KI verändert, was Arbeit wert ist. Wenn Maschinen Aufgaben übernehmen, die früher Menschen erledigten, stellt sich die Frage: Was bleibt vom Wert menschlicher Arbeit?
Wenn KI Aufgaben übernimmt, die früher Expertise erforderten, sinkt der Marktwert dieser Expertise. Gleichzeitig steigt der Wert von Fähigkeiten, die KI nicht hat: Urteilsvermögen, Empathie, Kreativität.
Nicht Arbeit generell, aber bestimmte Arten von Arbeit. Routinearbeit verliert an Wert. Arbeit, die menschliche Verbindung, Kontext und Urteil erfordert, gewinnt an Bedeutung.
Kompetenzen entwickeln, die KI ergänzen statt konkurrieren. KI-Literacy aufbauen, menschliche Stärken bewusst einsetzen und kontinuierlich lernen. Anpassungsfähigkeit ist die wichtigste Kompetenz.
Manuela Machner: Herzlich willkommen zur neuen Folge von Mind/Machine. Ich bin Manuela Machner, ich bin Beraterin für KI und Tourismus.
Eliot Mannoia: Hi, ich bin der Eliot Mannoia, digitaler Psychologe, und konzentriere mich auf die emotionale Intelligenz und die künstliche Intelligenz. Und das Format von unserem Podcast dient zur Inspiration, Gedankenanstöße zu vermitteln, und ja, das ist, was unser Ziel ist von diesem Podcast.
Manuela Machner: Und heute reden wir über ein spannendes Thema, oder diskutieren wir besser drüber, sagen wir. Wird sich der Wert der Arbeit durch die künstliche Intelligenz verändern? Wir haben im Vorfeld schon ein bisschen diskutiert, und wenn man so hernimmt, ich hab so ein Beispiel: Ein Dienstleister ist das letzte Mal in einen Betrieb von mir gekommen und hat erklärt, er macht diese ganzen Berichte, der muss hauptsächlich schriftliche Berichte machen.
Die macht er alle nur mehr mit ChatGPT und der ist um achtzig Prozent schneller. Und die Chefin von dem Unternehmen hat dann gemeint: „Na ja, und was machst du dann?" Also achtzig Prozent, Wahnsinn, unglaublich, ja. Was bedeutet das? Und er hat gesagt: „Na ja, ich geh halt langsamer." Also er nutzt die Zeit jetzt nicht unbedingt, um produktiv mehr zu machen, sondern um's einfach sehr gemütlich anzugehen.
Und da frag ich mich, wohin wird sich das jetzt tatsächlich entwickeln? Also es wird auch von den Branchen unterschiedlich sein, aber wenn uns KI wirklich so viel Zeit abnimmt, wie werden wir die Zeit nutzen und was wird dann mit den Preisen und der Wertigkeit der Zeit da passieren?
Hast du da irgendeine Idee?
Eliot Mannoia: Sehr spannend auf jeden Fall. Ich glaube, auf psychologischer Ebene wird es unsere Muster nach wie vor geben. Also ich hoffe natürlich, dass wir als Gesellschaft psychologisch gesünder und gesünder werden, aber es wird schon noch eine Zeit lang die Menschen geben, die Leistung brauchen, um ihren Stellenwert zu bestätigen.
Also es werden manche gleich diese Extrazeit mit mehr Leistung auffüllen, und dann wird es andere Menschen geben, die gern weniger machen, die dann gleich diese Extrazeit mit noch mehr weniger machen auffüllen. Also das wird sich schon, ich würde sagen, ganz normal verteilen.
Da werden schon unsere psychologischen Muster dafür sorgen. Aber wie sich dann die Strukturen ändern, das wird spannend, und das wird, glaube ich, ein bisschen länger dauern als der Impact. Das haben wir ja gesehen mit Uber. Das war ein Wahnsinnsbeispiel, wie 2007 kam das iPhone raus und zwei Jahre später Uber oder so, oder zweieinhalb Jahre.
Und ich glaube, kein Taxifahrer in ganz Österreich, Wien hat sich gedacht, dass ein Smartphone aus California vor zwei Jahren plötzlich die ganze Taxibranche disruptiert. Unglaublich. Und jetzt haben wir im Nachhinein reguliert und dafür gesorgt, dass es nicht jetzt die ganzen Jobs gefährdet, aber es geht schnell, und die Regulierung kann sich da erst nachher anpassen.
Manuela Machner: Ja, ich frage mich nämlich aus der Sicht, also wenn ich mir vorstelle, ich bin ein Dienstleister, ja, der bis dato auf Stundenbasis abgerechnet hat, und jetzt sehe ich die andere Seite des Kunden. Und wenn du jetzt zum Beispiel jemand bist, der mir eine Website macht, und früher hat das Website bauen, je nach dem Umfang, vielleicht eine Woche gedauert oder wie auch immer, soundso viele Manntage.
Und jetzt weißt du als Kunde, dass KI-Tools da schon so stark im Hintergrund aktiv sind und dass du diese Bausatzkästen hast, und du magst das vielleicht trotzdem nicht selber machen, dann weiß ich nicht, ob ein Preisdruck entsteht, vor allem wenn du sagst, du rechnest nach Stunden oder Tagen ab.
Also ich glaube, in dem Moment, wo der Kunde deine Arbeit versteht und weiß, wie viel Aufwand oder vielleicht in Zukunft auch Nicht-Aufwand dahinter steckt, glaube ich, dann wird's gefährlich mit den Preisen, mit der Argumentation der Preise. Nein.
Eliot Mannoia: Da hast du recht. Also wenn plötzlich jeder produzieren kann, ob's Musik ist, Bilder, Webseiten, Texte und so weiter, dann wird es natürlich die Preise auch senken, aber es wird auch eher eine Gleichheit dastehen, wo dann Kreativität, oder wie man es einzigartig macht, auch wieder einen anderen Stellenwert bekommt.
Meinen Kunden sage ich immer so: Wenn wir in der Zukunft, ganz weit in der Zukunft, unsere synthetischen Weine trinken und unsere 3D-gedruckten Burger essen, vielleicht mit unseren 3D-gedruckten Organen, dann werden wir vielleicht eher fragen: Uh, ist das menschlich und organisch? Weil es wird alles vielleicht künstlich sein oder digital, und da werden wir vielleicht eher fragen: Ist was menschlich?
Und wenn was handgemacht ist, wird's vielleicht einen ganz anderen Stellenwert wieder bekommen. Und vielleicht wird vieles zugänglich und günstiger sein, aber es wird dann schon wieder viel mehr möglich. Vielleicht ist die Webseite der Zukunft visuell mit Musik, also auch auf einem ganz anderen Level wieder.
Manuela Machner: Und du meinst, das wird dann keine KI machen können, oder wie?
Eliot Mannoia: Nein,
Manuela Machner: ob ein Mensch. Das ist ja das Thema. Also umso technologischer die Dinge werden, weil ja Technologien schneller, einfacher andere Technologien umsetzen können, wird's ganz spannend werden, oder? Also, und wenn's das jetzt ist, ich glaub, dass alle, die jetzt auf Stundenbasis abrechnen, sich vielleicht früh genug Dinge überlegen sollten, wie sie ihre Leistungen transparent machen könnten.
Also zu sagen, du kriegst jetzt nicht das Produkt eine Woche Arbeit für eine Webseite oder soundso viele Stunden für einen Newsletter oder soundso viele Stunden für dieses oder jenes, sondern du kriegst die Leistung Website, du kriegst die Leistung Presseberichte oder Social-Media-Postings, soundso viele.
Ich glaub, dass das jetzt schon umzusteigen vielleicht ganz eine geschickte Idee wäre, weil ich glaube, es wird dann ganz gefährlich, wenn du dann in eine Preisdiskussion gehen musst mit deinen Kunden in Zukunft, der dann sagt: "Das kann ja nicht sein, dass du mir soundso viele Stunden verrechnest und in Wirklichkeit arbeitest du eh mit ChatGPT", sagt er dann.
"Und für den Pressetext hast du wahrscheinlich fünf Minuten gebraucht und verrechnest mir drei Stunden." Also, und selbst wenn du's nicht machst, also selbst wenn du wirklich drei Stunden oder vier Stunden oder wie auch immer davor gesessen bist, wie beweist du das? Oder wie kannst du's argumentieren?
Du kannst sagen, es ist handgemacht. Aber ob der Kunde dann bereit ist, deswegen mehr zu bezahlen, das muss er in der Qualität dann auch so entsprechend merken.
Eliot Mannoia: Ja, ich glaub, der Leistungsfokus ist eine gute Idee, und das würd ich auf jeden Fall auch empfehlen.
Ansonsten ist es eigentlich eh wie jetzt im Gewerblichen. Es gibt manche, die dir vielleicht um vierzig Euro ein Logo entwerfen, oder Leute, die dir auch um etliche tausend eine ganze CI entwerfen. Also ich glaub, Portfolio und Referenzen und was man sich aufbaut, das wird schon noch weiter passieren.
Auch wenn die KI es machen könnte, glaub ich, die vielleicht nicht eine KI, sondern vielleicht mehrere verschiedene KI-Systeme nutzen und orchestrieren irgendwie für dich das beste Ergebnis, das wird vielleicht auch eine Zwischenphase sein, bevor es die Superintelligenz gibt, ja. Wer weiß. Es ist superspannend.
Also es gibt ja auch dieses Universal Basic Income. Das ist auch natürlich ein spannendes Thema, relevant für dieses Thema. Also das universale Grundeinkommen, glaub ich, in Deutsch. Wer weiß, geht dann wieder Richtung Kommunismus ein bisschen, und ich glaub, für Innovation.
Manuela Machner: Ich weiß nicht, ob das so der...
Aber es wird diskutiert. Gerade in Amerika spannenderweise, ja, kommt dieser Vorschlag ganz oft.
Also ich hör das bei ganz vielen öffentlichen Diskussionen, so nach dem Motto: Wenn dann die KI alle Arbeit erledigt, dann müssen wir eine andere Lösung für die Bezahlung der Menschen haben, ja. Ich glaub aber, dass das eher die langfristige Geschichte ist.
Ich glaub, dass es kurzfristig oder mittelfristig das Thema sein wird, dass, so wie man ja sagt, KI ersetzt keine Menschen von der Arbeit her, sondern nur Menschen, die nicht damit umgehen können. Ich glaub, dass es auch bei diesen Preisgestaltungen wichtig ist, dass den Menschen bewusst ist, wie gut ihre Qualität ist, ihre Handarbeit, und dass sie die Tools nutzen, um sie noch zu verbessern.
Und ich glaub, dass es ein bisschen zu einer Werteverschiebung kommen wird, ja. Also das, wofür ich selber in Unternehmen noch gezahlt hab vor zwei Jahren, einem Jahr, als ob das jetzt Besprechung von einem Anruf beantwortet, also gerade diese ganzen Sprechergeschichten waren oder andere Dinge, würd ich heute nix mehr zahlen oder nur mehr einen Lizenzbeitrag, der überschaubar ist.
Eliot Mannoia: Sehr
Manuela Machner: gut. Weil ich einfach heute schon weiß, dass das schneller, einfacher und direkter geht und mehr nach dem, was ich will, und ich muss mit niemandem mehr diskutieren oder so.
Eliot Mannoia: Ja, interessant. Also wer weiß, wie sich das alles entfalten wird.
Manuela Machner: Ja, und wie viel Arbeit dann in Zukunft wirklich wert sein wird und wie viel man sich selbst dann auch den Wert noch zuschreiben kann. Ja. Also ich glaub, jetzt schließen sich viele Kreise unserer Diskussionen, dass wir auch der Meinung sind, ihr müsst euch mit den Tools, mit den Möglichkeiten auseinandersetzen.
Also gerade im beruflichen Umfeld, ich glaube auch viele, die so am Limit sind mit der arbeitstechnischen Geschichte und glauben, na ja, da gibt's zwar was und das kann mir vielleicht helfen oder ich weiß nicht wie, aber ich hab eh keine Zeit damit. Wenn's mir selber geht, wobei ich bin ständig damit beschäftigt, so dass ich noch immer die Automatisierungen auf der langen Bank hab, weil einmal eine Automatisierung einzurichten, zum Verständnis, das wäre so, dass meine E-Mails sich automatisch mehr oder weniger beantworten.
Das hab ich auch noch immer nicht gemacht, weil einfach der Aufwand größer ist.
Und trotzdem wird's ja über kurz oder lang nicht drumherum gehen, wenn wir das noch bewältigen mit der Arbeit.
Eliot Mannoia: Ja, und ich glaub, was ich so mitbekomme in der Gesellschaft, alle haben fast zu viel zu tun. Die Leute haben nicht Zeit, ihre ganzen Mails zu lesen, zu antworten.
Und ich würde mir hoffen, also bevor dieses universale Grundeinkommen wie auch immer mal irgendwann kommt, dass wir mehr und mehr zu einer Serviceindustrie werden. Also sprich, dass wir mehr Konzerte, mehr Kultur, mehr Kunst haben. Das gab's ja früher auch nicht so oft. Früher haben die Leute auch nicht so oft auswärts gegessen.
Das war ein Luxus, wenn man vielleicht einmal im Monat oder einmal im Jahr in die Stadt essen gegangen ist. Ja. Und heutzutage, also ich jetzt nicht, ich bin ein Jungunternehmer, aber ich kenn die Leute, die essen fast jeden Abend auswärts oder lassen sich was liefern, oder geben in Starbucks fünf Euro für einen Kaffee aus.
Also ich glaube, dass es auch neue Branchen oder alte Branchen vermehrt geben wird, dass wir da für solche Sachen Geld ausgeben. Und wenn wir in der Arbeit mehr Zeit haben, dass wir vielleicht mehr auf die Kunden eingehen, mehr strategische Sachen machen, oder in Pflegeheimen, dass da vielleicht die Roboter die harte Arbeit machen und wir Menschen machen dann den persönlichen Kontakt mit Patienten oder so.
Also das wär meine optimistische...
Manuela Machner: Ja, würd ich sagen, das ist ein bisschen sehr, also ich hoff, dass du recht hast, sag ich jetzt einmal. Also dass es nicht umgekehrt ist, dass wir in Zukunft die Hardcore-Arbeit machen und die Roboter machen unsere Verwaltung, Schreibtischarbeit und, ja.
Eliot Mannoia: Sehr spannend.
Ja, wir sind wieder an der Zeit. Was haben wir heute alles wieder besprochen mit euch? Also der Stellenwert der Jobs, was ist die Arbeit wert? Da haben wir Verschiedenes besprochen, von wie schnell es geht, mit Uber zum Beispiel eine ganze Taxibranche zu disruptieren, zu einer vom Stundensatz eher zu einer leistungsorientierten Verkaufsstrategie, dass man sich auch als Mensch mitverkauft und dass man vielleicht das Zwischenmenschliche wieder fördert.
Also man kann auf jeder Plattform alles bestellen, aber in einem persönlichen Gespräch kann man vielleicht den Menschen mehr einbringen. Vielleicht geht's auch mehr in Richtung UBI, also Universal Basic Income oder universelles Grundeinkommen. Wer weiß. Oder einfach, dass mehr Service und Service und Service, dass wir mehr Konzerte, mehr Kultur, mehr haben und dass wir als Menschheit diese ganze Effizienz, die wir auch durch Technologie schaffen, auch wirklich sinnvoll und harmonisch nutzen.
Manuela Machner: Ja, und von der Wertigkeit gehen wir nächste Woche in ein anderes Thema. Und zwar, wir stellen uns die Frage: Hat eigentlich ChatGPT die Welt verändert? Wir sind schon ganz gespannt auf eure Meinung dazu und wir sehen uns. Alles Liebe. Liebe Grüße.
Eliot Mannoia: Tschau.