#120 Jungbleiben mit KI: Warum Alter keine Rolle spielt

Fühlt ihr euch durch KI jung oder abgehängt? Manuela Machner erzählt, wie sie sich über fünfzig durch KI-Beschäftigung jung fühlt, während ein Mitte-Zwanzigjähriger am Postamt den Automaten nicht kennt. Eliot Mannoia erklärt, warum 44 Prozent der Gen Z KI absichtlich sabotieren und warum Technologie schneller geht als unsere Psychologie.

Wie du dich in der KI-Welt aktuell hältst

6 Schritte, damit dich das Tempo nicht abhängt. Nicht das Alter entscheidet, sondern die Haltung.

  1. Fang klein an: Nimm dir eine Sache pro Woche vor und probiere sie im echten Alltag aus, nicht in der Theorie.
  2. Rede mit der KI: Stell echte Fragen, hak nach, lass dir Dinge erklären. Erst im Dialog zeigt KI, was sie kann.
  3. Bau dir eine lernende Bubble: Umgib dich mit Menschen, die auch dranbleiben, unabhängig vom Alter.
  4. Trenne Hype von Nutzen: Frag bei jedem Trend: Löst das ein Problem, das ich wirklich habe?
  5. Erlaube dir bewusst zu entschleunigen: Nimm dir Pausen von der Reizüberflutung und such dir analoge Anker.
  6. Bleib neugierig statt ängstlich: Wer Neues als spannend statt bedrohlich sieht, hält sich jung und geht mit offenen Augen durch die Welt.

Transkript

**Manuela Machner:** Herzlich willkommen zur neuen Folge von Mind/Machine. Ich bin Manuela Machner, spezialisiert auf KMU und Tourismus, und heute reden wir davon, dass auch Junge sich aufgrund der digitalen Geschwindigkeiten alt fühlen.

**Eliot Mannoia:** Hallo auch meinerseits, Eliot Mannoia, digitaler Psychologe. Ein faszinierendes Thema. Was löst das bei dir aus? Du beschäftigst dich jeden Tag damit.

**Manuela Machner:** Ich hab immer das Gefühl, ich hinke hinten nach. Aber ich fühl mich dadurch jung.

**Eliot Mannoia:** Das stimmt, das merkt man.

**Manuela Machner:** Bei mir ist es, glaub ich, dadurch, dass ich mich mit KI so stark beschäftige und das Gefühl hab, das ist eine dynamische Geschichte, fühle ich mich jung. Es ist aber ganz spannend, dass auch in meinem Kollegium Leute, die sich damit beschäftigen, nicht alle ganz jung sind.

**Eliot Mannoia:** Ja, das Alter spielt da weniger eine Rolle. Ich hab auch mit Sechzehn-, Siebzehnjährigen zu tun gehabt, die sich fast weniger auskannten.

**Manuela Machner:** Das Thema ist: In Workshops sagen mir Leute immer: "Na ja, nicht dass du erwartest, dass ich mich auskenne damit" oder "Ich schau ja nur jung aus, aber in der Seele bin ich alt. Ich bin für diese Sache überhaupt nicht geschaffen." Ich bin von meiner Persönlichkeit eher altmodisch. Ich möchte das alles nicht digital.

**Eliot Mannoia:** Traditionell.

**Manuela Machner:** Altmodisch, ja. Letztes Mal hab ich am Wochenende ein Päckchen am Automaten aufgegeben. Da kam ein junger Mann rein, Mitte zwanzig, stand vor der verschlossenen Tür zum Schalterraum. "Die haben zu?" Ja. Er hatte das Päckchen in der Hand. Ich sag: "Du kannst es hier am Automaten aufgeben." Er schaut mich an und sagt: "Ah, geht das?" Ich hab ihm geholfen. Und dann: "Vielen Dank. Ich schau ja nur jung aus, aber in Wirklichkeit bin ich ein Opa bei den Sachen."

**Eliot Mannoia:** Ja, das kenn ich. Wenn man in Workshops fragt: Wer redet schon mit der KI? Sind immer nur zwei, drei Leute. Die Mehrheit denkt noch an Siri und Alexa. Dabei können wir mit Maschinen reden mit Millisekunden-Latenzzeit, die sehen, hören und sprechen. Das ist Science-Fiction-Film.

**Manuela Machner:** Definitiv. Es kommen viele Dinge dazu. Das eine ist die Überforderung, weil es so schnell geht. Aber auch: Was ist überhaupt möglich? Wenn du einen Acht-Stunden-Job hast, daneben eine Familie, dann ist das sehr abstrakt und spooky. Und das Lustige ist: Sie verwenden am Handy irgendwelche Apps und sagen "Ich verwende eh KI" und nutzen es wie Google.

**Eliot Mannoia:** Es ist ein riesiges Change-Management-Thema. Nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Menge an Veränderungen.

**Manuela Machner:** Und man darf nicht unterschätzen: Junge Menschen, die in ihrer Entwicklungsphase durch COVID gegangen sind, in einer schwierigen Unsicherheitsphase mit vielen Ängsten. Für ein Kind, das plötzlich nicht mehr mit Freunden interagieren durfte, das nicht wusste, ob es die Oma ansteckt, das waren prägende Erfahrungen. Und jetzt haben wir geopolitische Unsicherheit und diese große Unbekannte, die künstliche Intelligenz.

**Eliot Mannoia:** Ja, viel Ungewissheit. Es gibt Studien, dass 44 Prozent der Gen Z absichtlich KI am Arbeitsplatz sabotieren, weil sie nicht wollen, dass KI als erfolgreich gilt. Aus Angst um ihre Arbeitsplätze. Und Arbeitsplatz ist existenziell. Das ist eine andere Ebene.

**Manuela Machner:** Diese Sicherheit, so wie der Opa: Ich hätte gerne dieses sichere Umfeld.

**Eliot Mannoia:** Mein Stiefvater hat mal gesagt, in seiner Jugend war ein neues Auto drei Monatsgehälter. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Und dann kommt noch KI, die existenziell bedroht. COVID, geopolitische Sachen, Social Media, das ist eine Mischung.

**Manuela Machner:** Und es ist legitim, sich als alte Seele zu fühlen. Das Einzig-Wichtige ist: Man muss trotzdem mit offenen Augen durch die Welt gehen. Für junge Menschen ist es besonders relevant, das nicht zu übersehen.

**Eliot Mannoia:** Ich war früher DJ. Damals war Content rar. Du musstest Plattengeschäfte absuchen, die Kassette mit dem Bleistift reparieren, im Radio aufnehmen und hoffen, dass du den Moderator nicht erwischst. Jetzt ist alles im Überfluss. Du hörst ein Lied in einem H&M, shazamst es, und innerhalb von drei Sekunden spielst du es auf Spotify. Das ist unglaublich.

**Manuela Machner:** Aber wie wertvoll der Content ist, ist eine andere Frage. Wir sind überflutet von allem gleichzeitig.

**Eliot Mannoia:** Und ich glaube, deshalb kaufen Leute wieder Schallplatten oder wollen entschleunigen. Vielleicht fühlen sie sich deswegen alt, weil sie alte Sachen bevorzugen.

**Manuela Machner:** Ja, Vinted ist so erfolgreich, weil du alte Klamotten kaufst. Ich glaube, es ist auch dieses Bild: Jung, dynamisch, vorne dabei. Du musst dich mit Technik auskennen. In jeder Schulung sagen die Leute: "Die Jungen wissen eh, wie das geht." Und ich sag's euch: Die wissen's auch nicht. Sie nutzen's mehr, aber nicht unbedingt qualitätsvoller. Manche sind sogar ablehnender oder vorsichtiger.

**Eliot Mannoia:** Unsere Technologie geht schneller als unsere Psychologie.

**Manuela Machner:** Definitiv. Technik geht sowieso schneller als alles, was sich bisher entwickelt hat.

**Eliot Mannoia:** Wie schaut's mit deinen Kindern aus?

**Manuela Machner:** Ganz unterschiedlich. Die Kathi, die den Podcast schneidet, ist die volle Technikerin geworden. Sie beschäftigt sich beruflich mit KI-Systemen, ist Team Copilot und unterwegs. Am Anfang war sie zögerlich, dann hat sie erkannt, wie sie es gut nutzen kann. Meine älteste Tochter ist Architektin, nutzt KI standardmäßig. Und meine jüngste ist Pharmazeutin. Ihr Chef hat sich gerade als Team Claude geoutet. Ich hab ihr gleich gesagt: Schau dir das an, warum der Unterschied ist. Sie sind alle sehr offen, nutzen es unterschiedlich, und ihnen ist bewusst, was das tut.

**Eliot Mannoia:** Bei meinen Nichten auch. Die eine hat mit elf, zwölf schon einen Laptop genutzt und bessere PowerPoints gemacht als manche Erwachsene. Die sind sehr analog unterwegs mit Pferden und anderen Sachen. Gut so.

**Manuela Machner:** Es bleibt spannend, es wird nicht langweilig.

**Eliot Mannoia:** Und lasst uns in den Kommentaren wissen: Fühlt ihr euch jünger, älter? Fühlt ihr euch dynamischer in dieser Zeit? Oder fühlt ihr euch auch wie eine alte Seele?

**Manuela Machner:** Und wenn ihr alt seid, fühlt ihr euch ja doch jünger, so wie ich. Der Jungbrunnen KI. Alles Liebe, macht's gut.

**Eliot Mannoia:** Tschau.