Eliot Mannoia hat Kassetten mit dem Bleistift repariert und war 15 Jahre DJ. Manuela Machner generiert heute mit Suno AI Lieder für Kunden. Beide über das, was KI mit Kreativität macht, was die Fotokamera-Analogie bedeutet, und warum die Cortana-Stimme für 3000 Dollar ein Warnsignal war.
Stems sind die einzelnen Spuren eines Liedes: die Gesangsspur, der Bass, das Drumset. Mit KI-Tools kann man heute ein Lied hochladen und die einzelnen Stems automatisch extrahieren. Dann kann man Remixes machen: Die Bassline von Billie Jean mit dem Schlagzeug eines anderen Liedes. Das war früher nur in professionellen Studios möglich, jetzt für jeden zugänglich.
Eliot Mannoia
Man gibt einen Textprompt ein, zum Beispiel "fröhliches Kinderlied für Muttertag" oder "Heavy Metal zu Nikolaus", und erhält einen vollständigen Song mit Singstimme. Nicht nur ein Instrument, sondern komplette Musik in der gewünschten Richtung, ob Oper, Schlager, Country oder Metal. Manuela Machner nutzt das bei jedem Kundenvortrag, um zu zeigen, was möglich ist.
Manuela Machner
Nein, sagt Eliot Mannoia. Es ist wie die Erfindung der Fotokamera: Als die erfunden wurde, haben sich Leute gedacht, werden die Leute aufhören zu malen. Es werden noch immer Gemälde gemalt, genauso wie die Fotografie ihren eigenen Platz hat. Für kreative Personen ermöglicht KI, ihre Kunst formatübergreifend darzustellen: Das Gedicht als Musikvideo, der visuelle Künstler mit KI-Musik dazu.
Eliot Mannoia
Eine Sprecherin hat ihre Stimme für Microsoft Cortana zur Verfügung gestellt, dreitausend Dollar dafür bekommen, unwissend durch eine Agentur, und jetzt ist ihre Stimme für immer Microsoft Cortana. Das zeigt das ungelöste Problem: Urheberrecht und faire Vergütung für Künstlerinnen und Künstler im KI-Zeitalter ist ein wichtiges Thema, das noch nicht gelöst ist.
Manuela Machner
Beim Texten tun sich die Tools noch schwer. Das Reimen funktioniert oft nicht wirklich: ChatGPT erklärt manchmal, dass Wörter Reimwörter sind, wo man sich denkt, das geht nicht. Aber die emotionale Stimmung, die Atmosphäre eines Liedes, das schafft KI schon sehr gut. Und der Rhythmus, die Beats, die Stimmen funktionieren beeindruckend.
Manuela Machner
**Eliot Mannoia:** Willkommen zur nächsten Folge Mind / Machine. Mein Name ist Eliot Mannoia, ich konzentriere mich auf emotionale Intelligenz und künstliche Intelligenz und das Zusammenspiel.
**Manuela Machner:** Hallo, ich bin Manuela Machner. Ich betreue Tourismusbetriebe bei ihrem Einstieg in die künstliche Intelligenz.
**Eliot Mannoia:** Heute reden wir über KI und die Kunst. Wie beeinflusst KI die Kreativität und Musik? Das Thema ist so groß, dass wir etliche Folgen darüber machen könnten. Was ist dein Zugang dazu, Manuela?
**Manuela Machner:** Ich bin eher Kunstgenießer und Musikgenießer. Ich höre sehr gerne unterschiedlichsten Musikrichtungen zu und finde ganz spannend, was sich da in letzter Zeit entwickelt hat. Plötzlich konnte ich selbst zur Musikerin werden, mithilfe von KI-Tools. Aber du hast einen ganz anderen Zugang zur Musik.
**Eliot Mannoia:** Ich war fünfzehn Jahre DJ. Am Anfang konnte ich noch nicht mein Geld damit verdienen, da musste ich fünf Jahre Gastronomie machen. Dann war ich auf Hochzeiten, Firmenfeiern und in Clubs. Damals war Musik rar. Man musste nach der Platte suchen, mit der Kassette vom Radio aufnehmen. Wenn die Kassette kaputt war, hat man sie mit dem Bleistift repariert.
Heute geht man in ein Geschäft, hört ein Lied, das man mag, und hat es Sekunden später. Und mit KI kann man jetzt die einzelnen Stems, also die einzelnen Spuren eines Liedes, die Gesangsspur, den Bass, das Drumset, extrahieren. Man lädt das Lied hoch und bekommt die einzelnen Spuren. Dann kann man Remixes machen: Die Bassline von Billie Jean mit einem Schlagzeug von einem anderen Lied. Die Kreativität, die das ermöglicht, ist Wahnsinn.
**Manuela Machner:** Also ehrlich gesagt, ich hätte nicht gedacht, dass du noch Kassetten aufgenommen hast. Ich hab gedacht, du bist mit Spotify aufgewachsen.
**Eliot Mannoia:** Nee, war nicht. Und ich kenne auch jemanden, der Lieder, die eigentlich nicht zusammenpassen könnten, übereinanderlegt und die verschiedenen Stems kombiniert. Es ist erstaunlich, was da schon alles funktioniert.
**Manuela Machner:** Ich mache das ganz klassisch, was man mit KI momentan macht. Für alle, die das noch nie ausprobiert haben: Das ist wirklich vorfahren. Meistens, wenn ich was Gescheites arbeiten soll, lande ich irgendwie auf Suno AI oder Udio. Ihr müsst euch vorstellen: Da gebt ihr ein Detail ein und erhaltet Musik. Und ich rede nicht davon, dass ihr nur ein Klavier bekommt. Ihr kriegt wirklich Singstimmen, in der Musikrichtung, ob Oper oder Schlager oder Country oder was auch immer. Und das klingt so echt, dass es eigentlich unheimlich ist.
**Eliot Mannoia:** Ja, und so würden wir alle zu Künstlern werden können. Da frage ich mich natürlich, wo geht die Entwicklung hin? Jede helle Seite hat ja auch eine Schattenseite.
**Manuela Machner:** Ja, eine Dame hat auf LinkedIn gepostet, dass sie ihre Stimme für Microsoft Cortana zur Verfügung gestellt hat, dreitausend Dollar dafür bekommen hat, unwissend durch eine Agentur, und jetzt ist ihre Stimme für immer Microsoft Cortana. Urheberrecht und Künstlerinnen und Künstler, das ist natürlich ein ganz wichtiges Thema. Aber heute bleiben wir auf der kreativen Seite.
Ich hatte immer gedacht, dass Kreativität wirklich unsere Domäne ist, weil wir mit Metaphern und Analogien arbeiten. Wenn wir im Park liegen und die Sonne scheint und wir ein Lichtspiel sehen, das uns an etwas erinnert, und das gibt uns die Inspiration für ein Gedicht. Dass eine Maschine das nicht machen könnte. Aber mit Suno oder Udio, es ist schon ein Wahnsinn, welche Metaphern manchmal vorkommen.
**Eliot Mannoia:** Da haben wir zwei Kreativbereiche: den Text und die Musik.
**Manuela Machner:** Beim Texten tun sich die Tools noch schwer. Auch ChatGPT, wenn du sagst, einen Liedtext, das hat sich um einiges gebessert. Aber das Reimen, da erklärt er mir oft, dass das Reimwörter sind, wo ich mir denke: Das geht nicht. Aber die Stimmung, dass die Sonne scheint und das Herz hochfliegt, das schaffen sie super.
Und was dann noch viel spannender ist: der Rhythmus, die Beats, die Stimmen. Ich hab für Muttertag was aufgenommen für ein Posting, wo eine Kinderstimme singt "Mama ist die Beste". Das hat super performt und online gut funktioniert. Und zu Nikolaus hab ich ein Heavy-Metal-Lied generieren lassen. Du kannst als normaler Mensch, wenn du nicht musikalisch so drauf bist, Dinge experimentieren, die sonst gar nicht möglich wären.
**Eliot Mannoia:** Manche denken, ist es das Ende von Kreativität? Ich glaube nicht. Es ist so wie die Fotokamera: Als die erfunden wurde, haben sich Leute gedacht, werden die Leute aufhören zu malen. Und es ist einfach ein anderer Bereich mit seiner eigenen Berechtigung. Es werden noch immer Gemälde gemalt, genauso wie die Fotografie ihren eigenen Platz hat.
Für kreative Personen ermöglicht KI, ihre Kunst ganz anders darzustellen. Stell dir vor, dein Gedicht wird mit einem Musikvideo kombiniert. Oder du bist Visual Artist und kannst einfach Musik dazugeben. Es bringt die Kreativität zu einem ganz neuen Level, weil du formatübergreifend deine Nischen-Kunst durch andere Formate ausdrücken kannst.
**Manuela Machner:** Ich glaube sicher, dass das in diese Richtung geht. Von der Musikkassette, die du mit dem Bleistift repariert hast, bis zum heutigen Punkt, wo du einen Text eingibst und Lieder generierst. Ob das die Bearbeitung ist, ob man Spuren automatisiert extrahieren kann, ob man Textausschnitte wegschneiden kann und es klingt, als hätte man die Wörter nie gesprochen. Bis hin, dass man mit Suno AI, Udio oder anderen Tools plötzlich zum Musiker werden kann.
Ob das für Social Media ist, für die eigene Playlist oder für den Geburtstag vom Großvater: Wir haben ganz viele Möglichkeiten, Musik mit KI einzusetzen. Und ich rate jedem: Probiert die Dinge einfach aus. Es macht wirklich Spaß, auch wenn ihr vielleicht nicht die musikalisch talentiertesten seid. Plötzlich funktioniert's.
**Eliot Mannoia:** Ich war auch musikalisch in der Kreation nicht begabt, aber durch das Spielen von Musik war das mein Zugang. Und genau wie du, ich höre wirklich sehr viele Genres, bin leidenschaftlicher Genießer der Musik.
Nächstes Mal besprechen wir KI und Therapie. Das reimt sich nicht nur, es ist auch schon wirklich eine Tatsache für viele. Wir freuen uns, euch wieder begrüßen zu dürfen.
**Manuela Machner:** Bis bald. Alles Liebe. Tschüss.
**Eliot Mannoia:** Ciao.