Einsamkeit ist ein wachsendes gesellschaftliches Problem. Manuela Machner und Eliot Mannoia diskutieren, ob KI dabei helfen kann und welche Risiken entstehen, wenn KI als sozialer Ersatz genutzt wird.
KI-Assistenten und Chatbots können kurzfristig Gesellschaft simulieren. Aber echte Einsamkeit entsteht durch fehlende menschliche Verbindung, und die kann KI nicht ersetzen. Langfristig riskiert KI-Nutzung, Einsamkeit zu verstärken.
KI-Assistenten urteilen nicht, sind immer verfügbar und reagieren geduldig. Für Menschen, die soziale Interaktion als belastend empfinden, ist das attraktiv. Aber es ist ein Ersatz, kein Heilmittel.
Technologie sollte menschliche Verbindungen ermöglichen, nicht ersetzen. Plattformen, die echte Begegnungen fördern, und KI-Tools, die soziale Fähigkeiten trainieren, sind sinnvoller als Ersatz-Beziehungen.
Eliot Mannoia: Hi, willkommen zur nächsten Folge von Mind/Machine. Mein Name ist Eliot Mannoia. Ich konzentriere mich auf die emotionale Intelligenz und die künstliche Intelligenz, also das Zusammenspiel von Mensch und Maschine.
Manuela Machner: Hallo, und ich bin Manuela Machner. Ich beschäftige mich mit künstlicher Intelligenz, vorrangig in touristischen Betrieben, also wie Sie in Ihrem Arbeitsalltag künstliche Intelligenz effizient einsetzen können.
Und das Ziel dieses Podcasts ist, dass wir euch Einblicke zu unterschiedlichsten KI-Themen geben möchten. Ich glaub, dadurch, dass wir beide sehr neugierige Menschen sind und uns mit allen möglichen Bereichen der KI beschäftigen, können wir euch einen kleinen Schnuppereindruck zu den unterschiedlichsten Themen geben.
Eliot Mannoia: Ja, und heute reden wir auch über ein ganz wichtiges Thema, das, glaub ich, noch und noch wichtiger werden wird, und das ist die künstliche Intelligenz und Einsamkeit. Was sind so deine ersten Gedanken dazu, Manuela?
Manuela Machner: Na ja, beides. Also ich glaub, dass KI schon helfen kann oder dazu führen kann, dass Menschen vereinsamen.
Aber es ist eigentlich nicht nur die KI, sondern das war die Entwicklung der letzten Jahre doch schon mit den Technologien. Also klassischerweise, wenn alle aufs Handy schauen und statt am Esstisch miteinander zu reden mit dem Handy interagieren, dann haben wir eh schon den Beginn gehabt, dass das helfen, also helfen kann ist der falsche Ausdruck, dass das zur Einsamkeit führen kann.
Und auf der anderen Seite bin ich aber überzeugt, dass Menschen, die wirklich einsam sind oder die alleinstehend sind und niemanden mehr haben zum Reden, für die kann das eine Hilfe sein, dass sie einen Ansprechpartner haben. Also ich glaub, dass es beide Seiten der Medaille gibt.
Eliot Mannoia: Ja, also da würd ich dir komplett recht geben, also zustimmen.
Ich glaub, als wir früher in unseren Stämmen gewohnt haben und nicht in der Großstadt, gab's, glaub ich, ohne die Technologie mehr Zusammengehörigkeit, also Zugehörigkeit, weil es war ein kleiner Stamm, man musste zusammenhalten und man musste zusammen sein und man hat eine klare Zugehörigkeit gehabt, und ich glaub, wenn man da alleine war, hat man auch nicht so leicht überlebt.
Aber gleichzeitig, wenn man irgendwie anders war, vielleicht eine andere sexuelle Orientierung oder vielleicht eine Neurodiversität, also einfach divers war, also vielleicht warst du nicht so wie alle anderen, dann war's schon auch einsam in einem Stamm, kann ich mir vorstellen.
Und heutzutage mit der Technologie kann man jegliche Subkulturen im Internet finden. Also wenn du auf etwas stehst, wo vielleicht nur drei Prozent der Menschheit drauf steht, egal welche Richtung das ist, findest du online, Kopfkino, ja, Kopfkino.
Dann gibt's durch die Technologie, durch das Internet sicherlich genug Foren, wo du dich nicht alleine fühlst.
Manuela Machner: Ist auch ein spannender Ansatz. Also den Bereich hab ich mir überhaupt noch nie überlegt zu dem Thema Einsamkeit, dass du ja selbst manchmal in irgendwelche Situationen kommst, also dass du nicht gesellschaftskonform bist mit Meinungen oder Ideen oder Vorlieben oder auch Problemen und dadurch deine Community finden kannst und somit nicht mehr alleine dastehst im wahrsten Sinn des Wortes.
Das find ich einen ganz anderen spannenden Ansatz. Ich glaub, ja, also einerseits find ich es spannend, auf der anderen Seite ein bisschen auch beängstigend. Also du kennst ja die App Replika, die hat ja Downloadzahlen ohne Ende. Also für alle, die das nicht kennen, das ist eine App, da kannst du dir deine Freundin oder deinen Freund zusammenschustern, so wie du ihn möchtest.
Wobei hier eigentlich nicht unbedingt gemeint ist, dass du dir einen Partner erfindest. Ich mein, geht ja auch, so wie diese japanischen Puppen, von denen man im Fernsehen immer sieht. Na, aber dass du dir einfach deinen Austauschpartner herrichten kannst. Das heißt, ich kann der App sagen, wie stell ich mir jetzt vor, dass jemand, mit dem ich interagiere, sein sollte?
Also was für Eigenschaften soll er haben, welche Interessen soll er haben und so weiter, und schaffe mir somit meinen virtuellen Freund oder meine virtuelle Freundin. Und ich weiß nicht, wozu.
Eliot Mannoia: Zehn Millionen Downloads, zehn plus Millionen Downloads, die App.
Manuela Machner: Aber was glaubst du, wozu führt das? Also wozu führt das, wenn ich mir aussuchen kann, wie mein Gesprächspartner oder meine beste Freundin ticken sollte?
Eliot Mannoia: Ja. Also auf der einen Seite finde ich es sehr positiv. Wir wissen ja, dass die Einsamkeit gefährlicher ist als Rauchen. Also für Pensionistenheime, für Pflegeheime und so finde ich, ist es wirklich spannend, was es da machen kann. Aber natürlich für Personen, die jetzt nicht unbedingt Pflege brauchen, junge Personen insbesondere, auch jetzt mit der Pandemie, was da alles passiert ist, also wo die Social Skills vielleicht ein bisschen fehlen, ist es schon bedenklich, was da vielleicht passieren könnte, dass dieser Individualismus mehr gefördert wird.
Weil ich habe einen Kühlschrank, ich habe eine Mikrowelle, ich kann Essen bestellen, ich habe meine KI-Companions. Warum brauche ich eigentlich Menschen? Ich kann zu Hause leider alles machen.
Manuela Machner: Ja, und dass du auch Bedenken hast, werden die zukünftigen Generationen dann konfliktfähig sein, kritikfähig sein?
Kommunikation mit Menschen oder auch das Auseinandersetzen mit Menschen bedeutet ja nicht nur immer, dass alle Sachen lieb und nett und gut sind, sondern es ist auch, dass man unterschiedliche Meinungen hat, dass man sich auch zusammenraufen muss, dass man Kompromisse schließen muss.
Und das ist ja etwas, was die KI-Systeme überhaupt nicht tun. Sie reden uns nach dem Mund, auf Deutsch gesagt. Also ich hab noch kein KI-System gefunden, das mir sagt: "Du bist doof."
Eliot Mannoia: Das ist
Manuela Machner: Blödsinn. Ja, aber in der realen Welt, wenn du sehr viel mit solchen Systemen arbeitest, wird, glaube ich, das ein Thema werden.
Aber grad bei den älteren Leuten finde ich es super. Übrigens, ich weiß nicht, ob du das kennst. Es gibt ja inzwischen so Modelle, die kann man... Ich hab mir aufgeschrieben, wie die heißen, weil ich hab nur eines gekannt, das ist Kid von irgendwelchen Videos und immer das Auto von Knight Rider, ja.
Also der heißt Kid und den stellt man sich so am Tisch hin und der ist eigentlich so ein weißes Plastikding und das hat dann aber so dieses Kindchenschema, kriegt er mit großen, coolen Augen, und der spricht dann mit dir, wie ChatGPT im Prinzip. Und du kannst ihn fragen und der macht dann Tipps und Tricks und gibt dir Feedback, und den kannst du zu Hause hinstellen, und sie verkaufen solche Systeme, Elli oder so gibt's auch noch, wirklich für, was sie sagen, für ältere Leute, dass die nicht alleine zu Hause sind und kommunizieren können.
Eliot Mannoia: Ja. Aber wenn du den Film Her, also kennst du den Film Her?
Manuela Machner: Das hast du mir schon mal gesagt. Ich war fast beim Downloaden schon, aber ich hab's mir noch immer nicht angeschaut.
Eliot Mannoia: Also den kann ich echt empfehlen. Super Schauspieler, der Joaquin Phoenix. Ich weiß nicht, ob ich den Namen richtig ausspreche. Joaquin Phoenix, er hat Napoleon grad gespielt.
Toller Schauspieler. Der Soundtrack ist auch super, von Arcade Fire, und es spielt in der Zukunft und er verliebt sich in sein Betriebssystem. Und den kann ich wirklich empfehlen, weil da sieht man so, wie das Leben sein könnte, wenn die KI wirklich so gut ist, und die wird so gut werden. Stell dir vor, sie lacht über alle deine Witze.
Sie kann deinen Friseurtermin buchen, sie kann dein Wecker sein, sie kann einen Urlaub buchen, sie kann dir die Kochrezepte geben, oder er oder sie, ist egal, was man sich aussucht. In dem Fall war es eine sie. Ich glaub, Scarlett Johansson hat die Stimme gespielt. Und da denkt man sich: Wow, da kann der beste Freund der Welt nicht mithalten, weil der KI-Assistent ist vierundzwanzig Stunden, sieben Tage die Woche verfügbar und kennt dich besser, als du dich kennst.
Das wissen wir ja auch von Social Media, dass die Algorithmen nach ein paar Likes oder ein paar Interaktionen dich besser kennen als du dich selbst. Und da ist dann schon die Frage, was das mit uns gesellschaftlich macht, wenn für jeden die KI der beste Freund oder beste Partner sein wird.
Und wenn wir dann nur mit Befehlen umgehen, was macht das dann mit der Sprache? Wenn wir gewohnt sind, stell Wecker auf acht Uhr, dreh die Musik an, und dann plötzlich kommt ein Mensch rein und dann rede ich auch mit dir so. Wow.
Manuela Machner: Deswegen sage ich zu ChatGPT immer bitte und danke.
Eliot Mannoia: Ich auch. Ich auch.
Manuela Machner: Nein, ich mein, abgesehen davon, dass es ja Studien gibt, dass die Ergebnisse besser sein sollen, es ist wirklich ein Thema, dass man sich das vielleicht nicht abgewöhnt, wenn man so viel mit solchen Systemen kommuniziert, wie wir es ja schon machen, dass man nicht automatisch dann mit dem nächsten Mail, das man schreibt, oder mit dem nächsten, wo man vielleicht redet, das annimmt.
Und ich finde das ganz schwierig, dass es jetzt so schnell verurteilt wird, ja. Also weil der ist ja irre, der hat sich online eine Freundin generiert oder was auch immer. In Wirklichkeit, da gibt's ja vor Ort ein Problem. Entweder hat der Mensch niemanden, mit dem er sprechen kann, und gerade so, wie du gesagt hast, in Altenheimen, es ist eh nett, wenn man vom Best Case redet, aber wer kriegt denn dort Besuch?
Wer kriegt denn wirklich noch die Möglichkeit der Interaktion?
Also wir sollten schon am Teppich bleiben und sagen: „Ja, wir haben das Problem, dass gerade mit unserer älteren Generation keiner mehr spricht." Und dann ist es gescheiter, sie spricht mit einem Chatbot oder mit so einem Kastl, als dass sie gedanklich in ihre Welt abdriften.
Eliot Mannoia: Ja, aber da hatte ich auch vor Kurzem das ein bisschen recherchiert und da hatte ich den Gedanken, es geht hier eher um Roboter, aber das geht eins zu eins, die Roboter werden auch sehr gut werden. Also die werden sehr gut werden. Und wenn die Roboter und die KI in Altersheimen zum Beispiel alle Menschen ersetzen, glaube ich, dass es eine Regulierung geben wird von der Regierung, dass jeder Mensch in einem Pflegeheim, weiß nicht, zwei Stunden Menschenzeit bekommt oder bekommen muss.
Weil ich glaube, wenn wir nur Maschineninteraktion haben, dann werden alle auf Profit orientiert sein und alle werden nur Maschinen installieren. Und da kann ich mir schon vorstellen, dass es dann eine Regulierung gibt, die sich vielleicht jetzt komplett absurd anhört, aber die vorgibt, nein, jeder Patient oder jeder Mitbewohner dieses Pflegeheimes muss mindestens ein, zwei Stunden am Tag Menschenzeit haben.
Also dass diese Institutionen wirklich auch Menschen installieren müssen. Die werden dann vielleicht nicht mehr die Pflegearbeit machen, aber wirklich nur von Zimmer zu Zimmer gehen, um menschliche Gespräche zu führen.
Manuela Machner: Das wäre eh optimal, weil gerade diese Arbeit, die schwere Arbeit, wenn man das ersetzen könnte.
Momentan sehen wir ja eher die Kommunikationstools als die Arbeits- und Robotik-Tools, muss man auch sagen, ja. Und das ist das Traurige, wenn wir die Bettpfannen ausleeren müssen, aber der Roboter darf dort sitzen und reden. Also...
Also weiß ich nicht, ob das die Entwicklung ist, die wir wissen wollen.
Und dann sagt uns dann der Roboter: "Und übrigens, die Windel von der Frau in Zimmer dreiundzwanzig ist voll."
Eliot Mannoia: Genau, ja, sehr wichtig. Also es sollte besser umgekehrt sein. Absolut. Wäre schön, wenn's so wäre. Und dann haben wir ja auch besprochen, was ist Einsamkeit? Das fand ich auch sehr, sehr spannend, dass die Einsamkeit, das sehen wir oft im Kopf als eine Person, die alleine ist.
Aber es gibt ja auch, also von der Psychologie, was ist Einsamkeit? Das ist sehr subjektiv. Also man kann in einer Ehe, in einer Familienumgebung einsam sein. Man kann alleine sein und sich so voll und erfüllt fühlen. Also es ist sehr subjektiv, und man muss bei Einsamkeit nicht immer gleich denken, dass es jetzt um eine Person geht, die alleine ist.
Die kann alleine gelassen sein. Es kann sich um Abuse handeln, also wie sagt man das in Deutsch? Missbrauch? Missbrauch. Es kann Neglect sein, also vernachlässigt zu sein. Oder es kann einfach sein, dass man nicht das Leben lebt, das man zur Selbstverwirklichung leben sollte. Also Einsamkeit kann verschiedene Facetten annehmen, und da kann man sich auch an Maslows Hierarchie orientieren, also die Pyramide von Maslow, die Grundbedürfnisse, wo ist man, ja. In welcher Lebensphase man auch ist, beeinflusst dann auch immer die Einsamkeit.
Manuela Machner: Ja, beeinflusst wird, werden die nächsten Jahre, glaube ich, schauen wir mal, und die Jahrzehnte spannend werden zu dem Thema Einsamkeit und künstliche Intelligenz. Und wahrscheinlich, wenn wir in drei Jahren da sitzen, haben wir schon ganz andere Sichtweisen darauf. Ich glaube, heute haben wir ganz gut einmal einen Überblick gemacht, dass es nicht nur die eine oder die andere Seite gibt.
Also es führt nicht nur zur Einsamkeit, kann aber dazu führen, zur Isolation. Und auf der anderen Seite kann es aber auch helfen, Menschen, die bereits isoliert sind, Ansprache zu geben oder ein Feedback zu geben auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen. Also ich glaube, dass das wirklich ein wichtiges Thema sein wird, das uns in allen Phasen begleiten wird.
Eliot Mannoia: Absolut. Und nächstes Mal unterhalten wir uns über künstliche Intelligenz und Firmenrichtlinien, also so Richtlinien und Guidelines im Unternehmerkontext. Wir freuen uns auf euch.
Manuela Machner: Super, alles Liebe. Danke. Tschüss. Baba.
Eliot Mannoia: Tschau.