Manuelas Tochter studiert Pharmazie und lernt mit ChatGPT, nicht um zu schummeln, sondern um wirklich zu verstehen. Ein Lehrer in Deutschland lässt KI Aufsätze korrigieren. In China messen Sensoren am Kopf die Aufmerksamkeit. Manuela und Eliot über das, was Bildung wirklich braucht, und was sie loslassen muss.
KI kann für jeden Schüler genau dort ansetzen, wo der aktuelle Wissensstand liegt. In einer Klasse mit dreißig Schülern war das bisher unmöglich: Für Hochbegabte war der Unterricht langweilig, für Schwächere zu schnell. Manuelas Tochter studiert Pharmazie und nutzt ChatGPT als Lernbegleiter: Dinge nachfragen, sich erklären lassen, was in der Vorlesung unklar war. Wenn sie etwas falsch sagt, wird sie korrigiert. Genau das ist personalisiertes Lernen.
Manuela Machner
Der Google-Bias-Effekt beschreibt, dass wir Informationen aus dem Internet unkritisch übernehmen, weil wir ihnen vertrauen. Als Google startete, wurden wir gewarnt: Glaubt nicht alles, was im Internet steht. Heute warnen wir dasselbe über ChatGPT. Die Analogie ist dieselbe. Kritisches Denken war schon immer notwendig, KI macht es nur dringlicher.
Eliot Mannoia
Eine Schularbeit in der Maturaklasse musste wiederholt werden, weil ein Schüler mit ChatGPT geschummelt hat. Aber früher hat man auf anderem Weg abgeschrieben. Die Methode ändert sich, das Grundproblem bleibt. Ein Lehrer in Deutschland nutzt ChatGPT zum Korrigieren von Aufsätzen und kann damit jedem Schüler ein Rundum-Feedback geben, das früher zeitlich nicht möglich war.
Manuela Machner
Eliot und Manuela sind sich einig: Critical Thinking, Emotional Intelligence, Empathie, Selbstkenntnis und sprachliche Kommunikation. Wer telefoniert noch freiwillig von der jüngeren Generation? Konflikte auszustehen, Dinge auszureden, das muss wieder gelernt werden. Grundwissen bleibt wichtig, damit sich Geschichte nicht wiederholt. Aber das Selektieren in der Datenflut und das kritische Prüfen von Informationen werden zur Kernkompetenz.
Eliot Mannoia
TikTok hat ein falsches Image. Ja, es gibt Lipsync und Tanz. Aber wer den KI-Leuten aus den USA auf TikTok folgt, ist vorne dabei mit den News. Die sind als Erste online und berichten ihre Erfahrungen. Die Tutorials sind kurz und man checkt schnell, worum es geht. TikTok hat auch den Algorithmus für Discovery geöffnet, sodass österreichische Jugendliche internationale Inhalte sehen und Sprachen sich vermischen.
Eliot Mannoia
**Manuela Machner:** Herzlich willkommen bei Mind and Machine. Ich bin Manuela Machner, KI-Coach für Beherbergungs- und Tourismusbetriebe, und begleite diese auf dem Weg, künstliche Intelligenz in ihrem Betrieb zu implementieren.
**Eliot Mannoia:** Hallo von meiner Seite. Mein Name ist Eliot Mannoia. Ich bin digitaler Psychologe und konzentriere mich auf die menschliche Emotional-Intelligence-Seite, also wie die Technologie und die KI uns als Menschen beeinflusst und wie man sie am besten einsetzen kann. In diesem Podcast wollen wir euch in kurzen, knackigen fünfzehn Minuten Inspiration und Gedankenanstöße geben.
**Manuela Machner:** Heute ein Diskussionsthema, das ich auch im Umfeld immer wieder habe: KI und Bildung. Wie reagiert unser Bildungssystem darauf, was ist notwendig? Was passiert, wenn Kinder alle mit ChatGPT schummeln? Fangen wir wieder an, alles unter Überwachung mit der Hand zu schreiben? Wie viel Bildung ist noch notwendig?
**Eliot Mannoia:** Ich arbeite mit Brand Karma viel mit Schulen zusammen und möchte da mehr machen im Bereich emotionale Intelligenz und Technologie, um Jugendliche aufzurüsten, was diese Effekte auf ihr Leben sind.
Ich finde, schon vor der KI-Revolution müsste das Schulsystem stark überarbeitet werden. Dieses Auswendiglernen seit Google. Es gibt den Google-Bias-Effekt. Wir müssten andere Skills in den Vordergrund holen.
**Manuela Machner:** Das Problem mit Systemen ist, dass öffentliche Institutionen viel schwerfälliger sind als Unternehmen. Entscheidungsprozesse sind nicht im Haus. Und grundsätzlich sind wir Menschen oft träge, neue Dinge anzunehmen.
**Eliot Mannoia:** Ja, man ist manchmal in seiner Bubble. Aber es wird die Welt verändern, und die Jugend muss darauf vorbereitet werden. Wir haben das Thema Handyschauen schon gehabt. In der Früh redet im Autobus keiner mehr miteinander. Und jetzt kommen Informationen dazu, die einerseits helfen, aber andererseits manipuliert sein können.
Ich hab gesehen, letztes Jahr in China haben sie in einigen Schulen getestet, dass Kinder Geräte am Kopf anhaben, die die Aufmerksamkeit messen. Der Lehrer hat ein Dashboard, wo er sehen kann, welches Kind aufpasst. Das braucht man nicht. Das passt in unser Wertesystem eher weniger.
**Manuela Machner:** Was ich schade finde, ist, dass die Diskussion über Bildung und KI so schwarz-weiß ist. Die Kinder lernen nichts mehr, die schreiben nur ab, die Aufsätze werden von ChatGPT geschrieben.
Meine Tochter studiert Pharmazie und lernt mit ChatGPT. Nicht, um die Chemieprüfung abzuschreiben, sondern um wirklich zu reflektieren, Dinge nachzufragen, sich Dinge erklären zu lassen, die sie in der Vorlesung nicht verstanden hat. Wenn sie etwas falsch sagt, wird sie rausgebessert. Dadurch entsteht eine Interaktion.
Stell dir vor: Eine Klasse mit dreißig Schülern, alle mit unterschiedlichen Wissensständen. Was ein Lehrer bisher im Niveau aller Schüler erklären sollte, war für Hochbegabte langweilig und für Schwächere zu schnell. KI könnte da wirklich viel helfen.
**Eliot Mannoia:** Ich bin überzeugt: In fünfzig Jahren werden wir zurückdenken und sagen: Wow, es gab einen Lehrer, der wirklich für alle da sein musste. Wie geht das? Jeder wird seinen eigenen personalisierten Begleiter haben. Wenn du nur einen Fehler in Algebra hast, setzt der dort an. Wenn du das Grundverständnis falsch hast, beginnt er von vorne. Personalisiertes Lernen wird super hilfreich sein.
**Manuela Machner:** Aber die Frage ist auch: Was lernen wir? Wie lange ist es noch notwendig, Jahreszahlen von Kriegen auswendig zu lernen? Es ist eine Gratwanderung zwischen Allgemeinbildung und dem, was wirklich wichtig ist. Ich glaube, das Thema muss stärker Richtung Kompetenzen gehen: Wie finde ich Informationen? Wie selektiere ich in der Datenflut? Kritisches Denken. Ist die Information richtig oder nicht?
Ich kann mich erinnern, wie Google angefangen hat. Damals wurden wir gewarnt: Glaubt nicht alles, was in Google steht, weil jeder kann eine Website machen und Blödsinn hineinschreiben. Und jetzt warnen wir wieder: Glaubt nicht alles, was ChatGPT sagt.
**Eliot Mannoia:** Super Analogie. Und in Wirklichkeit habe ich meinen Kindern immer gesagt: Glaubt nicht alles, was irgendwer zu euch sagt. Vom Analogen zu Google zu ChatGPT.
Das Grundwissen ist schon noch wichtig. Wir dürfen die Kriege nicht vergessen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt. Und dann kommen die Kompetenzen: Critical Thinking und Emotional Intelligence. Mehr Empathie, mehr Selbstkenntnis, besser mit Menschen umgehen.
**Manuela Machner:** Ein Lehrer hat mir gesagt: Eigentlich war das immer die Aufgabe der Familie. Und das fällt oft den Familien weg, diese Wertevermittlung. Aber was wir auch lernen werden müssen, wieder in der Schule: Kommunikation. Sprachliche Kommunikation. Wer telefoniert noch von der jüngeren Generation freiwillig? Schreiben ist viel einfacher. Konflikte auszustehen, Dinge auszureden.
Ich hab gehört: Wenn wir einen handgeschriebenen Brief von hundert Jahren sehen würden, würden wir denken, das ist ein Meisterwerk. Die Sprache, die Schrift, wie ausführlich. Und heute schreiben wir "R U okay" in kurzen Buchstaben.
**Eliot Mannoia:** Die Sprache verändert sich durch KI stark. Durch Social Media, besonders TikTok, werden Sprachen vermischt. TikTok hat den Algorithmus geöffnet für Discovery von anderen Ländern. Österreichische Jugendliche sehen amerikanisch-englische Inhalte und benutzen Wörter wie "cringe" oder "doom". Das schafft zwischen den Generationen mehr Unterschied.
TikTok hat ein völlig falsches Image. Dieses Lipsync- und Tanz-Image. Aber wenn du den KI-Leuten auf TikTok aus den USA folgst, bist du vorne dabei mit den News. Die sind als Erste online und berichten ihre Erfahrungen. Die Tutorials sind kurz und du checkst schnell, worum es geht.
**Manuela Machner:** Ja, und diese fünfundvierzig-Minuten-Einheiten in der Schule, wo ein Thema repetiert wird. Du brauchst einerseits Zeit, dich mit etwas auseinanderzusetzen. Aber diese Technologien reduzieren unsere Aufmerksamkeitsspanne extrem. Ich möchte jetzt kein Lehrer sein, weil die Schüler mich am liebsten nach zwei Minuten wegswipen würden.
**Eliot Mannoia:** Ich folge einem Lehrer aus Deutschland, der sehr aktiv ist und verschiedene Methoden zeigt, wie er KI verwendet, auch zum Korrigieren von Aufsätzen. Er hat gesagt: Früher konnte er nicht jeden Aufsatz anschauen, das ging zeitlich nicht. Jetzt lässt er ChatGPT Aufsätze durchlesen, korrigieren, Verbesserungsvorschläge machen, und kann für jeden Aufsatz ein Rundum-Feedback geben, wenn der Aufsatz selbst geschrieben ist.
**Manuela Machner:** Auf der anderen Seite hat mir ein Bekannter erzählt, dass eine Schularbeit in der Maturaklasse wiederholt werden musste, weil ein Schüler seine Arbeit mit ChatGPT geschrieben hat. Wobei: Früher hat es auch jemand abgeschrieben. Es hat halt andere Schummelarten gegeben.
**Eliot Mannoia:** Ich unterrichte am Samstag auf der Uni Krems und muss etliche Aufsätze korrigieren. Ich denke mir auch: Was wurde hier vielleicht benutzt?
Zusammengefasst: KI wird die Bildung sehr stark beeinflussen. Es gibt viele Möglichkeiten, sie proaktiv einzusetzen. KI kann Sparringspartner und Lernpartner sein, individuelles Lernen ermöglichen, und eine Hilfestellung für Lehrer sein, damit sie der Vielfalt in der Klasse gerecht werden können.
**Manuela Machner:** Wir wünschen allen Lehrern da draußen alles Gute.
**Eliot Mannoia:** Nächstes Mal reden wir über Biases, also Voreingenommenheiten, die KI mit sich bringt. Freuen uns schon auf euch. Alles Liebe.
**Manuela Machner:** Ciao.
**Eliot Mannoia:** Tschüss.