Nicht die Tools entscheiden, wer in der neuen Arbeitswelt vorne bleibt, sondern der Schalter im Kopf. Manuela und Eliot zeigen zwei junge Frauen im Kontrast: die eine blockiert jede Veränderung, die andere baut sich an einem Wochenende ein Dashboard, das 25.000 Euro kosten würde. Was macht den Unterschied?
Aus Angst vor Jobverlust, Kontrollverlust oder dem Gefühl, dass KI die eigene Kompetenz entwertet. Widerstand ist oft eine Schutzreaktion, keine irrationale Ablehnung.
Primär das Mindset. Wer KI als Werkzeug sieht, das die eigene Arbeit erweitert, nutzt sie anders als jemand, der sie als Bedrohung wahrnimmt.
Mit kleinen, konkreten Erfolgen starten. Einen Prozess wählen, der nervt, und KI gezielt dafür einsetzen. Positive Erfahrungen bauen Vertrauen auf.
Eine Kultur, die Experimente erlaubt und Fehler als Lernmöglichkeit sieht, erhöht die KI-Akzeptanz erheblich. Angst vor Fehlern ist der größte Hemmschuh.
Diese Checkliste fasst die wichtigsten Impulse der Folge zusammen und hilft, Skepsis in echte Handlungsfähigkeit zu verwandeln.
Herzlich willkommen zur neuen Folge von Mind/Machine. Ich bin Manuela Machner, spezialisiert auf KI im Tourismus. Und heute reden wir über den Kontrast zwischen Akzeptanz und Ablehnung von KI, wie unterschiedlich Menschen damit umgehen.
Ja, und hallo auch meinerseits, Eliot Mannoia, digitaler Psychologe. Manuela, wie kam es zur Inspiration für diese Folge?
Das kam von mir. Ich mache sehr viel Workshops und habe natürlich immer ein sehr gemischtes Publikum aus allen Alterskategorien. Ich erlebe immer, dass manche eher skeptisch sind und manche sehr neugierig. In letzter Zeit hatte ich zwei sehr krasse Gegensätze, und zwar in der jungen Generation. Ich höre immer von den Älteren: "Die Jungen, die verwenden KI, die tun sich so leicht." Ich erlebe aber sehr oft genau das Gegenteil. Gerade junge Leute nutzen vielleicht KI-Systeme, sind aber im Berufsalltag oft zurückhaltend. Sie schreiben gerne einen Text in ChatGPT, aber sobald es in Richtung Automatisierungen und Agentic Use geht, wird es auch für viele Junge schwieriger.
Ich hatte die Situation, dass eine junge Frau eine sehr monotone Arbeit macht und die Chefetage der Meinung ist, das könnte man automatisieren. Sie hat sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt und gesagt: "Das kann ChatGPT nicht." Dabei geht es gar nicht um ChatGPT. Die Aufgabe ist nicht so komplex, dass eine KI sie nicht übernehmen könnte. Es müsste eine Automatisierung oder Agentik gebaut werden, aber es wäre durchaus möglich. Ich habe in ihrem Gesichtsausdruck dieses "Ich wehre mich" gesehen. Das hat mich beschäftigt, weil ich mir gedacht habe: Genau dieser Weg ist das Schlechteste, was du tun kannst. Es geht nicht darum, wie gut man Tools nutzt, sondern wie man im Kopf damit umgeht: flexibel sein, sich anpassen, sich einlassen. Wenn sich die Arbeitswelt verändert und ich mich immer dagegen wehre, wird irgendwann kein Platz mehr für mich da sein.
Das andere Extrem war auch eine junge Frau, die ich schon öfters in Schulungen hatte. Sie war immer offen und neugierig, hat KI genutzt, aber nicht so, dass ich sagen würde, sie brennt dafür. Letzte Woche hatte ich einen Kurs über Agentic Use, wo ich gezeigt habe, wie man mit Codex und Claude Dinge automatisieren kann, Daten verarbeiten und visualisieren. Sie hatte einen Use Case, für den sie wirklich Tage gearbeitet hatte: Daten aus mehreren Plattformen zusammenführen und für Kunden visualisieren. Am Sonntag bekomme ich eine WhatsApp. Sie hat nächtelang durchgearbeitet und sich ein vollständiges Dashboard gebaut. Automatisierter Datenabruf, für jeden Kunden wiederverwendbar. Sie hat mir gesagt, ein ähnliches externes Tool würde im Unternehmen 25.000 bis 30.000 Euro kosten. Sie hat es in Nachtschichten selbst gebaut und beim Kunden geglänzt. Der Schalter im Kopf ist umgelegt.
Das war für mich der Kontrast: Die eine lehnt ab und wird irgendwann ein Riesenproblem haben. Die andere hat verstanden, dass sie die Technologie für sich nutzen kann und muss.
Ich habe letzte Woche gehört, dass 44 % der Gen Z laut einer US-Studie KI absichtlich sabotieren, also falsche Informationen eingeben, damit es so wirkt, als ob das nicht funktioniert. Da schwingen sehr viele Ängste mit.
Für mich ist die emotionale Intelligenz sehr wichtig, und da gibt es zwölf Eigenschaften. Zwei finde ich hier besonders passend: Empathie ist die bekannteste, aber eine weniger bekannte ist die Anpassungsfähigkeit. Diese ist jetzt sehr wichtig, weil wir nicht wie bei der industriellen Revolution Jahrzehnte haben, um uns anzupassen. Die Dinge ändern sich fast wöchentlich.
Ich verstehe das psychologisch. Das ist ein Riesenwandel. Was würdest du im Workshop empfehlen?
Das sind zwei Antworten: eine für Firmen mit einer längeren Beziehung zur Person, eine für einmalige Workshops. Im Workshop finde ich es gut, Raum zu geben, reden zu lassen, Ängste ansprechen zu lassen. Deshalb sind Live-Workshops absolut empfehlenswert und reine Online-Workshops fast fahrlässig. Wenn man nur bewieselt wird, holt man die Leute nicht ab. Die erste Stufe ist einfach: reden lassen, zuhören, Ängste ansprechen lassen. Dann ausprobieren lassen, von Kollegen hören, Austausch fördern.
Von allen Workshops, die ich mache, fast über tausend Menschen pro Jahr, sind alle Fragen menschlich: Urheberrecht, Skills der Zukunft, unsere Kinder, Bildung, Biases, Innovation, Atrophie. Niemand fragt, wie neuronale Netzwerke funktionieren. Und deshalb: nicht nur top down. Nicht nur "wir haben Testlizenzen, jetzt müssen alle". Sondern von unten einbauen, mitmachen lassen.
Das Wort Effizienz hat eine Konnotation, die Ängste auslöst. Effizienz bedeutet für manche: mit weniger mehr machen. Effektivität ist eine andere Positionierung: Wenn wir statt acht Stunden sechs brauchen und mehr qualitative Arbeit machen können, ist das ein anderes Mindset. Man kann im Workshop fragen: "Was würdest du tun, wenn du drei Stunden am Tag extra hättest?" Dann kann jede Rolle für sich erforschen, was sie mit dieser Zeit machen würde. Das Vakuum wird sofort mit etwas Qualitativem gefüllt und die Angst um den Job sinkt.
Daniel Pink hat in "Drive" über Motivation 3.0 geschrieben. Wir leben noch sehr stark in Motivation 2.0: bezahlt werden oder nicht, bestraft werden oder nicht. Extrinsische Motivation. Motivation 3.0 basiert auf drei intrinsischen Faktoren: Purpose, Mastery und Autonomy. Die jüngeren Generationen sind stärker intrinsisch motiviert.
Genau das habe ich bei der jungen Frau erlebt, die das so erfolgreich umgesetzt hat. Sie hat den Purpose gesehen, sie hat etwas gemeistert, was sie sich früher nie zugetraut hätte, und sie hat es autonom gemacht, ohne ein teures Tool kaufen zu müssen. Alle drei Faktoren sind aufgegangen. Das war der Moment, wo der Schalter umgelegt wurde.
Abgesehen von ChatGPT und Katzenvideos: Was KI im medizinischen Bereich, mit neuen Materialien und für die Umwelt leisten kann, ist so wichtig. Da habe ich eine Riesenhoffnung.
Grundlegend für alle, die jetzt sagen: "Bei meinen Jungen beobachte ich das" oder "Ich weiß nicht, wie ich meine Leute abholen soll": Ängste offen ansprechen, als Unternehmen kommunizieren, was geplant ist, und klar sagen: Wir wollen dich damit nicht loswerden. Und für alle, die verunsichert sind: Schaut, dass ihr diese technologischen Entwicklungen zu euren macht. Schaut, wo sie euch helfen, wo ihr die Besten sein könnt, und nutzt KI als Faktor, um unverzichtbar zu werden.
Und ein Appell: Umgebt euch nicht nur mit Gleichgesinnten, die alle dieselben Ängste haben. Redet bewusst mit den Leuten, die begeistert sind, und hört, warum die keine Angst haben. Die Technologie kommt, so wie E-Mail und Smartphone gekommen sind. Schaut, wie ihr sie für euch adaptieren könnt.
Wir sehen uns bei der nächsten Folge von Mind und Machine. Alles Liebe, macht's gut. Ciao.