Manuela Machner erklärt, warum ein Viertel der Kursteilnehmer Existenzängste vor KI hat, und warum Tools kaufen nie die erste Instanz sein sollte. Eliot Mannoia zeigt, warum Elevator Pitches und Kaffee-Gespräche in der KI-Ära wichtiger werden, nicht weniger.
Wenn die Chefetage selbst nicht weiß, was sie tun soll, vergisst sie, die Mitarbeiter einzubinden. Das führt zu Überforderung und dem Gefühl, alleingelassen zu werden. Awareness schaffen, bevor man Tools kauft, ist entscheidend.
Manuela Machner macht anonymisierte Befragungen in ihren Kursen. Je nach Größenordnung sagt ein Viertel oder Fünftel der Teilnehmer, dass sie echte Bedenken und Existenzängste haben, nicht nur Unsicherheiten.
Top-down bedeutet: Vier Lizenzen bei IT ausprobieren und ein Jahr später Copilot einfach dumpen. Bottom-up bedeutet: Mitarbeiter von Anfang an einbinden, Ängste ansprechen, Plattform für Fragen schaffen, noch bevor ein Tool feststeht.
Tonspur vom Video trennen und in Word hochladen. Die Transkriptionsfunktion in Word verschriftlicht alles automatisch. Dann ChatGPT für die Zusammenfassung nutzen. Wichtig: Nur wenn keine Firmengeheimnisse kommuniziert wurden.
Mit Homeoffice und virtuellen Meetings sieht man sich weniger am Flur, in der Küche, im Aufzug. Elevator Pitches, Kaffee-Gespräche und Mittagessen haben Business-Deals und Ideen ausgelöst. Unternehmen müssen künstlich erschaffene soziale Momente schaffen.
**Eliot Mannoia:** Hallo, willkommen zur nächsten Folge von Mind/Machine. Heute besprechen wir: Mensch im Mittelpunkt. Wenn es um KI geht, wie bleibt der Mensch im Mittelpunkt? Mein Name ist Eliot Mannoia, ich bin digitaler Psychologe und fasziniere mich dafür, wie KI und Technologie uns Menschen beeinflussen.
**Manuela Machner:** Hallo, ich bin Manuela Machner. Ich habe den Schwerpunkt Tourismus und KI, eine Branche, die sehr menschenlastig ist. Deswegen ein spannendes Thema heute.
**Eliot Mannoia:** Wie können wir dafür sorgen, dass der Mensch im Mittelpunkt bleibt, auch in den Entscheidungsprozessen? Was sind deine ersten Gedanken, Manuela?
**Manuela Machner:** Ich erlebe es sehr oft in Unternehmen, dass alle überfordert sind mit dem Thema KI. Viele wissen nicht, worauf sie es einordnen sollen. Das führt dazu, dass Mitarbeiter auf der Seite bleiben oder nicht eingebunden werden. Das liegt nicht an Böswilligkeit, sondern wenn die Chefetage selbst noch nicht weiß, was sie tun soll, vergisst sie nachzufragen: Wie schaut's denn aus im Team?
Das andere Extrem: Die Chefleute sagen, wir wollen was mit KI machen, alle machen was mit KI. Wenn das keine Innovationsabteilung ist, haben die Leute vielleicht ChatGPT mal ausprobiert, aber null Plan und fühlen sich alleingelassen und überfordert.
**Eliot Mannoia:** Mit den Unternehmen, wo ich arbeite, sind sie relativ offen dafür, das Bottom-up anzugehen, nicht Top-down. Top-down wird oft so gehandhabt: Vier Lizenzen bei IT ausprobieren, ein Jahr später kommt irgendwas, und dann wird Copilot einfach gedumpt. Man muss das morgen ansprechen. Auch wenn man noch kein Tool hat, keine Strategie, einfach Awareness schaffen, die Plattform schaffen, dass der Mensch seine Ängste ausdrücken kann, seine Bedenken, seine Fragen. Holt mal die Leute ab.
**Manuela Machner:** Absolut. Ich hab in jedem Kurs Leute, die Ängste haben. Ich mache anonymisierte Befragungen im Vorfeld, auch ob sie freiwillig im Kurs sitzen. Je nach Größenordnung sagt ein Viertel oder Fünftel der Leute, sie haben wirklich Bedenken und Ängste. Nicht nur ob sie ein Bild noch richtig erkennen, sondern Existenzängste.
Ich wurde angefragt, einen Kurs zu halten, wo es darum geht, ältere Mitarbeiterinnen im Tourismus abzuholen und ihnen zu erklären, was KI ist. Warum KI für mich in meinem Alter so wichtig ist: Weil ich so viel Lebenszeit verschwendet habe. Für Excel-Listen, die eh keiner gebraucht hat. Für Texte abschreiben, Protokolle schreiben. Das ist nicht nur bezahlte Arbeitszeit, das ist meine Lebenszeit, die ich vergeudet habe. Deswegen finde ich es besonders wichtig, dass auch ältere Mitarbeiter überlegen, wo sie Hilfe kriegen können.
**Eliot Mannoia:** Deine Bereitschaft, Neugier und Weltoffenheit ist vorbildlich. Auch so banale Sachen wie Teams-Meetings, die besser transkribiert werden, damit man sich auf den Menschen mehr konzentrieren kann. Über achtzig Prozent der Kommunikation ist nicht verbal.
**Manuela Machner:** Diese Kommunikation online ist schwierig. So praktisch es ist, es geht viel Energie verloren. Tipp für alle, die Protokolle von virtuellen Sitzungen schreiben müssen: Ihr könnt die Tonspur vom Video trennen und in Word hochladen. Da gibt's eine Transkriptionsfunktion. Word transkribiert alles und versteht es wirklich gut. Dann ChatGPT zusammenfassen lassen. Aber bitte, wenn keine Firmengeheimnisse kommuniziert wurden.
**Eliot Mannoia:** Was auch wichtig ist bei Online-Workshops: Cameo in PowerPoint. Kein KI-Tool, aber man hat im Präsentationsmodus sein eigenes Video in der Präsentation. Einfügen, Cameo, in Teams die Kamera abschalten, dann dreht sie in PowerPoint automatisch an. Es gab eine Studie von der Yale University: Teams-Meetings aktivieren das Gehirn weniger als Gesicht-zu-Gesicht-Meetings. Augenkontakt und Gesten sind wichtig.
**Manuela Machner:** Das teste ich sicher. Wenn ich das früher gewusst hätte, die Woche hätte ich's so richtig brauchen können.
**Eliot Mannoia:** Wenn Firmen mehr KI und Automation einsetzen, werden wir auch mehr künstliche menschliche Momente schaffen müssen. Mit Homeoffice und virtuellen Meetings sieht man sich weniger am Flur, in der Küche, im Aufzug. Da geht viel verloren. Vielleicht reicht eine Sommerfeier oder Weihnachtsfeier nicht mehr, man muss mehr künstlich erschaffene Momente schaffen, wo sich Menschen treffen.
**Manuela Machner:** Was man unterschätzt: Es ist nicht nur der persönliche Austausch, es ist auch Wissensaustausch. Wenn ein Chef in die Kantine kommt und man kurz was ausreden kann, war das der kurze Weg. Du hast gleich gewusst, funktioniert oder nicht. Du baust eine andere Beziehung auf, wenn du kurz einen Kaffee trinkst oder beim Mittagessen nebeneinander sitzt.
**Eliot Mannoia:** Elevator Pitches. Im Aufzug hat oft eine Business-Idee angefangen. Diese dreißig Sekunden. Wenn man sich im Elevator nicht mehr trifft, fehlt das. Zusammenfassend: Bei KI-Strategien oder Einführungen von KI im Tourismus müssen die Unternehmer die Mitarbeiter mitnehmen. Tools kaufen ist nicht die Lösung.
**Manuela Machner:** Genau, auf keinen Fall die erste Instanz. Nächstes Mal reden wir über den AI Act der EU. Wir freuen uns, euch dann nächste Woche wiederzusehen. Alles Liebe.
**Eliot Mannoia:** Tschüss. Tschau. Baba.