Wir fahren die Rolltreppe rauf und gehen dann ins Fitnesscenter, um auf eine Stiege zu steigen. ChatGPT sagt immer: "Das war eine hervorragende Idee." Und die Angst vor KI-Jobverlust? Die hatten wir schon bei der Dampfmaschine. Eliot Mannoia und Manuela Machner über die psychologischen Veränderungen durch KI.
Wir fahren die Rolltreppe rauf und gehen dann ins Fitnesscenter, um auf eine Stiege zu steigen. Wir machen uns das Leben künstlicher und schaffen gleichzeitig künstliche Ausgleiche. Elektroautos brauchen künstliche Geräusche, Städte brauchen künstliche Oasen, volle Kühlschränke führen zu künstlichem Intervallfasten. KI ist das nächste Kapitel dieser Entwicklung.
Eliot Mannoia
Hubber AI macht ihr eine Summary auf Deutsch, egal welche Sprache die Website hat. Sie sieht im Überblick, ob das interessant ist. Sie weigert sich fast, lange Dinge zu lesen. Nur noch Bullet Points. Das ist nicht unbedingt positiv, aber es verändert sich. Die Lesebereitschaft sinkt durch die Gewöhnung an schnelle, komprimierte Informationen.
Manuela Machner
Vor hundert Jahren haben viel weniger Menschen auf der Erde gelebt und die Arbeit war viel aufwendiger. Heute gibt es viel mehr Menschen und trotzdem noch immer Arbeit. Die Angst vor der Dampfmaschine war dieselbe: Jobs gingen verloren, aber es entstanden neue. Früher gab es so wenige Berufe, dass die Nachnamen danach benannt wurden: Schmidt, Bäcker, Schuster. Heute gibt es allein im Social-Media-Bereich zahlreiche Jobs.
Manuela Machner
Unsere Geduld sinkt durch die KI-Geschwindigkeit. Wir erwarten schnelle Antworten überall. Wir werden es gewohnt sein, dass eine KI alles weiß, welche Witze wir mögen, welche Uhrzeiten. Der Film "Her" mit Joaquin Phoenix zeigt das gut. TikTok und die konstanten Dopaminausschüttungen konditionieren uns auf sofortiges Feedback. Das wird auch Freundschaften und Partnerschaften beeinflussen.
Eliot Mannoia
ChatGPT sagt immer: "Das war eine hervorragende Idee. Sie haben das super gemacht." Wenn die KI sagen würde: "So ein Scheißtext", würden wir es viel weniger nutzen. Das ist ein Designprinzip. Die Frage ist: Wie kritikfähig werden wir noch sein, wenn wir so viele Chatbots verwenden, die uns ständig loben? Das ist eine offene Frage für die Zukunft.
Eliot Mannoia
**Eliot Mannoia:** Hallo und willkommen zur nächsten Folge Mind/Machine. Ich bin Eliot Mannoia, digitaler Psychologe, und fasziniere mich für Technologie, KI und wie sie die Menschen beeinflusst.
**Manuela Machner:** Hallo, ich bin Manuela Machner, KI-Coach für Tourismusbetriebe. Ich versuche, die KI in den Alltag und in den Betrieb hineinzubringen, wo sie uns als Werkzeug nutzen kann.
Heute: Inwieweit beeinflusst künstliche Intelligenz uns Menschen und unsere Art zu denken?
**Eliot Mannoia:** Das ist mein absolutes Leidenschaftsthema. Ich recherchiere seit einer Zeit, wie die Maschinen künstlicher werden, aber auch wie wir Menschen künstlicher werden. Ein paar Beispiele: Wir fahren die Rolltreppe rauf und dann gehen wir ins Fitnesscenter, um auf eine Stiege zu steigen. Elektroautos sind so leise, dass wir künstlich ein Geräusch hinzufügen müssen. In der Stadt haben wir kaum noch Natur und müssen künstliche Oasen mit Spas schaffen. Wir haben volle Kühlschränke und müssen künstliches Intervallfasten erfinden.
**Manuela Machner:** Ich beobachte mich selbst. Ich lese keine ganzen Website-Artikel mehr. Ich habe mir ein Tool organisiert, das mir eine Summary auf Deutsch macht, egal welche Sprache die Website hat. Das Tool heißt Hubber AI und ist mit ChatGPT gekoppelt. Ich sehe im Überblick, ob das interessant ist oder nicht. Ich weigere mich fast, lange Dinge zu lesen. Auch Fachbücher werden für mich schwieriger. Ich will nur noch Bullet Points: interessiert mich, interessiert mich nicht. Das ist nicht unbedingt positiv, aber es verändert sich.
**Eliot Mannoia:** Die Möglichkeit an Produktivität ist so gestiegen. Früher hatten wir den Waschtag, wo wir uns einen ganzen Tag mit der Wäsche auseinandergesetzt haben. Noch früher, am Bauernhof, wie viel Zeit wir für Nahrung verbracht haben. Jetzt gehen wir fünf Minuten zum Supermarkt. Die Wäsche wäscht, während ich arbeite. Und wir füllen die gewonnene Zeit gleich wieder mit Produktivität auf. Da gibt es eine Mathematikerin aus Manchester, Katie Stackels, die sich sehr mit diesem Thema beschäftigt: Zeit und was wir mit der Zeit machen.
**Manuela Machner:** Vor hundert Jahren haben viel weniger Menschen auf der Erde gelebt. Die Arbeit war viel aufwendiger. Es hat also im Prinzip mehr Arbeit gegeben und weniger Menschen. Heute gibt es viel mehr Menschen und wir haben Angst, dass uns Technologie Arbeit wegnimmt. Aber es gibt auch viel mehr Arbeit. Vor hundertfünfzig Jahren gab es keine Buchhaltung. Es sind neue Arbeitsfelder dazugekommen. Das hilft vielleicht auch bei der Angst, Jobs durch KI zu verlieren, so wie früher die Angst war, Jobs durch die Dampfmaschine zu verlieren. Die haben Jobs verloren, aber es entstanden neue: Maschinen produzieren, Maschinen warten.
Früher gab es so wenige verschiedene Arten von Jobs, dass die Nachnamen danach benannt wurden. Der Schmidt, der Bäcker, der Schuster. Machner kommt sicher von "machen". Und jetzt gibt es allein im Social-Media-Bereich Content-Ersteller, Influencer, bezahlte Werbung, zahlreiche Jobs.
**Eliot Mannoia:** Was sich sehr stark verändert, ist die Geschwindigkeit. Umso mehr man mit KI arbeitet, erwartet man schnelle Antworten überall. Meine Geduld ist sicher geringer geworden. Wenn IT nicht so funktioniert, wie ich es gewohnt bin, werde ich ganz ungeduldig.
Und KI wird das Personalisieren auf alle Ebenen bringen. Ich erwarte dann, dass das Mail von der Bank inhaltlich auf mich zugeschnitten ist, nicht nur "Liebe Frau Machner". Was das für Freundschaften bedeutet: Der Film "Her" mit Joaquin Phoenix zeigt das gut. Wenn wir gewohnt sind, eine eigene KI zu haben, die alles weiß, welche Witze wir mögen, welche Uhrzeiten, dann wird die Geduld im Freundeskreis sinken. Man merkt es jetzt schon mit TikTok und den konstanten Dopaminausschüttungen. Diese On-Demand-Konditionierung, wie Pawlow und sein Hund: Wir sind es gewohnt, gleich Feedback zu bekommen.
**Manuela Machner:** Ich stehe für Dopaminausschüttungen. Erfolgserlebnisse wirken bei mir hervorragend. TikTok ist für mich eine Suchtgefahr. Das muss ich bewusst ausschalten. Und ich glaube, das kann auch in Richtung Partnerschaften gehen. In einer Beziehung hat der andere Mensch seine eigene Meinung und sein eigenes Verhaltensmuster. Die Frage wird sein, ob wir uns so daran gewöhnen, dass jemand uns ständig auf die Schulter klopft.
**Eliot Mannoia:** ChatGPT sagt immer: "Das war eine hervorragende Idee. Sie haben das super gemacht. Hier sind ein paar Verbesserungsvorschläge." Wenn die KI sagen würde: "So ein Scheißtext. Hier, so klingt er viel besser." Dann würden wir es viel weniger nutzen. Und das wird spannend: Wie kritikfähig sind wir in Zukunft, wenn wir so viele Chatbots verwenden, die uns ständig sagen, wie gut wir das gemacht haben?
**Manuela Machner:** KI ist kein abgesondertes System wie ein Hammer in der Ecke. Umso mehr wir es nutzen und in allen Bereichen, umso stärker wird es unser Verhalten abändern.