Eliot Mannoia nutzt ChatGPT täglich für sein schriftliches Deutsch und lässt zwei KI-Modelle gegeneinander sparren. Manuela Machner analysiert Versicherungsverträge per PDF-Upload und setzt Übersetzungen im Tourismus-Alltag ein. Die beiden zeigen konkrete Tools und erklären, warum sechzig Prozent der Arbeitskräfte KI schon nutzen, ob erlaubt oder nicht.
Eliot Mannoia, dessen Muttersprache Englisch ist, nutzt ChatGPT täglich, um sein schriftliches Deutsch zu überprüfen. Außerdem lässt er zwei KI-Modelle gegeneinander sparren: Er generiert eine Idee mit ChatGPT, gibt sie dann in Google Bard ein und fragt: "Was hältst du von dieser Idee?" Das gibt ihm das Gefühl, ein großes Team um sich zu haben.
Eliot Mannoia
Manuela Machner lädt Lizenzverträge oder Versicherungsverträge als PDF hoch und lässt sie von ChatGPT zusammenfassen. Sie kann dann Nachfragen stellen, zum Beispiel: "Was ist wirklich gedeckt?" Bei einem Bildgenerierungstool fand sie so heraus, dass die Bilder laut Lizenz gar nicht verwendet werden dürfen, was in den Kleingedruckten versteckt war.
Manuela Machner
Harpa.ai ist eine Chrome Extension, die direkt im Browser mit ChatGPT zusammenarbeitet. Man kann damit Webseiten, Artikel oder Fachpublikationen automatisch zusammenfassen lassen, auch in einer anderen Sprache. Der Vorteil: Die Zusammenfassung landet im ChatGPT-Verlauf und ist später wieder auffindbar. Funktioniert auch in der kostenlosen Version.
Manuela Machner
Eliot Mannoia hat mit Make und Zapier experimentiert. Das Prinzip: Daten von einem Punkt nehmen, umwandeln und in ein anderes Tool geben. Ein Beispiel: RSS-Feed einer Homepage in ChatGPT umschreiben lassen und automatisch als Social-Media-Post veröffentlichen. Der Haken: Bei Automatisierungen muss man eigene API-Tokens kaufen, die verbrauchen spürbar Geld.
Eliot Mannoia
Venturos AI ist eigentlich ein Businessplan-Tool mit SWOT-Analysen. Manuela Machner nutzt es für Produktentwicklungen im Tourismus: Eine Idee eingeben, zum Beispiel ein Radfahrangebot, und das Tool zeigt, mit wem man kooperieren könnte, wer die Stakeholder sind und was die Schwächen der Idee sein könnten. Die Basis-Version ist gratis und bereits sehr leistungsfähig.
Manuela Machner
**Eliot Mannoia:** Hallo und willkommen zu einer neuen Folge von Mind/Machine. Ich bin Eliot und mich fasziniert die Psychologie, die emotionale Intelligenz und wie Menschen sich mit Technologie auseinandersetzen.
**Manuela Machner:** Hallo, ich bin Manuela und mich fasziniert die technische Seite, die Künstliche Intelligenz, was man damit machen kann und wie sie uns im Alltag helfen kann. Es freut uns, dass ihr heute wieder dabei seid. Wir haben gesagt, heute reden wir über KI im Alltag: wie wir sie bereits einsetzen, wo sie uns hilft und mit welchen Tools wir arbeiten. Also wenn wir gleich anfangen, Eliot: Was ist dein KI-Lieblingstool?
**Eliot Mannoia:** Mein KI-Lieblingstool. War nicht abgesprochen übrigens. Als kleines Unternehmen ist ChatGPT einfach ein tolles Werkzeug in allen Hinsichten. Meine Muttersprache ist Englisch, wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt. Ich nutze ChatGPT sehr viel, auch DeepL, aber da bekomme ich oft die gleichen Ergebnisse für Übersetzungen. Ich verwende es vor allem, um mein schriftliches Deutsch zu überprüfen, weil Sprechen für mich viel besser geht als Schreiben. Das ist eine tägliche Begleitung. Und dann auch für Ideenaustausch und Kreativität ist es sehr hilfreich. Ich spiele die ChatGPTs auch gegeneinander aus: Ich nutze ChatGPT, um mir eine Idee zu generieren, gehe dann zu Google Bard und sage: "Was hältst du von dieser Idee?" Und dann lasse ich die zwei Modelle miteinander sparren. Das hilft mir, ich fühle mich, als ob ich ein großes Team um mich hätte.
**Manuela Machner:** Ich denke auch, dass ChatGPT ein absoluter Game Changer ist, vor allem für den Alltagsgebrauch. So wie du sagst, in einer Sprache: Wir hatten Besuch von einer ungarischen Familie, und der Vater konnte kein Deutsch oder Englisch. Und das funktioniert, dass du reinsprichst und sagst: "Bitte übersetze das ins Ungarische." Wenn er dann reinspricht, übersetzt es mir ins Deutsche. Es ist noch etwas umständlich, aber es funktioniert. Das wird auch im Betriebsumfeld völlig unterschätzt. Ich komme ursprünglich aus dem Tourismus, da hast du oft internationale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ob das Rumäninnen sind, Ungarn oder aus anderen Ländern, und es ist oft wirklich schwierig, etwas auszudeutschen. Da könnte man das ganz einfach einsetzen. ChatGPT ist nur so bekannt als: "Ich tippe etwas rein und kriege allgemeine Antworten." Aber man kann es im Alltag wirklich viel einsetzen.
**Eliot Mannoia:** Absolut. Ich nutze es zum Beispiel auch für Umfragen in unserem Unternehmen. Wir formulieren und designen die Fragen selbst, aber bei der Antwortstruktur hilft es uns: "Bitte erstelle mir eine Drei-Punkt-Antwortstruktur" oder eine Fünf-Punkte-Skala. Das beschleunigt die Arbeit. Man muss natürlich immer drüberschauen, dass alles passt und keine Halluzinationen vorkommen. Angeblich nutzen sechzig Prozent der Arbeitskräfte ChatGPT schon, mit oder ohne Erlaubnis des Unternehmens. Falls ihr ein Unternehmen habt, solltet ihr euch überlegen, wie ihr offiziell damit umgeht. Weil inoffiziell passiert es sowieso.
**Manuela Machner:** Ich denke, das wird auch völlig unterschätzt, weil es so viele Features inzwischen hat. Ich bin gespannt, wie Google Gemini herauskommt. Aber in Wirklichkeit kann man sagen: ChatGPT ist schon wirklich ein Game Changer. Was ich besonders faszinierend finde: Wenn du Verträge oder PDFs hast. Ich mache das inzwischen so: Lizenzverträge von Tools oder einen neuen Versicherungsvertrag, der hundert Seiten hat, lade ich hoch und sage: "Fasse mir das zusammen, auf Deutsch, und zeig mir die Kernpunkte." Und das Tolle ist, ich kann dann auch Nachfragen stellen. Ich hatte das mal bei einem Bildgenerierungstool, wo in der Lizenzbestimmung stand, dass man die Bilder gar nicht verwenden darf. Nicht nur nicht kommerziell, sondern gar nicht. Das ist in den Lizenzbestimmungen drinnen gestanden, die du einfach abhakst und sagst: "Okay, ist egal." Oder auch beim Versicherungsvertrag: Was ist wirklich gedeckt, was nicht? Wo du dann mit einem Makler noch diskutieren kannst.
**Eliot Mannoia:** Super, ja, wirklich sinnvoll. Man kann ja auch Spreadsheets analysieren lassen, also Google Analytics, Web Traffic und solche Sachen. Hast du schon experimentiert mit Automatisierungstools? Also so wie Zapier oder Make?
**Manuela Machner:** Zapier kenne ich. Das ist ja einer der Top-Connector-Tools in der Branche. Persönlich noch nicht integriert, aber ich glaube, da ist das wahre Potenzial für Unternehmen. Generatives AI ist als Einzelperson sehr nützlich, aber für Unternehmen sind Automatisierungstools, Process Mining und Robotic Process Automation super spannend. Da wird sich viel tun.
**Eliot Mannoia:** Ich habe ein bisschen damit experimentiert, mit Make und Zapier. Du merkst hier den Unterschied: Es ist noch nicht so user-friendly. Es ist nicht schwierig, aber du musst dich wirklich auseinandersetzen und du brauchst den Use Case dahinter. Was wirklich gut funktioniert: Du nimmst Daten von einem Punkt, wandelst sie um und gibst sie in ein anderes Tool. Das Experiment war zum Beispiel: Du hast einen RSS-Feed, holst aus einer Homepage oder einem News Channel die aktuellen Neuigkeiten, lässt das in ChatGPT umschreiben und hättest ein automatisiertes Posting für deine Social-Media-Kanäle oder einen Blogbeitrag. Wir haben auch mit Kalendereinträgen experimentiert, dass die dann automatisiert dokumentiert werden.
**Manuela Machner:** Ich habe lange nicht verstanden, warum die Leute sagen, das wird alles so teuer. Ich habe mir gedacht: ChatGPT hat so und so viele Anfragen frei, also so viele Tokens. Aber bei den Automatisierungen musst du dir eigens Tokens kaufen, und die verbrauchen schon einiges an Geld. Das macht man dann wirklich mit Cash hinterlegen. Aber so wie du sagst: Alles, was man automatisieren kann, automatisieren, zum Beispiel E-Mail-Beantwortungen. Das ist dann wirklich spannend im Daily Business. Ich habe letzte Woche von einem österreichischen Start-up gehört: deepopinion.ai. Die konzentrieren sich darauf, von Dokumenten die unstrukturierten Daten zu verarbeiten. Also sie scannen eine Rechnung und nehmen die Daten, ohne dass es irgendwo hinwandert. Das ist auf Enterprise Level: Wenn eine Versicherung einen Versicherungsfall bekommt, kommen wahnsinnig viele Rechnungen. Das erfasst alles und leitet es automatisch an die richtigen Personen weiter. Ein sehr cooler Use Case.
**Eliot Mannoia:** Ich habe ein Tool, das mir besonders gut gefällt, und ich nutze es ganz anders als es eigentlich gedacht ist: Venturos AI. Das ist ein Tool, mit dem du einen Businessplan erstellen kannst. Es macht SWOT-Analysen, sagt dir, was gut ist, wo die Konkurrenz liegen könnte, was die Schwächen deiner Idee sein könnten.
**Manuela Machner:** Und ich verwende es bei speziellen Produktentwicklungen. Aus meiner Branche im Tourismus: Du hast irgendeine Idee und sagst, du machst ein Angebot rund um Radfahren. Du musst überlegen, mit wem du kooperierst, wer deine Stakeholder sind, wie du es verkaufst, wer partizipieren könnte. Wenn ihr irgendeine Produktidee habt, probiert es aus. Auch eine Geschäftsidee für euch selbst. Venturos AI ist in der Basis sehr leistungsfähig und gratis. Das zahlt sich wirklich aus, es auszuprobieren.
**Eliot Mannoia:** Ich bin schon ein bisschen bei der Zeit. Nächstes Mal reden wir über KI-Assistentinnen und unsere eigenen KI-Assistenten, die wir dann alle haben werden. Was wir uns von ihnen erwarten und wie wir es schaffen, eine KI-Assistentin so hinzubekommen, dass sie auch das liefert, was wir brauchen, und nicht nur halluziniert und uns mehr Zeit kostet, als es bringt.
**Manuela Machner:** Es würde uns freuen, wenn ihr euch das anschaut. Dann sehen wir uns nächstes Mal. Wir freuen uns. Alles Liebe. Macht's gut. Ciao.
**Eliot Mannoia:** Ciao.