Eine Entscheidung aufzuschieben ist auch eine Entscheidung. Nämlich die Entscheidung für Stillstand. Und während große Unternehmen noch über das Feature diskutieren, hat ein kleines Team es längst gebaut.
Weil Entscheidungsprozesse in Unternehmen oft mehr Zeit und Ressourcen kosten als die eigentliche Umsetzung. KI-Tools ermöglichen schnelle Prototypen, die Diskussionen ersetzen.
Die natürliche Tendenz von Organisationen, Veränderungen abzuwehren. Neue Ideen werden durch Prozesse, Hierarchien und Risikoaversion verlangsamt oder gestoppt.
Weil KI-Tools die Produktivität kleiner Teams auf ein Niveau heben, das früher nur große Organisationen erreichen konnten. Agilität wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Durch klare Entscheidungsverantwortung, Timeboxing und die Bereitschaft, mit einem Minimum Viable Product zu starten statt auf die perfekte Lösung zu warten.
Konkrete Schritte um als Unternehmen oder KMU jetzt mit KI anzufangen, statt noch ein Meeting darüber abzuhalten.
Eliot: Hi, mein Name ist Eliot Mannoia, digitaler Psychologe. Ja, heute fangen wir mit einem Thema an, das ihr sicher kennt vom Unternehmen: Wir nehmen KI sehr, sehr ernst. Wir reden nächstes Jahr wieder darüber.
Manuela Machner: Ja, und nächstes Jahr ist dann alles anders und nix mehr so, wie's ist. Und dann schauen alle und sagen: „Ah, haben wir da leicht was verschlafen?“ Ich glaub, jeder, der mit KI zu tun hat und vor allem auch in größeren Unternehmen kennt solche Situationen. Und ich find halt, es ist ganz spannend: Momentan haben kleine, wendige Unternehmen einen Riesenvorteil.
Eliot: Ja, absolut. Diese Anpassungsfähigkeit. Es gibt auch die berühmte Dunbar-Zahl, ich glaub 50 Personen, bis zu denen man jeden kennen kann. Darüber hinaus wird es schwieriger. Bei kleineren Unternehmen können sie einfach ausprobieren und haben weniger Immunsystem. Salim Ismail sagt immer: Es gibt dieses Immunsystem in jeder Firma, das sich gegen alles Neue wehrt. Das macht es natürlich schwieriger, wenn man versucht, etwas Neues zu implementieren.
Manuela Machner: Und vor allem dieses „Wir müssen uns drum kümmern“. Ich hab das ganz oft auch in so Themen wie KI-Sichtbarkeit von Webseiten. Dann hab ich gesagt: Handlungsbedarf. Und dann: „Ja, voll cool, aber das Thema schauen wir uns im Herbst an.“ Und ich so: Können wir nicht jetzt einen Termin für den Herbst machen? Und: Achtung, dieser Faktor brennt bei euch. Da brennt's wirklich, weil KI einfach die Seite nicht lesen kann.
Eliot: Ja, und es ist schwierig, weil Fünf-Jahres-Strategien irgendwie fluide sein müssen. Es tut sich zu schnell. Google hat angekündigt, dass die Suche komplett umgeworfen wird. Die Linklisten werden verschwinden. Und wenn ich mir anschau, wie ich am Anfang noch geschrieben hab vor zwei Jahren: „Achtung, KI-Suche, wie werdet ihr in ChatGPT gefunden?“ Da hat kein Mensch darüber geredet.
Manuela Machner: Man muss ja sagen, es hat ja schon viele Trends gegeben, die sich nicht durchgesetzt haben. Voice Strategy 2016, QR-Codes vor COVID. Aber wenn man's aus der Acht lässt und es setzt sich durch, geht's jetzt momentan einfach so schnell.
Eliot: Genau. Die Motivation hinter dieser Folge war dieser Satz: „Das Feature bauen ist manchmal billiger als das Meeting über das Feature.“ Das muss man sich wirklich verdauen lassen. Das Feature einfach mit der KI programmieren lassen kann manchmal billiger sein als das Meeting darüber.
Manuela Machner: Wenn's nur ein Meeting wäre. Je nach Unternehmensgröße: Strategiesitzung, Planungssitzung, Experten reinholen, Dokument erstellen, Dokument geht durch alle Hände, wird zerlegt, Inhalte werden diskutiert, Dokument geht zurück mit Rückfragen. Inzwischen stimmen die Basiselemente der KI schon längst nicht mehr.
Eliot: Ich hab ein praktisches Beispiel aus der Softwareentwicklung: Kunden haben mich gebeten, bei der Planung mitzuhelfen. Ein Scoping, was sie wollen, hat schon Monate gebraucht. Fünf, sechs Monate. Dann kommt eine Ausschreibung. Sie planen, dass es 2027 fertig ist. Eineinhalb Jahre. Und die Kosten sind enorm. Salim Ismail sagt: Ein Weg ist, eine eigene Unit zu gründen, die wirklich unabhängig und abgekoppelt ist, sodass sie vom Immunsystem nicht beeinflusst wird.
Manuela Machner: Ich glaub auch, dass das die Zukunft ist. Im Tourismus, ob das Destinationen sind, Hotels oder irgendwelche Einrichtungen: Du hast alle möglichen Abteilungen und als IT hast du normalerweise einen IT-Techniker. Man schiebt dann sehr gerne diese Dinge in die Richtung IT-Technik, die aber meiner Meinung nach oft nur technischer Support sind, aber nicht die Entscheidungsträger. Uns fehlt in unserer Branche ganz stark diese Innovationsabteilung. Wenn du einen Mitarbeiter hast, der sich nur mit diesem Projekt beschäftigt, würde der heute mit Agentic-Systemen solche Dinge in ein paar Monaten um ein Bruchteil des Geldes umsetzen können.
Eliot: Ich frag oft meine Kunden: Wir können in ein, zwei Tagen eine einfache Webseite bauen. Wie lange würde es dauern, bei euch eine Webseite zu bekommen? Ich bekomm nie eine Antwort unter vier bis sechs Monate. Compliance, Marketing, Kommunikation, Geschäftsführung, Budget. Das Risiko war früher die Softwareentwicklung, weil eine Webseite 100.000 Euro kosten konnte. Deswegen haben wir viele Rituale eingeführt: Meetings, Strategie, Pläne. Und jetzt ist es umgekehrt. Das Bauen wird billiger und das Risiko ist, dass diese langen Rituale selbst zum Problem werden.
Manuela Machner: Ich glaube, wir sind schon an einem Punkt angelangt, wo wir alles, was im digitalen Raum stattfindet, bereits mit Hilfe von KI-Systemen lösen können. Und trotzdem diskutieren wir noch darüber, ob man diesen Button links oder rechts macht. Eine Entscheidung aufzuschieben ist aus meiner Sicht auch eine Entscheidung, gegen Entwicklung. Auch wenn ich keine Entscheidung treffe, entscheide ich mich für einen Stillstand. Eine Fehlentscheidung zu treffen kann besser sein als gar keine.
Eliot: Absolut. Und ein wertvolles Tool für Innovation: Könnt ihr dumme Fragen stellen? Wenn es keine dumme Frage ist, dann ist es nur ein Feature. Was ist, wenn man ein Handy falten könnte? Kann man mit einem Klick kaufen? Würdest du bei Fremden in der Wohnung schlafen? Uber und Airbnb, ja. Ihr müsst euch Fragen stellen, die der momentanen Realität nicht entsprechen.
Manuela Machner: Ich würde es eher absurde Fragen nennen. Weil wir in unserer Realität denken. Und wenn man diese Fragen stellt, kommt man auf neue innovative Wege. Und da haben wir dann wieder die Meetings, wo vielleicht diese Fragen gestellt werden, die dann effektiver sind als die Meetings, wo man diskutiert: Machen wir oder machen wir nicht.
Eliot: Spaß beim Experimentieren.
Manuela Machner: Und falls ihr so einen Podcast kennt, der euren Chef weiterbringt: Schickt's ihm. Alles Liebe.