ChatGPT hat eine breite Öffentlichkeit mit KI konfrontiert. Aber hat das Werkzeug die Welt wirklich verändert, oder reden wir nur darüber?
ChatGPT hat KI für die breite Masse zugänglich gemacht. Nicht die Technologie war neu, aber die Zugänglichkeit. Plötzlich konnte jeder mit KI interagieren, ohne technisches Wissen. Das ist eine echte Zäsur.
KI ist aus dem Labor in den Alltag gekommen. Unternehmen, Schulen und Privatpersonen experimentieren. Die Diskussion über KI-Ethik, Regulierung und Bildung hat eine neue Dringlichkeit bekommen.
Multimodale Modelle, KI-Agenten und spezialisierte Systeme für Branchen und Aufgaben. Die Entwicklung beschleunigt sich. ChatGPT war der Startschuss, nicht das Ziel.
Eliot Mannoia: Hallo, grüß euch. Willkommen zur nächsten Folge von Mind/Machine. Ich bin der Eliot Mannoia und meine Leidenschaft ist die Technologie, die KI und der Mensch, die Psychologie.
Manuela Machner: Ja, und ich bin Manuela Machner. Mein Schwerpunkt ist Tourismus und künstliche Intelligenz. Und mit unserem Podcast versuchen wir, euch Einblicke zu unterschiedlichsten Themen rund um KI zu geben.
Eliot Mannoia: Ja, und heute reden wir über: Hat ChatGPT die Welt verändert? Was meinst du dazu, Manuela? Hat ChatGPT die Welt verändert?
Manuela Machner: Ja, ein bisschen schon, glaube ich. Also zumindest die EDV-Welt sicherlich. Und meine Meinung einfach dazu ist, dass ChatGPT das erste massentaugliche KI-System war, das uns einfach Aufmerksamkeit auf das Thema KI gelenkt hat und diesen Hype auch hervorgerufen hat, dass man jetzt gar nicht umhinkommt, egal in welcher Branche man arbeitet, sich mit künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen.
Und dass wir alle in der Lage sind, mit einfachsten Möglichkeiten plötzlich KI zu nutzen. Und ich glaube, deswegen hat's schon einen großen Beitrag zu der ganzen Entwicklung geleistet.
Eliot Mannoia: Ja, also da geb ich dir recht. Das hat irgendwie dieses Bewusstsein für KI wirklich Mainstream gemacht, auch wenn KI schon länger mit uns ist.
Man sagte, dass das der zweite wahrgenommene Mainstream-Kontakt war und dass der erste wahrgenommene Mainstream-Kontakt diese Algorithmen und Social Media waren und diese Filter, diese Lenses auf Snapchat und so weiter, Instagram, wo man dann wirklich so bemerkt hat, okay, die Algorithmen, das ist schon ziemlich mächtig.
Das hat vielleicht als Entscheidungsbäume angefangen und das ist jetzt diese Echo Chambers und jeder sieht dann was anderes. Und natürlich in Bezug auf Mental Health, also die Mental Health von unseren Teenagern. Ich glaub, spätestens dann haben wir wirklich gemerkt: „Okay, wow, das ist nicht ohne. Das hat auch ziemliche Auswirkungen auf die Gesellschaft."
Manuela Machner: Ja, wobei ich glaube, dass vielen einfach gar nicht bewusst war, dass das künstliche Intelligenz oder maschinelle Lernsysteme waren. Also ich glaube, die ersten Kontakte, war nicht das Thema Amazon, wo uns die Pullover verfolgt haben, wo alle nicht genau wussten, was passiert da jetzt gerade. Aber ChatGPT ist, glaube ich, der große Unterschied, dass einerseits jeder von uns es nutzen kann, und das Spannende ist ja auch, dass es ganz viele Entwicklungen jetzt gibt, die in Wirklichkeit auf ChatGPT basieren oder auf anderen Language Models.
Das heißt, die nutzen ja im Hintergrund ChatGPT, um diese Chatbots zu machen oder unterschiedlichste Automatisierungen zu machen. Und es verändert auch die Erwartungshaltung, finde ich. Also wenn du jetzt hernimmst, ich erwarte mir von Siri, dass sie mich genauso gut versteht wie ChatGPT, wenn ich mit ihr spreche.
Also ich glaube, dass auch diese Gewohnheit sehr schnell ansteigt. Also heute sind Themen, die vielleicht vor einem Jahr noch extrem aufwendig waren, ob das jetzt eine Transkription von irgendeinem File ist oder was auch immer oder eine Zusammenfassung, heute ist das Standard, ja. Also es hat sicher vieles verändert.
Ich glaub nur nicht für alle. Ich glaub, dass wir natürlich ein bisschen in unserer Bubble leben, weil wir einfach wissen, was alles geht. Aber dass das immer stärker kommen wird, ja, in allen Bereichen, dass Sprachfunktionen oder auch eben genau diese ganzen Textfunktionen automatisiert kommen.
Also allein, dass du in Word theoretisch genauso schon sagen kannst, nicht theoretisch, sondern praktisch mit Copilot sagen kannst: "Schreib mir die Einladung für das Golfturnier", und Word macht das dann und plötzlich hast du mit schöner Formatierung eine Einladung dastehen.
Wie genau die ist, ist eine andere Frage, aber bis jetzt.
Eliot Mannoia: Aber ich glaub, wir werden uns da genauso wie Student:innen, ich glaub, die haben das schon ziemlich angenommen, ChatGPT und andere, jegliche, DeepL und so, ja, KI-Tools.
Das ist für sie schon wie ein Taschenrechner immer dabei, und ich glaub, das ist bei denen schon kaum wegzudenken. Und vielleicht ist das die Richtung, dass wir immer validieren werden, ist das okay, ist das nicht okay, aber nicht von null anfangen, dass wir vielleicht nie wieder von null anfangen, sondern wie du sagst, der wird uns einen Text vorgaukeln und dann werden wir immer drüber schauen, aber von Anfang an.
Manuela Machner: Ja, aber das Spannende ist, du siehst ja, was die Veränderungen in so kurzer Zeit schon bewirken, wenn wir jetzt die Diskussion haben oder die Entscheidung haben, es soll keine Fachbereichs, also es heißt nicht Fachbereichsarbeit, vorwissenschaftlichen Arbeiten mehr für die Matura geben, weil die ja sowieso meistens mithilfe von ChatGPT geschrieben werden.
Jetzt gibt's das Tool grad mal eineinhalb Jahre. Ja. Und wir setzen bereits innerhalb so kurzer Zeit solche Konsequenzen, dass man sagt, okay, es zahlt sich eigentlich nicht aus, eine schriftliche Arbeit mehr abzuliefern für die Absolventen der Maturaklasse.
Eliot Mannoia: Auch Masterthesen wurden abgeschafft in manchen Universitäten.
Manuela Machner: Ja, also das muss man sich jetzt mal vorstellen, was das bedeutet. Und ich frag mich auch, ob das die richtige Quintessenz aus dem Ganzen ist, zu sagen, man macht keine schriftlichen Arbeiten mehr, weil die schriftlichen Arbeiten werden eh von ChatGPT geschrieben, von den Schülern oder Studenten, sondern ob die schriftlichen Arbeiten vielleicht anders strukturiert hätten gehört oder andere, wie soll man sagen, andere Rahmenbedingungen, sodass man selbst noch aktiv etwas beitragen muss, um sich mit einem Thema auseinanderzusetzen.
Also man sieht allein da, dass es schon die Auswirkungen hat, ob wir das jetzt nutzen oder nicht, ja. Also da sieht man schon konkret die Auswirkung.
Eliot Mannoia: Ja, ich hab auch ein Gespräch letzte Woche mit wem gehabt, die gemeint haben, dass der KI-Winter vielleicht wieder kommt, es ist dieser Hype Cycle und so weiter.
Aber irgendwie das Gefühl, das ich hab, weil seit November '22 mit ChatGPT und davor schon mit DALL-E, um die Bilder zu machen, auch in 2022. Das war ja DALL-E in '22, glaub ich, im Sommer oder so, weiß ich nicht mehr wann ungefähr, dann November ChatGPT, und seitdem ist fast gefühlt jede drei, vier Monate irgendwie was Neues, nur ChatGPT.
Und dann haben wir natürlich Claude und andere Modelle. Also ich glaube, die Innovationszyklen sind schneller, dass wir, glaube ich, keinen KI-Winter insofern haben. Also jetzt kommt auch Sora irgendwann dieses Jahr vielleicht noch raus von OpenAI mit dieser Videogeneration. Da kam auch gestern oder vorgestern das chinesische Pendant dazu raus, aber das kann man noch nicht in Europa benutzen.
Wie heißt das noch mal? Weißt du den Namen?
Manuela Machner: Nein, das habe ich ehrlich gesagt nicht im Kopf.
Eliot Mannoia: Ja, also irgendein chinesisches, da kann man zwei Minuten lange Videos machen. Ja.
Manuela Machner: Na ja, aber das Thema ist ja auch, es ist ja ein Teil unserer Arbeitswelt geworden, oder wird ein Teil unserer Arbeitswelt.
Also ich glaube, dass dieser KI-Winter vielleicht in oder sicherlich im Bereich der Berichterstattung passieren wird. Also es wird nicht so weitergehen, dass alle über ChatGPT auf Dauer reden oder über KI-Systeme reden, aber es werden die Tools immer ausgefeilter, immer besser, immer mehr.
Es wird immer mehr können, und grad ChatGPT ist ja ein multifunktionales Tool in Wirklichkeit, auch wenn es ein Language Model ist, also Sprachmodell. Aber in Wirklichkeit, du kannst Daten analysieren lassen, du kannst dir jetzt Word-Dateien erstellen lassen, du kannst dir Excels erstellen über ChatGPT, indem du sagst: „Bitte mach mir eine Excel-Liste von den ganzen Temperaturen oder keine Ahnung, von irgendwas."
Also es ist ja nicht reduziert auf dieses, ich hab da ein Programm, da schreibe ich was rein wie in Google und es gibt mir eine Antwort, sondern es kann ja viel mehr. Und ich glaube, gerade deswegen ist ChatGPT auch so erfolgreich, weil es ständig neue Entwicklungen macht. Spannend finde ich nur bei diesem Thema, dass viele Unternehmen ChatGPT als Basis ja nutzen für ihre Entwicklungen, und ich oft das Gefühl habe, die entwickeln in eine Richtung, die ChatGPT wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit integrativ anbieten wird.
Das heißt, wenn ich jetzt ChatGPT hernehme, um irgendwelche Automatisierungen zu machen, um Word-Dateien zu erstellen, dann war das umsonst, weil jetzt kann's ChatGPT, ja. Also da sehe ich einfach die kritische Gefahr, dass das eigentlich so ein großer Player ist, dass er ja alles abdecken kann.
Eliot Mannoia: Ja, vielleicht das neue Google oder das neue Microsoft. Also die haben vor zwei Wochen, also die Chicago Booth University, also Business School Booth University of Chicago oder so, haben eine Studie rausgebracht, ziemlich spannende Studie, wo die Finanzanalyse von ChatGPT besser war als die Finanzanalysten.
Also ja, und es ist integriert. Es ist schon mit Excel möglich oder mit Google Sheets. Und es gibt sogar, wenn ihr üben wollt, es gibt eine Webseite, die heißt Kaggle, also wie Google, aber mit K und A, Kaggle. Und da gibt's einfach viele Daten. Also man kann einfach mal, wenn man üben möchte mit Finanzanalysen, von Kaggle gibt's wirtschaftliche, wissenschaftliche, Wetterdaten.
Also man kann einfach aussuchen, also echte Daten, aber öffentlich zugängliche Daten kann man sich einfach nehmen, um mit verschiedenen Datensätzen mal auszuprobieren.
Manuela Machner: Das ist eh ganz spannend, weil da bin ich oft gescheitert, weil meine Datensätze zu gering sind oder zu klein sind, um wirklich zu testen, wie weit diese Analysen und Abfragen tatsächlich funktionieren, ja.
Und das ist spannend, wenn man dann so Testdaten hat, mit denen man sich spielen kann, sage ich jetzt einmal, bevor man natürlich, das Thema ist, Datenschutz und ChatGPT ist ja nach wie vor ein Thema, wo man nicht recht weiß, wie man damit umgehen soll und kann und wird, ja. Aber.
Eliot Mannoia: Und wir wissen, dass sechs oder sieben von zehn Personen GPT schon nutzen, mit oder ohne Genehmigung vom Arbeitgeber, Arbeitgeberin.
Und deswegen, wenn man sich dessen nicht stellt, ist es fast fahrlässig, weil man muss, auch wenn man's nicht als Firma einsetzen möchte, zumindest Aufklärung und irgendwelche Schulungen oder irgendwelche Guidelines haben, weil sonst, die Leute nutzen es schon.
Manuela Machner: Ja, definitiv, und vor allem, man darf sie ja nicht allein lassen damit, ja.
Also zu sagen, macht, was ihr wollt, geht meiner Meinung nach gar nicht, weil die Mitarbeiter müssen einfach wissen: Was darf ich, wie darf ich's nutzen und in welcher Form? Und das muss einfach von dem Unternehmer vorgegeben werden oder von der Geschäftsleitung vorgegeben werden. Man kann's erarbeiten mit den Mitarbeitern, aber es braucht ein Regulatorium.
Weil so wie du sagst, die Leute nutzen's ja trotzdem. Und dann passieren vielleicht Dinge, die man als Unternehmer gar nicht möchte, dass sie passieren, ja. Ja, ich glaube, dass grade ChatGPT ein wichtiger Faktor ist, der uns weiterhin begleiten wird. Wenn wir das zusammenfassen heute, ich glaube, ChatGPT hat alles verändert aufgrund dessen, dass es massentauglich ist, dass es jeder nutzen kann.
Es hat seinen Weg gefunden in die Unternehmen und in die ganzen Entwicklungen hinein. Und dadurch, dass es sich auch permanent weiterentwickelt und es neue Features dazu gibt, wird es einfach Alltagsmodell sein. Also KI wird nicht verschwinden. Wir werden vielleicht nicht permanent drüber reden, aber es ist einfach ein Element unseres Alltags und unserer Arbeitswelt und wird nur viel stärker werden.
Und ich glaub, das können wir euch als Botschaft mitgeben: Wenn ihr euch bis jetzt noch nicht damit beschäftigt habt, tut es. Wenn ihr ein Unternehmen habt, stellt Regeln auf, wie gehen wir damit um? Oder überlegt euch mit euren Kollegen und Mitarbeitern, wie ihr damit umgehen wollt und sollt. Und ja, was werden wir dann nächste Woche diskutieren, Eliot?
Eliot Mannoia: Ja, und auch die Manuela buchen für KI-Workshops, ja, weil das machst du ja auch, in Bezug auf Guidelines und Training und Aufklärung und so, mit welchen Tools. Also ja. Nächste Woche werden wir über KI und Nachhaltigkeit reden. Auch ein wichtiges Thema, wird auch ein bisschen überschaut, und wir freuen uns auf euch und euch wiederzusehen.
Manuela Machner: Macht's gut. Tschüss. Baba.
Eliot Mannoia: Ciao.