#1 KI - mehr als ein Werkzeug?

Ist KI nur ein Werkzeug oder schon mehr? Manuela Machner sieht KI als täglichen Wegbegleiter wie früher Google. Eliot Mannoia widerspricht: Wer der KI Bitte und Danke sagt, zeigt ein psychologisches Phänomen. Die beiden diskutieren, wie KI Wahlen beeinflusst, warum Apps wie Replika Millionen Nutzer haben und was passiert, wenn KI zum sozialen Begleiter wird.

FAQ: KI – mehr als ein Werkzeug?

Ist KI nur ein Werkzeug oder hat sie eine andere Qualität?

Manuela Machner sieht KI als täglichen Wegbegleiter, ähnlich wie früher Google oder der Stift im Alltag. Eliot Mannoia widerspricht: Wer der KI Bitte und Danke sagt, zeigt ein psychologisches Phänomen namens Anthropomorphizing. KI ist damit mehr als ein Werkzeug, weil wir eine Beziehung zu ihr aufbauen, auch wenn sie selbst keine aufbauen kann.

Manuela Machner und Eliot Mannoia

Warum ist vielen Menschen nicht bewusst, dass sie KI bereits nutzen?

KI steckt schon lange in Google Maps, iPhone-Entsperrung und Biometrics. Erst seit ChatGPT durch die Decke gegangen ist, haben viele gemerkt, dass es da noch mehr gibt. Manuela Machner nutzt ChatGPT im Verhältnis zu Google achtzig zu zwanzig, weil es praktische Alltagsfragen zehnmal schneller löst als eine Google-Suche.

Manuela Machner

Wie kann KI Wahlen und Demokratie beeinflussen?

Deepfakes und KI-gestützte Social-Media-Kampagnen haben bereits US-Wahlen und Brexit beeinflusst. Was früher Profis vorbehalten war, ist heute für jeden möglich. Ein Politiker in Pakistan ließ seinen Avatar eine Rede halten, während er im Gefängnis saß. 2024 fanden über vierzig Wahlen weltweit statt.

Eliot Mannoia

Was ist das Risiko von KI als sozialem Begleiter?

Die App Replika hat über zehn Millionen Downloads, weil Menschen mit KI als Freund interagieren. TikTok-Algorithmen kennen einen schneller als ein echter Mensch und liefern genau das, was man möchte. Das Tragische daran: Wenn jemand die KI kontaktiert, bevor er einen Freund anruft, zeigt das eine Verschiebung in der sozialen Grundstruktur.

Eliot Mannoia

Wie unterscheidet sich eine Diskussion mit ChatGPT von einer mit einem echten Menschen?

ChatGPT gibt einem Recht, wenn man nicht explizit sagt, es soll widersprechen. Echte Menschen ecken an, haben andere Meinungen und diskutieren. Diese Interaktion fehlt bei KI vollständig. Man muss ChatGPT explizit anweisen: "Widersprich mir", damit es das tut. Das macht KI einfacher, aber nicht gleichwertig zu echter menschlicher Interaktion.

Manuela Machner

Transkript

**Manuela Machner:** Hallo und herzlich willkommen bei unserem ersten Videopodcast von Mind/Machine. Ich vertrete die Technik und den maschinellen Zugang. Ich bin Manuela und freue mich, dass ihr uns zuhört und zuschaut.

**Eliot Mannoia:** Hallo, ich bin Eliot und ich bin fasziniert von der menschlichen Seite, also wie wir als Menschen mit Computern und Technologie interagieren. Wir haben uns gedacht, wir lassen euch teilhaben von unseren Diskussionen, Gesprächen und unserem Austausch. Als heutiges Thema haben wir uns vorgenommen: KI. Mehr als ein Tool oder nicht? Das ist die Frage. Was ist KI für dich, Manuela?

**Manuela Machner:** Es ist ein täglicher Wegbegleiter inzwischen. Ein Werkzeug, so wie es vielleicht vor einem Jahr noch Google war oder wie der Stift im Alltag ist. Wobei man sagen muss, KI war ja sowieso schon immer in irgendeiner Form ein Wegbegleiter in den letzten Jahren, nur uns war es gar nicht bewusst. Seit ChatGPT durch die Decke gegangen ist, haben viele entdeckt, dass es da noch mehr gibt. Und so hat es sich auch für mich entwickelt. Wie ist es für dich?

**Eliot Mannoia:** Wie du gesagt hast, KI gibt es schon seit einiger Zeit. Es ist ein Wahnsinn, wie es plötzlich Mainstream geworden ist. Ich habe das vor zwei, drei Jahren schon auf der Uni Krems unterrichtet, in Bezug auf Marketing und KI. Da war es noch eher in die Tools integriert und nicht so, dass die Personen selbst damit wirklich interagieren. Es ist ein Wahnsinn, was da plötzlich alles möglich ist in einem direkten Zugang, also dass man direkt Bilder oder dieses Generative AI wirklich selber generieren kann.

**Manuela Machner:** Was ich mich frage: Das ist ja spannend, dass es jetzt ein eigenständiges Tool ist, aber ich glaube, dass es wirklich den Durchbruch bei vielen im Alltagsleben haben wird, wenn es auch in den gängigen Tools integriert ist. Wir zwei beschäftigen uns ja sehr stark mit diesem Thema, aber ich erlebe schon sehr oft im Umfeld, wenn ich sage, ich beschäftige mich mit KI und wie man es nutzen kann, dass die Leute sagen: "Ich weiß gar nicht, was das ist" oder "ChatGPT habe ich schon mal gehört, aber das war es schon." Ich gehe fast davon aus, dass KI erst wirklich erfolgreich ist, wenn es so wie bei Microsoft Copilot angekündigt im Alltagsprogramm integriert ist. Was glaubst du, wie das weitergeht?

**Eliot Mannoia:** Die Use Cases sind der Schlüssel. Je mehr sich Leute vorstellen können, wie KI sie unterstützen kann, desto besser. Wir nutzen es zum Teil schon mit Google Maps, mit iPhone-Entsperrung, mit Biometrics. Diese Use Cases haben die Adoption sehr leicht gemacht. Wenn ein Use Case da ist, versteht man das auch und nutzt man das auch. Wichtig ist auch der Name "Künstliche Intelligenz". Da sind sich viele einig, dass ein anderer Name vielleicht besser wäre. Er macht manchen Angst. Künstliche Intelligenz wird von Experten oft beschrieben als eigentlich nur ein High-Performance-Computer. Wenn wir zurückgehen würden in die Zeit, würden wir vielleicht einen anderen Namen dafür aussuchen.

**Manuela Machner:** Ich glaube, der Zug ist abgefahren. Jeder hat irgendwo ein Bild davon, und wenn man versucht, eine technische Beschreibung zu bekommen, sind selbst Experten nicht ganz einig, wo künstliche Intelligenz beginnt und wo sie aufhört. Für technische Laien ist das noch viel schwieriger. Vieles sind ja auch Automatisierungen oder Algorithmen, und wo da genau die Grenze zu ziehen ist, ist noch eine andere Geschichte. Ich finde es halt mega praktisch. Ich glaube, man kann viele Dinge bereits jetzt nutzen, nur den Leuten ist das einfach nicht bewusst. Ich habe erst vor Kurzem ein Gespräch gehabt, wo ich gesagt habe, ich verwende ChatGPT im Verhältnis zu Google achtzig zu zwanzig. Ein ITler hat mich gefragt, was ich da eigentlich mache. Und ich habe gesagt: ganz einfache Dinge. Wenn ich nicht weiß, wie ich mein Mikrofon für den Videopodcast einstellen soll, frage ich ChatGPT. Und bevor ich das gegoogelt und mir ein YouTube-Video angeschaut hätte, habe ich das zehnmal gelöst. Das Bewusstsein ist gar nicht da, wie diese Tools uns im alltäglichen Leben helfen können.

**Eliot Mannoia:** Absolut. Und wie sehr sie auch unser Leben schon beeinflussen. Das war auch ein Thema, das wir uns für heute überlegt haben: Ich bin der Meinung, dass KI mehr als ein Tool ist. Wenn man sich überlegt, wie es uns in Algorithmen schon beeinflusst, auf Social Media, wo es auch schon etliche Artikel gibt, ich glaube vom Wall Street Journal, dass Instagram-Algorithmen die Mental Health von Teenagern beeinflusst. Letzte Woche kam ein Artikel raus, dass die Dänische Technische Universität und die Northeastern University mit einer KI feststellen konnten, wie lange eine Person leben wird. Mit diversen Faktoren können sie modulieren, wie lange eine Person leben wird. Und dann auch die Wahlen: Wie mit Deepfakes schon in den letzten großen Wahlen, auch in Amerika oder beim Brexit, stark beeinflusst wurde. 2024 haben wir über vierzig Wahlen in der Welt. Das wird ein ganz wichtiges Jahr für die Demokratie. KI ist auf jeden Fall nur eine Maschine, aber sie nur als Werkzeug zu sehen, verharmlost es vielleicht ein bisschen zu sehr. Wir sollten uns über die ethischen Effekte bewusst sein. Wie siehst du das?

**Manuela Machner:** Man kann alles missbrauchen. Wenn ich einen Hammer habe, ist das ein Werkzeug. Wenn ich mit dem Hammer jemanden erschlage, ist das eine Mordwaffe. Ich glaube dennoch, dass an sich die Programme, die Algorithmen, Werkzeuge sind. Die Frage ist nur: In den Händen der falschen Personen wird das Werkzeug auch zur Waffe oder zum Manipulationsmittel. Die Gefahr ist, dass es so einfach geworden ist. Diese Einflussnahmen, die es bei Social-Media-Kampagnen schon gab, hat es ja schon gegeben. Nur damals waren Profis notwendig. Heute sind viele Dinge für dich und mich genauso möglich. Wir zwei könnten jetzt statt uns selbst einen Klon von uns hier hersetzen und ihm vorgeben, was er zu sagen hat. In Pakistan hat ein Politiker, der im Gefängnis war, seine Rede als Avatar gehalten, weil er nicht konnte. Die Möglichkeiten sind schon ziemlich breit.

**Eliot Mannoia:** Ich finde es einerseits sehr faszinierend, auf der anderen Seite natürlich auch beängstigend. Das geht wohl jedem so, der sich näher damit beschäftigt. Nicht dass ich Angst hätte, dass ein Terminator durch die Tür kommt, aber das Thema Manipulation und vor allem: Wo fängt echte Manipulation an? Im AI Act ist das strafbar, aber jede Werbung ist Manipulation. Jedes Gespräch, wenn wir uns unterhalten, ist irgendwo auf dem Spektrum. Die Bandbreite ist sehr groß. Dennoch glaube ich, dass es primär noch ein Werkzeug ist. Aber die Gefahr, die zu beobachten ist: Menschen nutzen es immer stärker als Buddy, als Gegenüber im Austausch. Ich tappe mich selbst dabei, dass ich zur KI Bitte und Danke sage. Eurem Hammer habt ihr das noch nie gesagt.

**Manuela Machner:** Genau da würde ich widersprechen. Dieses Anthropomorphizing von Technologie ist ein psychologisches Phänomen, das passiert. Es gibt schon KI-Freunde, also Apps mit über zehn Millionen Downloads, zum Beispiel Replika, wo Menschen wirklich mit einer KI als Freund interagieren. Und das kommt dazu: die Algorithmen auf Social Media, die Wahlen, die ethischen Fragen rund um Lebenserwartung. Im Gegensatz zu einem Werkzeug hat hier plötzlich eine Technologie, die auch selbstständig lernen kann, eine Beziehungsebene. Die KI kann natürlich keine Beziehung aufbauen, aber wir versuchen, eine Beziehung mit einer Maschine aufzubauen, mit Hallo sagen und Danke sagen. Da müssen wir wirklich den Impact betrachten, den das haben kann, auch in den nächsten zehn Jahren. Jetzt ist es vielleicht noch ein dümmeres Werkzeug, aber in fünf Jahren, ich denke nur an den Film "Her" mit Joaquin Phoenix, das kann ich schon kommen sehen.

**Eliot Mannoia:** Ich befürchte auch, dass es sich in diese Richtung entwickelt. Das Tragische ist, wenn jemand die Notwendigkeit hat, bevor er einen Freund anruft, sich mit einer App zu unterhalten. Was wir erleben: TikTok-Algorithmen kennen dich schneller als ein anderer Mensch, aufgrund deines Verhaltens, und liefern dir genau das, was du möchtest. Das tut ein Freund nicht. Menschen ecken an, man ist nicht der gleichen Meinung, man diskutiert. Während KI-Anwendungen wie ChatGPT dir helfen möchten, was total nett ist. Hast du schon mal versucht, mit ChatGPT eine kontroverse Argumentation zu führen? Er sagt: "Ja, eigentlich hast du recht." Eigentlich will ich gar nicht, dass er mir recht gibt, sondern mir widerspricht. Dann musst du ihm vorher sagen: "Widersprich mir", und dann widerspricht er die ganze Zeit. Diese Interaktion hast du nicht wie mit einem realen Menschen, aber es ist natürlich viel einfacher.

**Manuela Machner:** Wir neigen ja dazu, uns das teilweise auch einfacher zu machen. Im Alltag und vom Nutzen her sehe ich es als Werkzeug. Ich befürchte aber auch, dass das nicht bei allen Menschen so ist und dass es sich in eine Richtung entwickeln wird, wo man das Gefühl hat, jemanden zu haben, eine Persönlichkeit gegenüber zu sein. Das wird noch ganz spannend werden. Ich bin gespannt, wie sich das tatsächlich entwickelt. Im Tourismus sind wir immer auf Messen gefahren, das war völlig unpopulär, weil man ja online verkauft. Ich glaube, dass man in zehn Jahren wieder auf Messen fährt, nur um echte Menschen zu sehen und sich sicher sein zu können: Wenn ich mit dir rede, bist du auch du. Und nicht nur dein Avatar oder dein virtueller Ersatz.

**Eliot Mannoia:** Ihr könnt uns jederzeit sagen, was euch interessiert, und wir besprechen das gerne. Manuela, was besprechen wir in der nächsten Episode?

**Manuela Machner:** Wie wir KI jetzt wirklich einsetzen, also welche Tools wir nutzen und wo es uns wirklich hilft. Was wir so für Erfahrungen haben. Das ist vielleicht ganz interessant, weil ich glaube, dass das vielen gar nicht bewusst ist, wie KI-Tools ihnen bereits jetzt im Alltag helfen können.

**Eliot Mannoia:** Super, bin schon sehr gespannt. Dann sehen wir uns hoffentlich bei unserem nächsten Podcast von Mind/Machine. Alles Liebe, macht's gut. Tschüss.

**Manuela Machner:** Baba. Ciao.