am Schreibtisch meine Brille“, sondern meine ganzen Schmierzettel, die man immer überall so hinschreibt.

Eliot Mannoia: Alles

Manuela Machner: aufschreiben. Genau, und transkribier mir das gleich und sag mir, wozu ich mir das überhaupt aufgeschrieben hab.

Eliot Mannoia: Da musst du vielleicht auf den Optimus, wie sagt man

Manuela Machner: Ja, also sei mir nicht bös. Also ja, ich hätte schon gern so einen, also theoretisch hätte ich gerne einen Haushaltscomputer, einen Roboter, der natürlich all die Sachen macht, die ich nicht gern mag, also alles, was Haushalt ist.

Also an sich alles. Aber ich hätte nicht gern einen Optimus, weil wenn du dir das anschaust, das trifft natürlich, glaube ich, alle Ängste, die man hat aufgrund der ganzen Science-Fiction-Geschichten. Du wachst in der Nacht auf

Eliot Mannoia: und er steht neben dir.

Manuela Machner: Ja, überleg dir das. Alarm! Der muss nicht einmal neben mir stehen. Ich gehe in der Nacht aufs WC, und der steht im Vorraum, um geladen zu werden. Naaa, also ich weiß zwar, ich hab gehört von so einem Entwickler von Robotern, der gesagt hat, sie haben deswegen solche menschlichen Gestalten, weil sie sich in der menschlichen Umwelt bewegen müssen. Genau, das hab ich gehört.

Also die Höhen von Arbeitsflächen und Stiegen überwinden müssen und so weiter. Aber ich gestehe, dieser Optimus oder die ganzen diese Dinger, also es ist jetzt noch nichts, was ich zu mir nach Hause einladen wollen würde. Da gehe ich lieber selber Stoffsammeln in Döbling und Schauspieler-Autogramme holen und so Sachen machen.

Eliot Mannoia: Ja, aber

Manuela Machner: Aber so einen kleinen. Hast du das gesehen? Es gibt so einen kleinen Kommunikationsroboter. Der sieht total süß aus. Das ist eigentlich so eine Lichtkugel. Die macht dann so ein Gesicht rein.

Eliot Mannoia: Für die Pflegeheime, aus Japan?

Manuela Machner: Ja, genau. Der hat dann so einen Smiley, und der redet so. Also so wie das Handy, nur dass es dann auch zwei Augen noch hat und so. Den täte ich mir schon herstellen.

Eliot Mannoia: Ja, also für Pflegeheime ist natürlich die Voice-Funktion super, weil Einsamkeit ist, wissen wir, gefährlicher als Rauchen sogar. Also die Einsamkeit ist schon auch prävalent in der Gesellschaft, und ich glaube, da, für Leute, die reden wollen. Ich hab sogar eine Freundin, die geht alle zwei Wochen zur Therapie, also die geht zu einer richtigen Person alle zwei Wochen, aber dazwischen redet sie mit KI.

Einfach, dass irgendwer zuhört. Sie ist sehr reif und sich sehr bewusst dessen, dass sie nicht ihre Freunde volllabern möchte mit allen Sachen.

Also redet sie schon auch mit Freunden natürlich, aber in Grenzen, und redet auch mit der KI einfach als Ventil, nicht wirklich als

Manuela Machner: Als Input, ja.

Eliot Mannoia: Ja, nicht, dass sie wirklich was davon bekommt, außer dass sie was rauslassen kann, und das ist auch schon etwas.

Manuela Machner: Aber ich finde es trotzdem traurig, oder? Dass du sagst, also ja, es ist notwendig und alles, ist nicht diskutierbar, aber dass du genau sagst, ich möchte meine Freunde nicht zustopfen.

Eliot Mannoia: Na ja, also dass es notwendig ist, ist sowieso gesellschaftlich traurig.

Manuela Machner: Da brauchen wir eh nicht diskutieren, weil's einfach nicht mehr genug Menschen gibt, die Zeit haben zuzuhören.

Eliot Mannoia: Genau, also wir sollten auf jeden Fall viel mehr Kultur, Konzerte, Austausch, Kreativität und Miteinander und solche Sachen.

Das, was wir alles früher im Stamm gehabt haben vielleicht, das verlieren wir jetzt in den Städten vielleicht ein bisschen, das sowieso. Aber ich meine, wenn es in einer gesunden Mischung gemacht wird, sprich, ich rede mit meinen Freunden, aber jetzt nicht immer über mich, sondern ich sage meinen Freunden, wie's mir geht, und ich tausche mich aus, aber in einer gesunden Ich-gebe-und-nehme-Relation, und habe meine richtige Therapie, dann ist es zusätzlich vielleicht auch nicht schlecht.

Manuela Machner: Vor allem, du hast die Möglichkeit. Also es gibt jetzt die Möglichkeit, das muss man sagen.

Eliot Mannoia: Ich hab gestern mit Teenagern gesprochen, weil ich mache ja auch dieses Projekt mit Teenagerinnen, und die waren 13 und 11, die zwei, und die haben gesagt, ein Freund von ihnen hat bei Rat auf Draht versucht anzurufen.

Ich weiß nicht, ob das stimmt.

Und die mussten dann, weiß nicht, glaube ich, zwei Tage warten, bis sie durchgekommen sind oder bis sie drangekommen sind. Wie gesagt, ich weiß nicht, ob das stimmt oder nicht. Ich möchte jetzt auch niemandem was Falsches sagen, aber da auch für Jugendliche, wenn sie vielleicht gleich reden können, ersetzt natürlich nicht richtige Hilfe, möchte ich auf jeden Fall nicht behaupten, aber dass man zumindest heute gleich reden kann, wenn jetzt wirklich der Bedarf da ist.

Manuela Machner: Ja. Ich glaube, vor allem eins muss man ja auch sagen, wenn wir jetzt wieder zurück zu ChatGPT gehen, die Entwickler haben da schon auch diesen Faktor drinnen, dass auch ChatGPT dich immer zum Experten schicken möchte. Also es ist jetzt so, dass er sagt, ich habe letztes Mal ein Problem mit einem Auto gehabt, bevor du da selber was machst, geh in die Werkstatt, oder medizinisch, geh auch zu einem Arzt. Oder ich hab irgendwann so ein Thema gehabt, und dann hat er gesagt, such dir vielleicht jemanden, mit dem du über das professionell reden kannst. Ja, also er redet schon mit dir, aber, weil ich dann gesagt hab, wie ist das, wenn jemand jugendliche Problematiken hat in der Richtung, und dann reagiert ChatGPT sehr wohl auch in die Richtung, dass er sagt, du brauchst professionelle Hilfe.

Eliot Mannoia: Ja, und umso mehr, wenn man sich überlegt, was die Jugendlichen auf Social Media hören. Also die Influencer sind ja nicht alle Influencer. Manche Leute sind wirklich keine professionellen Psychologen, und es gibt da sehr viele Weisheiten, die da auch verteilt werden. Also ich glaube, da ist ChatGPT sogar sicherer, weil es

Manuela Machner: Weil's doch in einem Rahmen ist. Also zumindest hat es die Vorgaben zu helfen. Also das ist zumindest die Grundprogrammierung, momentan halt. Und das muss man schon sagen, da geht's gar nicht um Influencer, sondern durch diese Bubbles, über das haben wir schon gesprochen, in den Social-Media-Kanälen, wenn depressive Kinder andere depressive Kinder sehen, die das auch noch zusätzlich verstärken, die Depressionen oder in der Magersucht oder in all diesen Ausnahmesituationen.

Dann ganz ehrlich, wenn meine Tochter in der Situation wäre, ist mir lieber, sie redet mit ChatGPT, als sie schaut bei Social Media, wie andere Magersüchtige Methoden finden, bis sie nichts essen können.

Eliot Mannoia: Ja.

Manuela Machner: Also grad da macht Sprache natürlich was anderes aus, weil es wird keiner hineintippen und sagen: "Ja, ich brauche jetzt Hilfe."

Ich glaube, das Sprechen ist auch eine Barriere, die geringer ist als das Schreiben. Weil das zu verschriftlichen ist schon ein nächster Schritt, finde ich, oder?

Eliot Mannoia: Stimmt.

Manuela Machner: Also etwas niederzuschreiben hat schon, finde ich, einen anderen Faktor. Ich verpflichte mich ganz anders, oder ich bekenne mich zu etwas, oder?

Eliot Mannoia: Ja, ja. Das ist ein sehr guter Punkt. Ich glaube, wenn man's runterschreibt, dann

Manuela Machner: Dann macht man's wahr.

Eliot Mannoia: Bestätigt es. Ja, das ist ein sehr guter Punkt, und ich glaube, wenn man redet, ist es noch ein bisschen in der Schwebe. Oder?

Manuela Machner: Genau, also reden kann man bald einmal was, aber in dem Moment, wo ich was schreibe, gebe ich's wirklich zu, dass es so ist. Dann mache ich's zu einem Fakt.

Eliot Mannoia: Ja, super Punkt.

Manuela Machner: Spannend, ja. Das hab ich eigentlich auch noch nie so beachtet.

Ja gut, ich glaube, wir könnten zu dem Thema, ja. Was macht da den Unterschied aus? Also einmal reden. Ich glaube, wir haben heute einen wirklich netten Bogen gespannt zu dem Thema, dass ChatGPT Steirisch kann oder Wienerisch oder nicht oder wie auch immer.

Vor allem, dass er uns auch versteht, auch wenn wir nicht perfekt Deutsch sprechen, oder welche Sprache auch immer. Bis hin dazu, wie Sprache eigentlich und die Interaktion mit KI auch die Nutzung von KI-Systemen verändert und auch gesellschaftlich natürlich Auswirkungen haben wird. Und dass es dabei, so wie bei all diesen Entwicklungen, Vor- und Nachteile gibt.

Dass sie aber da sind, dass diese Möglichkeiten da sind und dass man's vielleicht auch nutzen sollte, wenn's für einen irgendwo einen Sinn ergibt. Und manchmal ist es vielleicht besser, man spricht mit ChatGPT als mit niemandem. Würde ich so sagen. Also ich freue mich, wenn wir uns das nächste Mal beim nächsten Podcast wiedersehen oder hören natürlich.

Und wünsche euch einen schönen Tag.

Eliot Mannoia: Tschau.

Manuela Machner: Tschüss.

Eliot Mannoia: Tschau.