#13 KI und Ängste: Dampflok-Angst, Flash Crashes und die Arme-Falten-Übung

Manuela Machner kennt einen Kollegen, der KI bewusst ignoriert, weil er Angst hat, noch mehr Arbeit zu bekommen. Eliot Mannoia erklärt, warum das Gehirn auf Veränderung genauso reagiert wie auf das Falten der Arme in die falsche Richtung, und warum nicht KI Menschen ersetzt, sondern Menschen die KI nutzen.

FAQ: KI und Ängste

Warum haben manche Menschen Angst, KI zu nutzen, weil sie mehr Arbeit befürchten?

Manuela Machner kennt einen Kollegen, der KI bewusst ignoriert: Er beschäftigt sich als Einziger nicht mit KI im Team, weil er Angst hat, noch mehr Arbeit zugeschanzt zu bekommen. Das ist eine reale Angst: Nicht nur, dass KI Arbeit wegnimmt, sondern auch, dass KI selbst Arbeit darstellt. Das Gegenteil ist aber oft wahr: KI kann Routineaufgaben abnehmen und Zeit freimachen.

Manuela Machner

Was sagt die BCG/Harvard-Studie über KI und Performance?

Eine Studie von Boston Consulting Group und Harvard zeigt: Viele probieren keine neuen Sachen aus, weil sie so viel zu tun haben. Gleichzeitig sieht die Studie KI als Enabler, mehr Zeit zu schaffen. Im Marketingbereich hat KI laut Studie schon 40 Prozent mehr Performance gebracht. KI kann also wirklich mehr Freizeit schaffen, wenn man sie richtig einsetzt.

Eliot Mannoia

Was bedeutet 'Nicht KI ersetzt Menschen, sondern Menschen die KI nutzen'?

Das ist der wichtigste Satz dieser Folge: Im beruflichen Alltag wird KI in Zukunft einfach kommen. Wer sich noch gar nicht damit beschäftigt hat, sollte einfach ausprobieren: Einen Account bei ChatGPT anlegen, ein bisschen chatten, die Scheu ablegen. Die Berührungsangst ist bei den Jüngeren grundsätzlich geringer, aber auch Ältere können das lernen.

Eliot Mannoia

Was ist die Arme-Falten-Übung und was zeigt sie über Change Management?

Eine einfache Übung: Falte die Arme, so wie du es immer machst. Jetzt falte sie umgekehrt. Es fühlt sich nicht gut an. Das ist nur eine ganz kleine Änderung, aber sie zeigt, wie wir als Menschen schon mit den kleinsten Änderungen kämpfen. Change Management wird mit der Beschleunigung von KI noch wichtiger werden, weil die Geschwindigkeit der Veränderung für viele Menschen überwältigend ist.

Eliot Mannoia

Was sind Flash Crashes bei KI-Tools?

Genauso wie ChatGPT von null auf eine Million User in fünf Tagen erreicht hat, könnte plötzlich alle innerhalb von fünf Tagen zu einem neuen Tool switchen, wenn etwas wirklich viel Besseres kommt. In der industriellen Revolution hatten wir Jahrzehnte Zeit, uns anzupassen. Die digitale Revolution passiert in Monaten. Ray Kurzweil nennt das das 'Law of Acceleration': In diesem Jahrzehnt haben wir mehr geschaffen als im ganzen zwanzigsten Jahrhundert.

Eliot Mannoia

Transkript

**Manuela Machner:** Hallo und herzlich willkommen beim Podcast Mind / Machine. Ich bin Manuela Machner, KI-Coach für Tourismus, sozusagen die Machine in unserem Gespräch.

**Eliot Mannoia:** Hi, ich bin Eliot Mannoia, digitaler Psychologe. Ich konzentriere mich auf emotionale Intelligenz und Verhaltenspsychologie, also wie KI und Maschinen sich auf uns auswirken.

**Manuela Machner:** Unser Ziel ist es, euch in diesem kurzen Format Inspiration und Gedankenanstoße zu geben. Heute sprechen wir über das Thema Künstliche Intelligenz und Ängste. Es gibt sehr viele Menschen mit den unterschiedlichsten Ängsten rund um KI.

**Eliot Mannoia:** Was sind so die Dinge, mit denen sich die Menschen konfrontieren? Oft sind es Arbeitsplätze: Wann, wie schnell, und welche Skills werden in der Zukunft noch gebraucht? Man spürt da schon Unmut über die rasante Entwicklung dieser Produkte.

**Manuela Machner:** Ich habe ähnliche Erfahrungen. Das letzte Mal hat mir jemand gesagt, er beschäftigt sich als Einziger nicht mit KI im Team, weil das interessiert ihn nicht. Er meinte: Dann kriegt er noch mehr Arbeit zugeschanzt, und er hat eh genug. Ich wusste, wo KI ihm helfen könnte, und hab gesagt: "Die KI kann dir helfen." Antwort: "Das interessiert mich nicht, weil dann muss ich noch mehr machen." Also nicht nur die Angst, dass KI Arbeit wegnimmt, sondern auch die Angst, dass KI selbst Arbeit darstellt.

**Eliot Mannoia:** Ich habe eine Umfrage bei Studenten gemacht. Das Spannende: Die Jüngeren haben oft viel mehr Bedenken und Ängste als die ältere Generation, die pragmatischer ist.

Eine Studie von Boston Consulting Group und Harvard aus September letzten Jahres zeigt: Viele probieren keine neuen Sachen aus, weil sie so viel zu tun haben, Meetings und Meetings. Gleichzeitig sieht die Studie KI als Enabler, mehr Zeit zu schaffen. Im Marketingbereich hat KI laut Studie schon 40 Prozent mehr Performance gebracht.

**Manuela Machner:** Glaubst du wirklich, dass es so viel mehr Freizeit sein wird? Die Leute sagen immer, sie haben Angst, ihren Job zu verlieren. Aber vor hundert Jahren waren sechs Milliarden Menschen weniger auf der Welt, wir hatten viel mehr Technologie, und trotzdem arbeiten die Leute heute noch immer. Es wird sich einfach verändern.

Früher hat man einen ganzen Tag mit der Wäsche verbracht. Jetzt läuft die Waschmaschine und wir arbeiten nebenbei trotzdem. Wir füllen die Extrazeit gleich wieder mit Produktivität, und das ist nicht immer fördernd. Deswegen gibt es auch Burnout.

**Eliot Mannoia:** Das zieht sich durch unsere Branche: Nicht KI wird Menschen ersetzen, sondern Menschen werden ersetzt durch Menschen, die KI richtig anwenden können. Also wenn da draußen jemand zuhört, der sich noch gar nicht damit beschäftigt hat: Einfach ausprobieren. Einen Account bei ChatGPT anlegen oder einen Browser mit KI nutzen und ein bisschen chatten. Die Scheu ablegen.

**Manuela Machner:** Vom Safer Internet gibt es eine Studie, dass 70 Prozent der 11- bis 17-Jährigen ChatGPT bereits ausprobiert haben. Die Berührungsangst ist bei den Jüngeren grundsätzlich geringer.

**Eliot Mannoia:** Wir hatten immer Angst vor neuen Dingen. Wir hatten Angst vor dem Feuer. Wir hatten Angst vor der Dampflok, weil die Leute dachten, das überlebt ein Mensch nicht. Das ist normal, auch aus psychologischer Perspektive. Am besten einfach ausprobieren.

Was mich nicht Angst macht, aber schon beeindruckt, ist die Geschwindigkeit. Einen Überblick zu behalten ist für jeden sehr schwierig. Früher hast du ein Programm gekauft und zehn Jahre damit gearbeitet. Jetzt nimmst du ein Tool für einen Monat und nächsten Monat wechselst du. Im Unternehmensumfeld geht das kaum: Bis du die Leute geschult hast, kommt schon wieder eine Neuentwicklung.

Ich habe mir überlegt, dass wir vielleicht Flash Crashes erleben könnten. Genauso wie ChatGPT von null auf eine Million User in fünf Tagen erreicht hat, könnte plötzlich alle innerhalb von fünf Tagen switchen, wenn etwas wirklich viel Besseres kommt.

**Manuela Machner:** In der industriellen Revolution hatten wir Jahrzehnte Zeit, unseren Bauernhof aufzugeben, zur Stadt zu ziehen, am Förderband zu arbeiten. Das passierte über Jahrzehnte. Ich bin alt genug, um zu wissen, wie das Internet gekommen ist. Ich habe Entwicklungsgenerationen erlebt: Videokassetten, dann CD, dann USB, jetzt Streaming. Einen Videorekorder gibt es sowieso schon nicht mehr, ich habe kein CD-Laufwerk mehr. Das alles in den letzten zwanzig Jahren.

Früher konnte man Videos ausborgen. Meinen Kindern habe ich jede Woche als Belohnung einen Disney-Film ausgeborgt. Heute kommt man gar nicht auf die Idee. Du lädst herunter oder hast einen Streaming-Kanal.

**Eliot Mannoia:** Ray Kurzweil, ein Zukunftsforscher, hat das "Law of Acceleration" beschrieben: In diesem Jahrzehnt haben wir mehr geschaffen als im ganzen zwanzigsten Jahrhundert. Das verunsichert die Leute, weil sie nicht mehr einschätzen können, was gerade passiert.

Als Teenager haben wir über KI-Filme gelacht. Terminator, Matrix. Und wenn du dir heute Videos anschaust, wie Roboter trainiert werden, wobei ich mir manchmal nicht sicher bin, wie viel davon echt ist. Nicht allem trauen, was ihr seht.

**Manuela Machner:** Warum müssen Roboter eigentlich humanoid gebaut werden? Warum müssen die so aussehen wie Menschen? Wenn die Rollen hätten statt Beine, und die Sensoren ganz anders verankert wären?

**Eliot Mannoia:** Da gebe ich dir hundert Prozent recht. Es gibt eine Firma in England, die arbeiten sogar an Gesten und Mimiken. Das ist dieses Anthropomorphizing. Ich verstehe auch nicht, warum wir das brauchen. Im Pflegeheim ist es okay, wenn der Roboter aussieht wie ein Roboter.

Es gibt auch sehr viele Auswirkungen auf Change Management. Diese Disziplin wird sehr wichtig bleiben. Und da gibt es eine kleine Übung: Falte die Arme. So, wie du es immer machst. Jetzt falte sie umgekehrt. Es fühlt sich nicht gut an. Das ist nur eine ganz kleine Änderung, aber es zeigt, wie wir als Menschen schon mit den kleinsten Änderungen kämpfen.

**Manuela Machner:** Wir werden nächstes Mal über menschenzentrierte Ansätze reden: Wie wir am besten menschenzentriert Sachen entwerfen, Prozesse, Produkte. Und der Mensch sollte trotzdem immer noch im Mittelpunkt stehen. Bis bald.

**Eliot Mannoia:** Ciao.